Historische Mühlentechnik: Walzenstühle im Trakt der ehemaligen Weizenmühle in Kleinhettstedt.
Bildrechte: MDR/Kathrin Welzel

MDR | Leipzig, 19.05.2017 Scharfmacher aus Kleinhettstedt – die Senfmühle der Familie Morgenroth

Über die traditionelle Herstellung von Senf und die Geschichte der Kunstmühle Kleinhettstedt berichtet die Reihe „Der Osten – Entdecke wo du lebst“ am 23. Mai um 20.45 Uhr im MDR-Fernsehen.

Historische Mühlentechnik: Walzenstühle im Trakt der ehemaligen Weizenmühle in Kleinhettstedt.
Bildrechte: MDR/Kathrin Welzel

Die kleinen braunen Tontöpfe stehen eng nebeneinander. Jeder ist gefüllt mit einer Würzpaste, die schon Römern und Chinesen schmeckte, und die den Thüringern genauso wichtig ist wie ihre Rostbratwurst – denn ohne Senf geht hier nichts. In der Senf- und Kunstmühle Kleinhettstedt wird der Senf noch traditionell hergestellt: geschrotet, gemaischt und dann behutsam gemahlen. Nur noch wenige Mühlen gönnen sich den Luxus, den Senf in einem besonders schonenden und damit zeitintensiven Prozess zu schroten.  

Die Kleinhettstedter Mühle ist seit 1732 in Familienbesitz und mit Ulf Morgenroth steht inzwischen die neunte Generation an Walzenstühlen und Mühlsteinen, aber der Senf beherrscht erst seit knapp 20 Jahren das Fachwerkensemble im Ilmtal. Jahrhundertelang war es Getreidemühle, Sägemühle, sogar Gipsmühle. Dann konzentrierte sich die Müllerfamilie Morgenroth auf das Getreide – Roggen und Weizen, in guten Zeiten bis zu 65 Tonnen täglich. Sie verkraftete Missernten und Überschwemmungen. Sie arbeitete sogar weiter in der Mühle als diese 1972 über Nacht enteignet und in Volkseigentum überführt wurde. Die Mühle läuft.

Doch nach der Wende steht sie still. Die Treuhand demontiert einen Teil der Mühlentechnik. Was bleibt, ist zu klein, um bei den Großen mithalten zu können und zu groß für Kleinhandwerk. Morgenroths achte Familiengeneration muss sich entscheiden. Dann sortiert Ulfs Vater Friedrich Morgenroth das Familien-Mühlen-Archiv und findet das Rezept, mit dem die Zukunft gemeistert werden kann.

Ein Film von Kathrin Welzel 

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2017, 12:43 Uhr