Blick durch Brille
Die Unterschiede der katholischen und evangelischen Sicht auf Luther werden in der Ausstellung eindrucksvoll mithilfe von 3D-Brillen verdeutlicht. Bildrechte: Stiftung Lutherhaus Eisenach/Sascha Willms

Sonderausstellung "Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer - Luther aus katholischer Sicht" | 13.04. bis 05.11.2017 | Lutherhaus Eisenach 3D-Parcours durch die Kirchengeschichte

Jahrhundertelang wurde Luther von der katholischen Kirche als Zerstörer betrachtet. Heute hat sich das Bild gewandelt, und Papst Franziskus setzte am Reformationstag 2016 mit seinem Besuch im schwedischen Lund ein unmissverständliches Zeichen. Wie sich die Sicht Roms auf den Reformator vom "Ketzer" zum "Glaubenslehrer" gewandelt hat, zeigt das Lutherhaus Eisenach in seiner neuen Sonderausstellung "Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer".

Blick durch Brille
Die Unterschiede der katholischen und evangelischen Sicht auf Luther werden in der Ausstellung eindrucksvoll mithilfe von 3D-Brillen verdeutlicht. Bildrechte: Stiftung Lutherhaus Eisenach/Sascha Willms

Vor 500 Jahren wurde Luther von der katholischen Kirche als "Ketzer" verschrien, als "Antichrist", als "Spalter". Man beschimpfte ihn als "unverschämten und fleischlich gesinnten Zungendrescher", Jurist und Humanist Ulrich Zasius sagte 1525, Luther sei "der Gemeinste aller Zweifüßler" und Dominikanerpater Johann Cochläus, der erste katholische Lutherbiograph, schrieb, Luther sei "der schlechteste Mensch, der je geboren wurde".

Vom Konflikt zur Gemeinschaft

Mehrere Kartons sind übereinander zu einer Wand gestapelt. Auf ihren sind Texttafeln angebracht.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach knapp 450 Jahren begann sich das Luther-Bild der katholischen Kirche zu wandeln, und Luthers reformatorisches Anliegen wurde anerkannt. Papst Johannes Paul II. würdigte Luther 1980 als "Lehrer im Glauben". Heute können beide Kirchen versöhnlich miteinander umgehen. Mehr noch: Die katholische und evangelische Kirche begehen das Jubiläum der Erneuerungsbewegung ein gutes Stück gemeinsam. Doch wann genau hat sich die Sicht auf Luther in der katholischen Kirche gewandelt? Welche Anlässe und Umstände führten dazu? Antworten darauf gibt die neue Sonderausstellung "Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer" im Lutherhaus Eisenach.

Sonderausstellung "Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer - Luther aus katholischer Sicht"

Luthers und Lutzbers eintrechtige Vereinigung
Zahlreiche Schaubilder der Ausstellung zeigen die damalige Sicht der katholischen Kirche, dass sich Luther mit dem Teufel zusammengetan habe. Zum Beispiel die Darstellung "Luthers und Lutzbers eintrechtige Vereinigung". Bildrechte: Stiftung Lutherhaus Eisenach
Luthers und Lutzbers eintrechtige Vereinigung
Zahlreiche Schaubilder der Ausstellung zeigen die damalige Sicht der katholischen Kirche, dass sich Luther mit dem Teufel zusammengetan habe. Zum Beispiel die Darstellung "Luthers und Lutzbers eintrechtige Vereinigung". Bildrechte: Stiftung Lutherhaus Eisenach
Luther mit Schubkarre
"Luther mit Schubkarre" Bildrechte: Stiftung Lutherhaus Eisenach
Frau mit Brille
3D-Brillen kennt man sonst nur aus dem Kino. In der Ausstellung verdeutlichen sie eindrucksvoll ... Bildrechte: Stiftung Lutherhaus Eisenach/Sascha Willms
Auf einem Karton liegt eine Tafel, die in zwei farbliche Hälften geteilt ist. In der oberen - roten - Hälfte steht "Katholische Sicht", in der unteren - blauen - Hälfte steht "Evangelische Sicht".
... welche unterschiedlichen Sichtweisen die katholische (rot) und evangelische (blau) Kirche auf den Reformator Luther in den vergangenen Jahrhunderten hatten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
 Mehrere rote Kartons sind übereinander gestapelt. Auf ihnen ist der Schriftzug "Verführer" zu lesen.
Während Luther für die Katholiken als "Verführer" galt ... Bildrechte: Ruth Breer/MDR
Mehrere grüne Kartons sind übereinander gestapelt. Auf ihnen ist der Schriftzug "Volksheiliger" zu lesen.
... wurde er in der evangelischen Kirche als "Volksheiliger" verehrt. Bildrechte: Ruth Breer/MDR
Plakat zur Sonderausstellung - Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer – Luther aus katholischer Sicht
Plakat zur Sonderausstellung "Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer – Luther aus katholischer Sicht" Bildrechte: Stiftung Lutherhaus Eisenach
In einem Raum stehen mehrere Kartons übereinander zu einer Wand gestapelt. Auf einigen Kartons sind Texttafeln angebracht.
Blick in die Räume der Ausstellung im Lutherhaus Eisenach Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mehrere Kartons sind übereinander zu einer Wand gestapelt. Auf ihren sind Texttafeln angebracht.
Die in der Ausstellung präsentierten Texttafeln und Grafiken sind auf übereinandergestapelten Kartons angebracht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Schild mit einem Text
Verdeutlicht wird die Wandlung des katholischen Blicks auf Luther auch durch Zitate kirchenhistorischer Persönlichkeiten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
An einer Wand hängen mehrere Klebezettel mit dem Konterfei von Martin Luther.
Konterfei von Martin Luther Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Landesbischöfin Ilse Junkermann und Bischof Dr. Ulrich Neymeyr
Teilen sich die Schirmherrschaft: Landesbischöfin Ilse Junkermann von der evangelischen und Bischof Dr. Ulrich Neymeyr von der katholischen Kirche. Bildrechte: Stiftung Lutherhaus Eisenach/Sascha Willms
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Fünf Kapitel, fünf Luther-Bilder

Ein Parcours aus fünf Kapiteln führt die Besucher durch die konfliktreiche Kirchengeschichte zwischen 1517 und 2017. Die Kapitel beginnen mit der Darstellung Luthers als Mönch und führen über die Kontroverse mit Rom, die Abwertung des Luther-Bildes in den Jahren des "Kulturkampfs" (1871-1887) und die Versachlichung der Debatte beider Kirchen bis hin zur Annäherung in den vergangenen 70 Jahren.

Blick in die Ausstellung "Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer – Luther aus katholischer Sicht"
Jeder Besucher entscheidet selbst, auf welche Sicht er den Fokus legt. Bildrechte: Dolores Raßmann/Stiftung Lutherhaus Eisenach

Das Besondere: Die katholischen und evangelischen Sichtweisen auf Luther werden mithilfe rot-blauer Brillen verdeutlicht. So kann jeder Besucher entscheiden, welche Sicht er einnehmen möchte. Verdeutlicht wird die Wandlung des Blicks auf Luther in der Ausstellung zudem durch Schaubilder, Grafiken und Zitate kirchenhistorischer Persönlichkeiten.

Ich glaube, dass die Absichten Luthers nicht falsch waren. Er war ein Reformator. Vielleicht waren einige Methoden nicht richtig, aber zu jener Zeit, sehen wir, dass die Kirche nicht gerade ein nachahmenswertes Vorbild war: Es gab Korruption, Weltlichkeit, Anhänglichkeit an Geld und Macht. Deshalb hat er protestiert. Er war intelligent und machte einen Schritt vorwärts und rechtfertigte, warum er es tat. Heute sind wir Protestanten und Katholiken uns einig über die Rechtfertigungslehre: Zu diesem so wichtigen Punkt lag er nicht falsch.

Papst Franziskus, 2016

Bundesweit einzigartig

Wie Jochen Birkenmeier, Kurator der Stiftung Lutherhaus Eisenach, zu Beginn des Jahres bei der Vorstellung des Eisenacher Programms zum Reformationsjubiläum sagte, ist die Schau bundesweit die einzige, die sich mit dieser Perpektive auseinandersetzt. In anderen Ausstellungen sei "der katholische Blick auf den Reformator wenig beleuchtet".

Die Ausstellung ist zudem ein Beispiel dafür, wie wichtig beiden Kirchen die Zusammenarbeit ist, denn sie teilen sich auch die Schirmherrschaft – Landesbischöfin Ilse Junkermann von der evangelischen und Bischof Dr. Ulrich Neymeyr von der katholischen Kirche. Begleitet wird die Schau "Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer" zudem von einem ökumenisch besetzten Beirat.

Angaben zur Ausstellung "Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer - Luther aus katholischer Sicht"
Vom 13. April bis 5. November 2017 | Lutherhaus Eisenach
Öffnungszeiten: Täglich 10-17 Uhr

Über dieses Thema berichtet auch: MDR Thüringen - Das Radio | 12.04.2017 | 18:45 Uhr
MDR Thüringen Journal | 12.04.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2017, 16:17 Uhr

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