Epitaph für Michael Weise, 1615
Epitaph für Michael Weise, 1615 Bildrechte: Städtische Museen Zittau

Ausstellung "Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz" | 30.07.2017-07.01.2018 | Zittau, Klosterkirche Zittau zeigt seinen Epitaphienschatz

Für die meisten Menschen waren es unsichere und bewegte Zeiten, in denen sich die Reformation vollzog. In der Oberlausitz dagegen sei die Reformation "ganz anders" verlaufen, behauptet die Ausstellung in der Klosterkirche in Zittau. Aufschluss darüber gibt der europaweit einzigartige Epitaphienschatz, der nun erstmals in einer Ausstellung zu sehen ist. Eröffnet wird die Zittauer Schau "Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz" mit einem Festakt, bei dem auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich anwesend sein wird.

Epitaph für Michael Weise, 1615
Epitaph für Michael Weise, 1615 Bildrechte: Städtische Museen Zittau

Unter dem Motto "Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz" präsentieren die Stadtischen Museen Zittau eine Sonderausstellung mit einer umfangreichen Sammlung wertvoller Epitaphien aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Über 80 dieser Kunstwerke sind bis heute in Zittau erhalten. Der sogenannte Epitaphienschatz wurde für die Schau in aufwendiger Kleinstarbeit restauriert – genauso wie die Franziskanerklosterkirche St. Peter und Paul mit ihrem zweischiffigen Kirchenraum als Ausstellungsort.

Was sind Epitaphien? Epitaphien sind Gedächtnistafeln, die meist sehr kunstvoll gestaltet sind. Sie bestehen aus einem Bild mit Inschrift und sollen die abgebildete Person oder Familie für die Nachwelt unvergessen machen. Zugleich geben sie heute Aufschluss über das Leben der Menschen in der damaligen Zeit, ihren Glauben und ihre Nöte.

Wertvolle Exponate – Zeugen einer ungewöhnlichen Reformationsgeschichte

Die ausgestellten Epitaphien verdeutlichen, wie konfessionell vielfältig und tolerant die Oberlausitz im stürmischen Zeitalter der Reformation war. Städte, die sich der Erneuerungsbewegung schon zeitig angeschlossen hatten, existierten neben den benachbarten katholischen Klöstern Marienthal und Marienstern genauso wie die Herrnhuter Brüdergemeine. Zeuge der ungewöhnlichen Reformationsgeschichte der Oberlausitz sind auch die beiden Fastentücher aus den Jahren 1472 und 1573, die in der Schau gezeigt werden. Fastentücher wurden von Luther verpönt, in Zittau aber noch bis ins 17. Jahrhundert genutzt.

Die Reformation in der Oberlausitz Exponate der Ausstellung "Ganz anders"

Epitaph für Jacob Engelmann, 1620
Epitaph für Jacob Engelmann, 1620 Der Epitaphienschatz ist europaweit einzigartig und wurde für die Ausstellung aufwendig restauriert. Bildrechte: Städtische Museen Zittau
Epitaph für Jacob Engelmann, 1620
Epitaph für Jacob Engelmann, 1620 Der Epitaphienschatz ist europaweit einzigartig und wurde für die Ausstellung aufwendig restauriert. Bildrechte: Städtische Museen Zittau
Epitaph für Michael Weise, 1615
Epitaph für Michael Weise, 1615 Kaum eine Stadt hat so viele gut erhaltene Epitaphien wie Zittau. Über 80 dieser Kunstwerke gibt es bis heute in der Stadt. Bildrechte: Städtische Museen Zittau
Nesenscher Lutherpokal, Leihgabe des Grünen Gewölbes
Nesenscher Lutherpokal Der Nesenpokal oder Nesensche Lutherpokal ist eine Leihgabe des Grünen Gewölbes. Der kristallene Trinkbecher war ein Geschenk Luthers an seinen Freund und Anhänger Wilhelm Nesen (1493-1524). Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Totenkrone, 18. Jahrhundert
Totenkrone, 18. Jahrhundert Totenkronen waren kunstvoll gestaltete Schmuckgegenstände, die beim Begräbnis unverheirateter Frauen - aber auch Kinder - als Grabbeigabe mit in den Sarg gelegt wurden. Dieser Brauch war Ende des 16. bis zum 19. Jahrhundert üblich. Bildrechte: Städtische Museen Zittau
Das große Zittauer Fastentuch von 1472 in der zum Museum umgebauten Kirche Zum Heiligen Kreuz in Zittau
Großes Zittauer Fastentuch von 1472 Das 4,30 Meter hohe und 3,40 Meter breite Tuch diente zum Verhängen des Altars während der 40-tägigen Fastenzeit. Die 90 Bilder auf dem Tuch erzählen die Geschichte Gottes mit den Menschen. Bildrechte: dpa
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Ein weiteres hochkarätiges Ausstellungsstück ist der sogenannte Nesenpokal oder Nesensche Lutherpokal, den das Grüne Gewölbe in Dresden als Leihgabe zur Verfügung stellt. Der kristallene Trinkbecher war ein Geschenk Luthers an seinen Freund und Anhänger Wilhelm Nesen (1493-1524), der ihn seinem Bruder Konrad Nesen (1495-1560) vererbte. So gelangte der Trinkbecher nach Zittau, wo er 260 Jahre im Besitz der Familie Nesen blieb, bis ihn der letzte männliche Nachfahre, Christian Friedrich Nesen, dem Grünen Gewölbe vermachte.

Zudem informiert die Ausstellung über die Bewahrung von Klöstern, die bis heute Bestand haben, und über die Beziehungen zur Kulturlandschaft von Böhmen, Breslau und Schlesien. Feierlich eröffnet wird die Sonderausstellung 30. Juli im Rahmen eines Festaktes, bei dem auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich anwesend sein wird.

Die 1293 geweihte Klosterkirche der ostsächsischen Kreisstadt Zittau
Bildrechte: dpa

In der Lausitz, am Rande des Mutterlandes der Reformation, verlief die Reformation ganz anders. Das behauptet die hochkarätige Ausstellung "Ganz anders" in Zittau. Birgit Fritz stellt sie vor.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 28.07.2017 07:40Uhr 06:45 min

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Angaben zur Ausstellung "Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz"
Vom 30. Juli 2017 bis 7. Januar 2018
Franziskanerklosterkirche Zittau

Über dieses Thema berichten auch: MDR Sachsenspiegel | 27.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR KULTUR | 28.07.2017 | 07:40 Uhr
MDR KULTUR | 30.07.2017 | 09:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Juli 2017, 16:56 Uhr