Neu ab 2017 Steuern, Arbeit, Rente und Soziales

Höherer Mindestlohn ab Januar

Der gesetzliche Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2017 von 8,50 Euro auf 8,84 Euro brutto pro Stunde. Zugleich ist 2017 das letzte Jahr, in dem einzelne Branchen noch gesonderte Mindestlöhne zahlen dürfen, die unter dem gesetzlichen Stundensatz liegen. Allerdings dürfen diese Branchentarife am 1. Januar 2017 nicht unter 8,50 Euro liegen. Ab 1. Januar 2018 gilt dann für alle Beschäftigte der gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro.

Kindergeld und Kinderfreibetrag steigen

Mann geht mit Kind im Kinderwagen spazieren
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Der Kinderfreibetrag wird um 108 Euro auf 4.716 Euro angehoben. Für 2018 wurde ein weiterer Anstieg um 72 Euro auf 4.788 Euro beschlossen. Das monatliche Kindergeld steigt 2017 und 2018 um jeweils zwei Euro.

Der monatliche Kinderzuschlag steigt um zehn Euro auf 170 Euro für jedes Kind.

Mehr Unterhaltskosten absetzen

Wer Unterhalt zahlt, kann diese Aufwendungen als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Laut Bund der Steuerzahler sind 2017 maximal 8.820 Euro abziehbar - 168 Euro mehr als bisher. Werden Kinder unterstützt, ist eine steuerliche Berücksichtigung nur dann möglich, wenn man für sie kein Kindergeld beziehungsweise keinen Kinderfreibetrag erhält.                      

Anhebung der steuerlichen Freibeträge

Miniaturfiguren stehen auf einer Zwei-Euro-Münze.
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In den kommenden zwei Jahren sollen Familien durch die Anhebung des steuerlichen Grundfreibetrages entlastet werden. Der Freibetrag steigt 2017 um 168 Euro auf 8.820 Euro und soll 2018 um weitere 180 Euro auf 9.000 Euro angehoben werden. Parallel dazu soll der Unterhaltshöchstbetrag erhöht werden.

Sozialversicherungsbeiträge

Gesundheitskarten
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Die Krankenkassenbeiträge dürften 2017 im Wesentlichen unverändert bleiben. Nur wenige gesetzliche Krankenkassen heben Zusatzbeitragssätze an. Der Zusatzbeitrag kann erhoben werden, wenn der allgemeine Satz von 14,6 Prozent, der zur Hälfte vom Arbeitgeber getragen wird, nicht ausreicht. Davon machen nahezu alle Krankenkassen Gebrauch, sodass der durchschnittliche Beitragssatz derzeit bei 15,7 Prozent liegt.

Der Beitragssatz für die Pflegeversicherung steigt ab 2017 um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent bzw. auf 2,8 Prozent für Kinderlose ab 23 Jahren. Davon trägt der Arbeitgeber 1,275 Prozent. Eine Ausnahme bildet das Bundesland Sachsen. Weil hier der Buß- und Bettag zur Finanzierung der Pflegeversicherung nicht abgeschafft wurde, liegt der Arbeitgeberanteil nur bei 0,775 Prozent, sodass Arbeitnehmer hier etwas mehr in die Pflegeversicherung einzahlen müssen.

Unverändert bleiben die Beitragssätze bei der Rentenversicherung (18,7 Prozent) und bei der Arbeitslosenversicherung (3,0 Prozent).

Beitragsbemessungsgrenzen 2017

Die Beitragsbemessungsgrenzen in den Sozialversicherungen werden angehoben. Bei den gesetzlichen Krankenkassen liegen sie dann bundeseinheitlich bei 52.200 Euro pro Jahr. In der allgemeinen Rentenversicherung liegt sie bei 5.700 Euro im Osten und bei 6.350 Euro im Westen, in der knappschaftlichen Rentenversicherung bei 7.000 Euro (Ost) bzw. 7.850 Euro (West). Die Beitragsbemessungsgrenze definiert, bis zu welcher Einkommenshöhe Beiträge in eine Sozialversicherung gezahlt werden müssen. Alles, was über diese Grenze hinausgeht, ist beitragsfrei.

Neue Versicherungspflicht bei Waisenrenten

Waisenrentner sind nun in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pflichtversichert. Bis zur Erreichung der Altersgrenze bleiben sie beitragsfrei - also maximal bis zum 25. Lebensjahr. Die neue Versicherungspflicht in der GKV gilt nicht für privat krankenversicherte Waisenrentenbezieher, für die keine Familienversicherung möglich ist oder die nicht die dafür nötigen Vorversicherungszeiten nachweisen können.

Hartz-IV-Regelsätze steigen leicht

Die Regelsätze für Bezieher von Arbeitslosengeld 2 werden 2017 etwas angehoben. Am meisten steigen sie bei Kindern zwischen sechs und 13. Für sie werden monatlich 21 Euro mehr gezahlt, sodass der Satz auf 291 Euro steigt. Jugendliche ab 14 bekommen fünf Euro mehr und damit 311 Euro pro Monat. Um fünf Euro steigt auch der Satz für alleinstehende Erwachsene. Sie bekommen ab 2017 409 Euro pro Monat. Leben zwei erwachsene Hartz-IV-Empfänger in einer Wohnung, bekommt jeder von ihnen monatlich 368 Euro, jeweils vier Euro mehr als 2016.

Einmalige Sache: Reformationstag wird bundeseinheitlicher Feiertag Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche an und leitete damit die Reformation ein. Weil sich das Ereignis 2017 zum 500. Mal jährt, wird der Reformationstag einmalig zum bundeseinheitlichen Feiertag.

Der Reformationstag ist seit der Wiedervereinigung Feiertag in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Freuen dürfen sich im Jubiläumsjahr die Bewohner von Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Sie haben auch am nächsten Tag frei, denn dort ist Allerheiligen am 1. November gesetzlicher Feiertag.

Niedrigerer Garantiezins auf neue Lebensversicherungen

Lebensversicherung, Kugelschreiber, Geldscheine
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Für klassische Lebensversicherungen, die ab 1. Januar 2017 abgeschlossen werden, gilt ein niedrigerer Garantiezins. Er sinkt von aktuell 1,25 auf 0,9 Prozent. Der Garantiezins ist der höchste Zinssatz, den Versicherer ihren Kunden auf deren Sparanteil zusagen können. Er wird darum auch als Höchstrechnungszins bezeichnet. Auf Bestandskunden hat die Zinsänderung keine Auswirkung. Die in ihrem Versicherungsvertrag vereinbarten Leistungen bleiben auch weiterhin bestehen.

Neue Steuerregeln für Lebensversicherungen

Einmalauszahlungen aus Kapitallebens- oder Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht, die von 2005 an abgeschlossen wurden, müssen ab 2017 neu versteuert werden. Dann wird auf die Hälfte der Differenz zwischen der Versicherungsleistung und den eingezahlten Beiträgen der individuelle Steuersatz des Versicherungsnehmers angewendet. Die Regelung gilt dann, wenn der Versicherte zum Zeitpunkt der Einmalzahlung mindestens 60 Jahre alt ist und der Vertrag seit mindestens zwölf Jahren besteht. Bei Verträgen, die bis Ende 2004 abgeschlossen wurden, bleiben Einmalzahlungen weiterhin steuerfrei.

Änderungen bei der Steuererklärung hauptsächlich 2018 relevant Bei der Steuererklärung treten 2017 neue Regelungen in Kraft. So werden unter anderem die Abgabefristen verlängert, Verspätungen allerdings auch härter bestraft. Allerdings sind die Änderungen erst für die Steuererklärung 2017 von Bedeutung und damit für die meisten erst im Jahr 2018. Ab Januar 2017 müssen bei der elektronischen Steuererklärung keine Belege mehr vorgelegt werden. Die Papierquittungen dazu müssen aber aufbewahrt werden.

Rürup-Rente: Mehr Beiträge als Sonderausgabe geltend machen

Wer in eine Rürup- oder Basis-Rente einzahlt, kann 2017 Beiträge bis zu 19.624 Euro als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Bisher waren bis zu 18.669 Euro abzugsfähig. Der Betrag ist an den Höchstbetrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung/West gebunden, der von 22.767 Euro auf 23.362 Euro steigt. Davon wurden bisher 82 Prozent als abzugsfähiger Höchstbetrag auf die Rürup-Rente angewendet. Ab 2017 liegt der prozentuale Anteil bei 84 Prozent. Die Beiträge gelten für Singles, Ehegatten können das Doppelte absetzen.

Kosten-Transparenz bei Riester- und Basisrentenverträgen

In einem Produktinformationsblatt müssen alle wichtigen Angaben zu Riester- und Basisrentenverträgen von den Händlern angeboten werden. Chancen und Riskiken müssen dort aufgezeigt werden. Auch mögliche Kosten müssen dem Kunden offengelegt werden. Sonst muss er sie auch nicht tragen. Auch über Kostenänderungen muss der Kunde informiert werden.

Betriebliche Altersvorsorge: höherer steuerfreier Anteil

Weil sich 2017 die Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung erhöht, kann ein Arbeitgeber einen größeren Teil des Gehalts steuer- und abgabenfrei in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds investieren. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft steigt der jährlich geförderte Höchstbetrag von 2.976 Euro auf 3.048 Euro pro Jahr. Unter bestimmten Voraussetzungen seien weitere 1.800 Euro pro Jahr steuerfrei möglich.

Mehr Rechte für Leiharbeiter

Leiharbeiter dürfen ab dem 1. April 2017 maximal 18 Monate bei demselben Entleiher beschäftigt werden. Abweichende Regelungen können gelten, wenn Tarifverträge dies ermöglichen. Nach neun Monaten müssen Leiharbeiter entsprechend dem Verdienst der Stammbelegschaft entlohnt werden, bei bestehenden Branchen-Zusatztarifverträge spätestens nach 15 Monaten.

Um den Missbrauch von Werkverträgen einzudämmen, muss eine Arbeitnehmerüberlassung künftig immer offengelegt werden. Ein Werkvertrag darf nicht nachträglich als Leiharbeit umdeklariert werden. Außerdem müssen die Betriebsräte über Leiharbeiter und Werkverträge unterrichtet werden.

Weiterbildung in Kleinstbetrieben

Eine Frau und ein Mann sitzen an Computern. Zwischen ihnen steht ein Coach, der sich zu der Frau vorbeugt und etwas auf ihrer Tastatur tippt.
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Arbeitnehmern, die in einer Firma mit weniger als zehn Beschäftigten angestellt sind, wird der Weg zur beruflichen Weiterbildung über die Arbeitsagentur erleichtert. Denn ihre Arbeitgeber müssen dafür ab dem 1. Januar 2017 keine Kosten mehr mit tragen.

Umzugspauschalen

Umzugskartons in einer Wohnung
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Wer aus beruflichen Gründen umziehen muss, kann die Umzugskosten als Werbungskosten geltend machen. Die dafür vorgesehenen Pauschbeträge werden zum 1. Februar 2017 angehoben. So steigt der Pauschbetrag bei Ledigen von 746 Euro auf 764 Euro, bei Verheirateten von 1.493 auf 1.528 Euro. Auch die Pauschale für jede weitere im Haushalt lebende Person steigt von 329 Euro auf 337 Euro. Ebenso lassen sich die Kosten für den Nachhilfeunterricht steuerlich geltend machen, wenn ein Kind in der neuen Schule nicht den Anschluss findet. Bisher konnten bis zu 1.882 Euro abgesetzt werden, ab Februar sind es bis zu 1.926 Euro. Nehmen mehrere Kinder Nachhilfe, gilt dieser Betrag für jedes Kind.

Steuervorteile für E-Autos Das kostenlose oder verbilligte Aufladen eines Elektro- oder Hybridfahrzeug im Betrieb des Arbeitgebers wird nicht als geldwerter Vorteil gewertet, sodass darauf keine Lohnsteuer gezahlt werden muss. Diese Regelung gilt sowohl für private Fahrzeuge als auch für solche, die vom Arbeitgeber überlassen wurden. Auch Leiharbeiter dürfen in dem Betrieb, in dem sie gerade beschäftigt sind, von der Möglichkeit Gebrauch machen. Darüber hinaus werden Arbeitnehmer bei der Anschaffung von Ladevorrichtungen begünstigt. Diese Regelungen treten am 1. Januar 2017 in Kraft und sind zunächst bis zum 31. Dezember 2020 befristet.

Bei erstmaliger Zulassung eines Elektroautos wird die Steuerbefreiung von bislang fünf Jahren auf zehn Jahre erhöht.

Flexi-Rente kommt

Arbeit - Rente
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Mit der Einführung der Flexi-Rente wird der fließende Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand neu und flexibler geregelt. Wer 63 ist und nicht mehr voll arbeiten möchte, aber auch keine hohen Rentenabschläge in Kauf nehmen will, kann weiter in Teilzeit arbeiten. Dafür wurde jetzt auch die Möglichkeit des Hinzuverdienstes neu geregelt: Bisher wurde die Rente um mindestens ein Drittel gekürzt, wenn die Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro im Monat überschritten wurde. Jetzt sind bis 6.300 Euro im Jahr abzugsfrei. Ist der Verdienst höher, werden 40 Prozent von dem, was über dieser Grenze liegt, von der Rente abgezogen.

Ein Beispiel: Ein 63-Jähriger mit einer Rente von 15.000 Euro im Jahr verdient jährlich noch 18.000 Euro dazu. Damit überschreitet er den Freibetrag von 6.300 Euro um 11.700 Euro. Von diesen 11.700 Euro werden 40 Prozent von der Rente abgezogen, also 4.680 Euro. Von den 15.000 Euro Rente bleiben also 10.320 Euro.

Wer über das Renteneintrittsalter hinaus arbeiten will, kann durch das Fortzahlen von Rentenbeiträgen zusätzliche Rentenpunkte erwerben. Der Arbeitgeberbeitrag wird ebenfalls dem persönlichen Beitragskonto gutgeschrieben.

Keine Zwangsverrentung mehr bei drohender Bedürftigkeit

Wer Leistungen zur Grundsicherung für Erwerbsfähige erhält, kann nicht mehr zum Eintritt in eine vorgezogene Altersrente und damit verbundenen Abschlägen verpflichtet werden, wenn die zu erwartende Rente nicht auch bedarfsdeckend ist. Denn dass eine Inanspruchnahme der vorzeitigen Verrentung zum Bezug von Leistungen der Grundsicherung im Alter führt, soll durch die Unbilligkeitsverordnung ausgeschlossen werden.

Weiterbildungsstipendium steigt

Zum 1. Januar 2017 steigt die maximale individuelle Förderhöhe des Weiterbildungsstipendiums um 20 Prozent von 6.000 Euro auf 7.200 Euro. Darüber hinaus darf das Stipendium nicht mehr nur für Lehrgangskosten, sondern auch für Prüfungskosten verwendet werden. Darüber hinaus werden Stipendiaten bei der Anschaffung eines Computers mit 250 Euro unterstützt. Mit dem Weiterbildungsstipendium fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung seit 25 Jahren Menschen, die ihre Berufsausbildung mit besonders guten Ergebnissen abgeschlossen haben. Es dient der Finanzierung aufbauender Qualifikationsmöglichkeiten.

Ausblick:

Verbesserungen beim Unterhaltsvorschuss geplant

Der Unterhaltsvorschuss soll auf Kinder bis 18 Jahren ausgeweitet werden. Bisher wird er nur bis zum Alter von zwölf Jahren gezahlt. Geplant ist außerdem eine Aufhebung der Höchstbezugsdauer. Da bisher noch nicht die Finanzierung geklärt werden konnte, tritt die Regelung noch nicht im Januar in Kraft, sondern wohl erst im Laufe des Jahres. Alleinerziehende erhalten den Unterhaltsvorschuss, wenn der andere Elternteil seinen Unterhaltsverpflichtungen nicht nachkommt.

Zuletzt aktualisiert: 02. Januar 2017, 13:55 Uhr