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MDR | 13.09.2017 Selbstständige Lehrer haben Millionenschulden bei der Rentenversicherung

Trotz hoher Qualifikation arbeiten tausende selbständige Lehrer auf Mindestlohn-Niveau oder darunter. Nach Recherchen des Nachrichtenmagazins "Exakt" sind ca. 73.000 Dozenten, die an Volkshochschulen arbeiten, betroffen.

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Zwar werden Honorarsätze zwischen 17 EUR und 35 EUR pro Stunde gezahlt, die freiberuflichen Lehrer müssen aber alle Versicherungen selbst tragen, auch den Arbeitgeberanteil. Im Krankheitsfall oder in den Ferienzeiten fließen keine Honorare. Das alles führt regelmäßig zu einer Bezahlung unter dem Mindestlohn. Aufstockungen durch die Jobcenter mit Hartz-4-Mitteln sind keine Seltenheit. Da die Honorare nicht ausreichen, zahlen viele Volkshochschul-Lehrer auch keine Rentenbeiträge ein.

Die Beitragsschulden von Honorar-Dozenten und vergleichbar beschäftigen Selbständigen bei der Rentenkasse betragen rund 300 Millionen Euro. Das ergab eine kleine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung. Markus Kurth, Sprecher für Rentenpolitik bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN war vom großen Ausmaß der Beitragsschulden überrascht und sagte MDR-exakt: "Das zeigt, wie schlecht die Lehrer bezahlt werden und dass sie es gar nicht schaffen, neben dem Krankenversicherungsbeitrag noch die Rentenversicherung zu bezahlen."

Kurth kritisiert den "Spar-Wahn der öffentlichen Hand". Er spricht von scheinselbstständiger Beschäftigung und fordert Städte und Gemeinden als Träger von Volkshochschulen auf, die Lehrer fest anzustellen. Besonders skandalös sei es, dass "Sprachlehrerinnen und Sprachlehrer, die mit Geldern des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bezahlt werden, nicht regulär versicherungspflichtig beschäftigt werden", so Kurth. 

Das MDR-Magazin "exakt" beschäftigt sich am Mittwoch um 20.15 Uhr mit dem Thema.

Mehr dazu auch unter mdr.de/investigativ.

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 16:01 Uhr