Vor dem Badspiegel.
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Nah dran – die Reportage | 27.07.2017 Papa heißt jetzt Verena

Länger als 30 Jahre lebte Verena im falschen Körper. Als Junge aufgewachsen, ist sie ein eher schüchternes Kind. Sie spürt, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Bis immer klarer wird: Sie ist transsexuell, sie ist kein Mann, sondern eine Frau.

Vor dem Badspiegel.
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Länger als 30 Jahre lebte Verena im falschen Körper. Im Allgäu geboren und als Junge aufgewachsen, ist sie ein eher schüchternes Kind. Sie spürt, dass mit ihr  etwas nicht stimmt. Nach außen führt sie in der Rolle und im Körper eines Mannes ein normales Leben, heiratet, renoviert ein Haus, bekommt Kinder. Doch innerlich ist sie zerrissen, sucht die richtige Identität, bis immer klarer wird: sie steckt im falschen Körper, ist transsexuell, sie ist kein Mann, sondern eine Frau.

Weihnachten 2014 erlebt sie die schlimmste Woche ihres Lebens: Outing bei den Eltern, im Job, auch die Ehe übersteht die Offenbarung nicht.

Es war sehr schwierig für mich. Viel Traurigkeit dabei, gerade in der ersten Woche, viel Verzweiflung, Angst, alles zu verlieren, was man bisher aufgebaut hat. Alles was man dachte, was sicher sei, war mit einem Wusch weg. Ich habe mich gefühlt, als hätt ich komplett den Boden unter den Füßen verloren. Eigentlich das richtige Gefühl ist, man fällt eigentlich nur und ist irgendwann bei null angekommen.

Verena
Mit Freunden am Kaffeetisch.
Verena im Kreise ihrer Familie Bildrechte: BR

Einziger Halt in diesen Tagen sind ihre Eltern und Geschwister. Auch sie sind zunächst perplex, hatten keine Ahnung, was in Verena all die Jahre vorging. Aber sie halten ohne Bedingungen zu ihr. Ein großes Glück. Nicht alle Familien von Transsexuellen können oder wollen akzeptieren, dass ihr Sohn eigentlich eine Tochter ist – oder umgekehrt.

Wir wissen, wenn Verena sagt, das ist so, dann passt das. Also setzen wir uns mit der Thematik auseinander und unterstützen sie, wo’s geht. Sie ist unser Kind, da ändert sich nichts. Das Kind bleibt, der Charakter bleibt, der Mensch bleibt. Das sind Faktoren, die sind stabil.

Vater von Verena

Einerseits die Erleichterung, endlich zu wissen, was „falsch“ war, andererseits die Angst vor dem radikalen Neuanfang. Für Verena beginnt ein harter Weg mit psychologischen Gutachten, Arztbesuchen, Behördengängen, Scheidung und Mobbing bis hin zur geschlechtsangleichenden Operation im vergangenen Dezember. Ein neues Leben mit zahllosen Hürden.

Verena zur Erholung im Gebirge.
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Zuletzt aktualisiert: 06. September 2017, 13:44 Uhr