Eine Frau sitzt an einem Tisch und füllt einen Fragebogen aus.
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Neu ab April 2017 Gesundheit, Arbeit, Geld und Energie

Psychotherapeuten bieten Sprechzeiten an. Leiharbeiter bekommen mehr Rechte. Der neue 50-Euro-Schein kommt. Pellet-, Holz-, Kohle- und andere Feststoffheizungen gibt es nur noch mit EU-Energielabel.

Eine Frau sitzt an einem Tisch und füllt einen Fragebogen aus.
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Sprechzeiten von Psychotherapiepraxen

Psychotherapeutische Praxen müssen künftig feste Sprechstunden und Telefonzeiten anbieten. Das sieht die neue Psychotherapie-Richtlinie vor, die im April in Kraft tritt. Pro Woche sind vier Sprechstunden à 25 Minuten vorgesehen. In den Gesprächen soll festgestellt werden, ob eine Psychotherapie notwendig ist, ob akuter Handlungsbedarf besteht oder ob der Patient ein Problem hat, das sich zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe oder einer Beratungsstelle besser lösen lässt.

Erwachsene dürfen bis zu sechs solcher Sprechstunden wahrnehmen, Kinder und Jugendliche bis zu zehn. Die Sprechstunden können entweder mit Terminvereinbarung oder als offene Sprechstunden ohne Termin angeboten werden. Sie können auch über die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen vereinbart werden.

Ein Mann telefoniert mit einem Smartphone
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Neben den Sprechstunden müssen Psychotherapeuten pro Woche mindestens 200 Minuten telefonisch erreichbar sein. Die Telefonsprechzeiten müssen im Einzelnen jeweils mindestens 25 Minuten lang sein. Sie dienen vor allem zur Vereinbarung eines Termins. Die Anrufe müssen nicht unbedingt vom Therapeuten selbst angenommen werden, sondern können auch von einem Dienstleister oder - sofern vorhanden - von Praxispersonal entgegengenommen werden.

Die angegebenen Zeiten beziehen sich auf ärztliche und psychologische Psychotherapiepraxen mit vollem Sitz. Praxen mit halbem Sitz müssen dementsprechend die Hälfte der vorgegebenen Zeiten anbieten.

Die Zahl der psychischen Erkrankungen ist zwar weitgehend unverändert. Der therapeutische Bedarf nimmt jedoch zu, weil immer mehr Menschen bereit sind, eine Psychotherapie zu beginnen. Die Sprechstunden und die telefonischen Sprechzeiten sollen dazu beitragen, allzu lange Wartezeiten und vergebliche Anrufe zu verhindern. Die Zahl der psychotherapeutischen Sitze wird nicht erhöht.


Neuer 50-Euro-Schein kommt

Die neuen 50-Euro-Banknoten der Europa-Serie in der Produktion.
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Am 4. April bringt die Europäische Zentralbank (EZB) den neuen 50-Euro-Schein in Umlauf. Er gehört zur sogenannten "Europa-Serie", aus der bereits die 5-, 10-, und 20-Euro-Banknoten eingeführt worden sind. Neben einem veränderten Design verfügen sie vor allem über Reliefs, Wasserzeichen, Hologramme sowie Bereiche, die ihre Erscheinung unter UV- oder Infrarotlicht verändern. Diese Merkmale sollen die Geldscheine fälschungssicherer machen.

Was noch fehlt, sind die neuen 100- und 200-Euro-Noten. Sie sollen die Europa-Serie abschließen. Ein Termin dafür steht noch nicht fest. Einen neuen 500-Euro-Schein wird es nicht geben.


Darmkrebsvorsorge

Bei der Darmkrebsvorsorge kommt ab 1. April ein neuer immunologischer Test zur Anwendung. Er löst den bisherigen Papierstreifentest ab und dient wie sein Vorgänger der Suche nach verborgenem Blut im Stuhl. Die Darmspiegelung ersetzt er aber nicht.


Energielabel für Feststoff-Heizungen

brennenden Holzpellets
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Wer sich eine Heizanlage für Holz, Pellets, Kohle oder andere feste Brennstoffe anschaffen will, kann sich ab 1. April am EU-Energielabel orientieren. Dann müssen sogenannte Festbrennstoffkessel bis 70 Kilowatt mit dieser Energiekennzeichnung versehen sein. Die Einteilung der Energieeffizienzklassen reicht dabei von A++ bis G. Trägt eine neue Anlage dieses Label nicht, kann sie von Schornsteinfeger nicht abgenommen werden. Ältere Anlagen dürfen aber weiterbetrieben werden. Öl- und Gasheizungen müssen bereits seit 2015 das EU-Label tragen.


Leiharbeiter

Leiharbeiter sollen Unternehmen helfen, Auftragsspitzen oder Krankheits- und Urlaubsausfälle auszugleichen. Doch nicht selten werden sie vor allem als billige Arbeitskräfte eingesetzt. Diesem Missbrauch mit Werkverträgen soll ab April mit einer Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes ein Riegel vorgeschoben werden.

Formular "Arbeitsvertrag mit Leiharbeitnehmer"
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So müssen Leiharbeiter nach neun Monaten den gleichen Lohn bekommen wie Angehörige der Stammbelegschaft und nach 18 Monaten ganz übernommen werden, wenn sie weiterhin für das Unternehmen arbeiten wollen. Eine längere Überlassungsdauer ist möglich, wenn man sich darüber tarifvertraglich geeinigt hat.

Die gesetzliche Änderung verbietet außerdem, Leiharbeiter als Streikbrecher zu missbrauchen. Bei einem Streik dürfen sie lediglich in nicht bestreikten Bereichen eingesetzt werden.

Mehr Geld für Stahlarbeiter und Mitarbeiter der Deutschen Bahn


Ein ICE und eine Regionalbahn fahren 2007 in einen Bahnhof ein.
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Zugbegleiter, Lokführer, Bordgastronomen, Disponenten und weitere Beschäftigte der Deutschen Bahn bekommen ab April 2,5 Prozent mehr Geld. Die Änderungen, auf die sich das Unternehmen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) geeinigt hat, betrifft rund 150.000 Mitarbeiter.

Auch in der Stahlbranche wird ab April mehr gezahlt. Nach einer Einigung der Arbeitgeber und der IG Metall erhalten ca. 80.000 Stahlarbeiter im Nordwesten und im Osten Deutschland 2,3 Prozent mehr. Im Mai 2018 sollen die Arbeitsentgelte um weitere 1,7 Prozent angehoben werden.


Höheres Schonvermögen

Menschen mit Behinderung, die kein Erwerbseinkommen haben und Sozialhilfeleistungen beziehen, dürfen ab April deutlich mehr als bisher für sich behalten. Dann wird der Vermögensfreibetrag von 2.600  Euro auf 5.000 Euro angehoben.

Auch die Ehe- und Lebenspartner sowie alleinstehende minderjährige Personen dürfen den Freibetrag geltend machen, ebenso wie alle, die Sozialleistungen zur Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung beziehen.


Nachtrag: Mehr Rechte für Stalking-Opfer

Nachricht: "Ich beobachte dich" auf einem Handydisplay
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Stalking-Opfer sollen besser geschützt werden. Bereits Mitte März ist dazu ein Gesetz in Kraft getreten. Bislang war es für die Verurteilung eines Stalkers notwendig, dass die Nachstellungen das Leben des Opfers schwerwiegend beeinträchtigt haben - etwa wenn Betroffene deshalb umgezogen sind oder den Job gewechselt haben.

Künftig ist Stalking auch dann strafbar, wenn das Opfer sein Leben trotz der Nachstellungen noch nicht geändert hat. Ziel ist es, dass der Stalker sein Verhalten ändert, bevor das Opfer dazu gezwungen ist. Von Stalking ist die Rede, wenn jemand eine andere Person ständig verfolgt oder mit Telefonanrufen terrorisiert. Derartige Nachstellungen können mit zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden. Dieser Strafrahmen bleibt auch mit der Gesetzesnovelle unverändert.

Über dieses Thema berichtet MDR aktuell auch im: MDR FERNSEHEN | 31.03.2017 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. April 2017, 13:50 Uhr