MDR FERNSEHEN

MDR Fernsehenl | D 54 | Dresden, 04.05.2012 : Die schönste Frau der Welt - Peter Escher und die Sixtinische Madonna

„Die Spur der Schätze“: Sendung am Mittwoch, 09.05.2012, 21.15 Uhr im MDR FERNSEHEN

Die Geschichte der schönsten Frau der Welt ist ein Krimi. Ein Gefeilsche, ein Bild, ein Machtkampf, ein Pokerspiel um Ruhm und Ehre. Es geht um viel Geld. Um 36 000 Scudi Romani. Soviel wie heute auf dem internationalen Kunstmarkt  ein Gemälde von Andy Warhol oder Gerhard Richter kostet. Dieses Bild ist nicht irgendeins. Es ist ein Bild von Raffael da Urbino, dem Malerfürsten der Renaissance. Und nicht nur das: Der Auftrag zur Sixtinischen Madonna kommt von höchster Stelle. Julius II. bestellt das Gemälde  persönlich bei Raffael. Die Sixtinische Madonna aber hat er nie vollendet gesehen, er stirbt 1513.

Fast 250 Jahre später steht die Madonna immer noch auf ihrem Platz auf dem Hochaltar von San Sisto, in der neuen Kirche von Piacenza, aber längst vergessen.  Bis ein zweiter Mächtiger sie unbedingt will: August der III. Er sammelt wie im Rausch. Italienische Maler, Franzosen, Flamen und Holländer. Alles, was Rang und Namen hat. Er kauft, wo er nur kaufen kann. Es gibt nur ein Problem: Es fehlt der wichtigste Maler - Raffaelo da Urbino. August der III. aber braucht den Malerfürsten der Renaissance für seine Gemäldegalerie, koste es, was es wolle. Es beginnt ein Kampf um ein Bild, das August der III. noch nie gesehen hat. Ein  Gefeilsche, das jahrelang dauert. Erst am 21.Januar 1754 geht das Bild in einer abenteuerlichen und gefährlichen Reise über den Brenner nach Dresden. Dort wartet August der III. - und er ist begeistert: "Platz dem Raffael!"

Der Transport über den Brenner aber ist nicht die einzige Gefahr für das Gemälde. Im Siebenjährigen Krieg wird das Bild in die Festung Königstein ausgelagert. Dort kommt es zu ersten Schädigungen. Viel schwerer aber wiegt die Auslagerung im Zweiten Weltkrieg in einen Eisenbahntunnel in Groß-Cotta bei Pirna. Die Restauratoren konnten trotz aller Mühe nicht verhindern, dass beim Eintreffen der Roten Armee am 9. Mai 1945 die Klima-Aggregate ausfallen. Nur wenige Wochen später rollt vom Dresdner Hauptbahnhof ein Sonderzug mit 30 Waggons gen Moskau. Dort aber liegt die Madonna mit 746 anderen Bildern aus der Gemäldegalerie Alte Meister zehn Jahre lang im Depot. Und wieder geht es um Geld, um Macht.

Ein Kultbild wird 500 - und alle feiern mit. Raffaels Sixtinische Madonna hat europäische Kunstgeschichte geschrieben. Jeder kennt die Engel. Die wenigsten aber das Original. Nur aber, wenn man die Sixtinische Madonna in Dresden sieht, mit eigenen Augen, dann weiß man, warum die Engel so verzaubern.

Peter Escher hat sich mit einem Reporter-Team des MDR auf Spurensuche begeben. Er hat das Kloster in Piacenza besucht und dort nach alten Unterlagen gekramt, war in Moskau bei der 90-jährigen Irina Antonova, der Grand Dame der Beutekunst und ältesten Museumsdirektorin der Welt, die als junges Mädchen die Kiste mit der Sixtinischen Madonna in Moskau ausgepackt und die schönste Frau der Welt nie vergessen hat.

"Die schönste Frau der Welt - Peter Escher und die Sixtinische Madonna": Eine neue Dokumentation in Reihe "Die Spur der Schätze" am 9. Mai 2012, 21.15 Uhr im MDR FERNSEHEN

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2012, 16:16 Uhr

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