Inhalt:

Presseinformation | L 528 | Leipzig, 21.07.05

Wilfried Mohren fristlos entlassen

Intendant Udo Reiter: Interne Untersuchungen werden verschärft

Leipzig. Der MDR hat seinen suspendierten Fernseh-Sportchef Wilfried Mohren heute (Donnerstag, 21. Juli) fristlos entlassen. Gegen Mohren läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall - er sitzt seit vergangener Woche in Untersuchungshaft. Der MDR hatte Akteneinsicht bei den Ermittlungsbehörden beantragt und diese auch erhalten. Nach Auswertung der durch die Staatsanwaltschaft Dresden zur Verfügung gestellten umfangreichen Unterlagen war klar: Wilfried Mohren ist als Fernseh-Sportchef untragbar geworden. MDR-Intendant Udo Reiter: "Die zusammengetragenen Beweismittel und Aussagen sind erdrückend. Wir können bislang sicher davon ausgehen, dass der Beschuldigte über einen vom MDR nicht genehmigten Vertrag mit der Firma Techem AG deutlich über 100.000 Euro kassiert hat."

Reiter kündigte an, die bereits angelaufenen internen Untersuchungen im Fall Mohren zu verschärfen. Dazu wurden Frankfurter Wirtschaftsprüfer mit dem Fachgebiet Wirtschaftskriminalität (Forensic Services) nach Leipzig bestellt. "Wir brauchen einen von externen Fachleuten erstellten unabhängigen Bericht, der glaubhaft ist und uns detaillierte Informationen über die Vorgänge liefert. Wir brauchen eine Schwachstellenanalyse und daraus abgeleitet Empfehlungen für unsere Dienstvorschriften. Und wir brauchen einen gerichtsverwertbaren Report, um Schadensersatzansprüche geltend zu machen", so Reiter.

"Task Force" gegen Schleichwerbung

Die Revision des Senders soll sich stärker als bislang des Themas Schleichwerbung annehmen und regelmäßig Produktionen von Hörfunk und Fernsehen auf Placements untersuchen. Unterstützt wird die Revision durch eine Arbeitsgruppe - eine Art Task Force - aus Verwaltungsdirektion, Juristischer Direktion und Unternehmensplanung. Außerdem wird die Prüfungstätigkeit der MDR-Revision auf produzierende Tochterunternehmen ausgeweitet. Gleichzeitig soll das Bewusstsein der Mitarbeiter des MDR geschärft werden: Ein erstes Seminar mit dem Titel "Trennung von Werbung und Programm" wurde bereits im internen Fortbildungsangebot des Senders aufgenommen.

In Sachen Bavaria wird der MDR peinlich genau darauf achten, dass der beschlossene Maßnahmenkatalog zur Verhinderung von Placements umgesetzt wird. Bereits produzierte Folgen der Serie "In aller Freundschaft" wurden auf Schleichwerbung überprüft und fragliche Sequenzen auf Kosten der Saxonia Media entfernt. Weitere Produktionen ("Tatort", "Polizeiruf 110") werden noch überprüft. Der MDR hat außerdem 374 Produzenten angeschrieben und eine Erklärung eingefordert, dass bei allen bisherigen Produktionen die in den Produktionsverträgen festgeschriebenen "Richtlinien von Trennung von Werbung und Programm" eingehalten wurden. Da dieser Rücklauf bislang eher dünn ausfiel (150 Rückläufe per 20. Juli), wurde die Frist bis 19. August verlängert.

Reiter betont, dass die in den letzten Wochen bekannt gewordenen Schleichwerbungs- und Korruptionsfälle den öffentlich-rechtlichen Sendern massiv geschadet hätten. Jetzt müsse das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder zurück gewonnen werden. "Der MDR wird aus eigener Kraft alles tun, um sich künftig von Schleichwerbung und Korruption sauber zu halten." Gleichzeitig warnt Reiter davor, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt in Frage zu stellen: "Natürlich ist Kritik und vor allem Selbstkritik angebracht. Aber wir erleben auch, wie undifferenziert und zum Teil populistisch auf die ARD eingeprügelt wird. Vor allem, wenn die Kritik von unseren Mitbewerbern kommt, ist viel Heuchelei erkennbar."



***



Achtung, Redaktionen: Interviews mit Udo Reiter leider nicht möglich. Zum Stand der staatsanwaltlichen Ermittlungen wird sich der MDR nicht äußern

Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2005, 16:05 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

© 2010 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK