MDR Unternehmen | L 334 | Leipzig, 17.08.2011 MDR-Intendant zu Anfragen im Fall Foht

Zur Berichterstattung und den Anfragen im Fall Udo Foht teilt MDR-Intendant Udo Reiter folgendes mit:

"Nach dem Betrugsfall beim KI.KA habe ich im Mai 2011 eine unabhängige Untersuchungskommission beauftragt, die Strukturen und Abläufe innerhalb des Hauses zu überprüfen, um ähnliche Vorkommnisse in Zukunft auszuschließen. Daraufhin hat sich ein Produzent an die Juristische Direktorin des MDR gewandt und ihr von merkwürdigen Geldgeschäften im Bereich der Fernsehunterhaltung berichtet. Die sofort eingeleiteten Nachforschungen ergaben, dass der Leiter des Programmbereichs Unterhaltung des MDR Fernsehens, Udo Foht, sich offenbar bei Produzenten und Privatpersonen Geld geliehen hat, das er angeblich für Produktionen oder notleidende Produktionsfirmen benötigte. Dieses Geld wurde dann teilweise von Dritten, teilweise mit großer Verspätung, teilweise gar nicht zurückgezahlt.

Dem MDR ist nach bisherigem Erkenntnisstand durch die Geschäfte von Herrn Foht keinerlei finanzieller Schaden entstanden. Gleichwohl hat der Unterhaltungschef grob gegen MDR-Regularien verstoßen. Ich habe ihn deshalb unverzüglich vom Dienst suspendiert und den Vorfall der Staatsanwaltschaft übergeben.

Was die Kenntnis der Geschäftsleitung von den Fohtschen Praktiken betrifft, ist richtig, dass sich am 28.09.2009 ein Produzent an mich gewandt und darauf hingewiesen hat, dass ihm Herr Foht 10.000 Euro schulde. Ich habe diesen Vorgang an den Fernsehdirektor weitergegeben und erhielt von ihm Mitte Oktober die Mitteilung, dass die Sache erledigt sei. Daraufhin habe ich keine weiteren Nachforschungen angestellt. Der Fernsehdirektor selbst hatte seit Februar 2009 Kenntnis von einer weiteren Forderung an Herrn Foht in Höhe von 20.000 Euro. Diese Forderung wurde offenbar von einem Dritten beglichen. Die Details dieser Rückzahlungen sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen, zu denen wir nach Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft derzeit keine weiteren Angaben machen können.

Dass nun interessierte Kreise diese Dinge dazu benutzen, den MDR und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt anzugreifen, war zu erwarten. Dabei wird gezielt ignoriert, dass im MDR Tausende von engagierten Mitarbeitern gute Arbeit leisten. Der MDR gehört zu den erfolgreichsten Sendern in der ARD, seine Programme sind beim Publikum beliebt und seine Finanzen geordnet. Richtig ist, dass das Einrichten von Controlling-Planstellen in den stürmischen Aufbaujahren nicht immer im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stand. Letztlich haben aber die Kontrollinstanzen des MDR zur Aufklärung der Betrugsfälle entscheidend beigetragen. Vor allem Rundfunk- und Verwaltungsrat haben ständig auf die Offenlegung aller Tatbestände gedrängt. Am 31.8. findet zum Fall Foht eine Sondersitzung des Rundfunkrats statt.

Vor diesem Hintergrund zu behaupten, im MDR sei "kaum eine Instanz intakt", ist maßlos und unangemessen. Die Vermutung liegt nahe, dass hier versucht werden soll, die aktuellen Probleme des MDR zu instrumentalisieren, um den Sender und seine Organe im Vorfeld der Intendantenwahl unter Druck zu setzen.

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Aufklärung der Vorwürfe vom MDR ausgegangen ist und dass wir selbstverständlich alles veranlassen werden, um den gesamten Tatbestand in Zusammenarbeit mit der Untersuchungskommission und der Staatsanwaltschaft lückenlos offen zu legen. Ich werde jedenfalls mein möglichstes tun, um meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin einen geordneten Sender zu übergeben."

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2011, 10:17 Uhr