Bei einem Ökumenischen Himmelfahrts-Gottesdienst singen Kinder und Erwachsene vor dem Dom auf dem Domplatz in Erfurt (Thüringen) .
"Du siehst mich" war das Motto des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages Bildrechte: dpa

Erste Bilanz zum Reformationssommer "Kirchentage auf dem Weg" ein Flop

Auch, wenn die Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjahr noch nicht beendet sind – eine erste Bilanz lässt sich schon jetzt zu den "Kirchentagen auf dem Weg" und dem 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg ziehen. Besonders die "Kirchentage auf dem Weg" bleiben beim Blick auf die Besucherzahlen weit hinter den Erwartungen zurück.

Bei einem Ökumenischen Himmelfahrts-Gottesdienst singen Kinder und Erwachsene vor dem Dom auf dem Domplatz in Erfurt (Thüringen) .
"Du siehst mich" war das Motto des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages Bildrechte: dpa

Die "Kirchentage auf dem Weg" hatten im Jubiläumsjahr der Reformation nicht den Erfolg, den sich die Veranstalter erhofft hatten. Mit Blick auf die verkauften Tickets fällt die Bilanz ernüchternd aus. Beispielsweise standen in Magdeburg nach Angaben des Vereins "Reformationsjubiläum 2017 e.V." (r2017) 20.000 Tickets zur Verfügung, verkauft wurden aber nur 4.200. Ähnlich sieht es in Erfurt und Halle/Eisleben aus: Geplant war, jeweils 10.000 Tickets zu verkaufen, tatsächlich waren es nur jeweils 3.000.

Besucherzahlen "Kirchentage auf dem Weg"
  Verkaufte Tickets Geplanter Ticketverkauf
Dessau-Roßlau
2.500 5.000
Halle/Eisleben 3.000 10.000
Jena/Weimar 3.200 10.000
Leipzig 15.000 50.000
Magdeburg 4.200 20.000
Erfurt 3.000 10.000

Zahl der tatsächlichen Besucher höher

Nicht ganz so klar ist allerdings, wie hoch die Zahl der tatsächlichen Besucher der "Kirchentage auf dem Weg" war. Der Grund: Zusätzlich zu den Veranstaltungen, für die ein Ticket erworben werden musste, gab es auch Open Air-Veranstaltungen, die frei zugänglich und kostenlos waren.

So zählte der Verein "r2017" beim Kirchentag in Magdeburg bei der Flussinszenierung "Unser Herrgotts Kanzlei" mit einer Schiffsprozession auf der Elbe 6.000 Besucher. Bei dem Kirchentag in Leipzig nahmen am ökumenischen Himmelfahrtsgottesdienst 2.000 Menschen teil, die Reformationsperformance "Zum Licht" auf dem Leipziger Marktplatz besuchten etwa 3.000 Menschen, und 2.000 Zuschauer wurden laut Verein "r2017" bei der Kammeroper "Katharina von Bora" gezählt. Zu den Kosten der sechs "Kirchentage auf dem Weg" machte der Verein noch keine Angaben, eine Abrechnung erfolge frühestens im November.

Besucher des 36. Evangelischen Kirchentages versammeln zum Festgottesdienst.
Besucher des Festgottesdienstes zum 36. Evangelischen Kirchentag Bildrechte: dpa

Fest steht, dass sich die mitteldeutschen Landeskirchen an der Finanzierung der "Kirchentage auf dem Weg" beteiligten. So stellte die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) rund 1,5 Millionen Euro für die regionalen Kirchentage und den Abschlussgottesdienst auf den Wittenberger Elbwiesen bereit. Die sächsische Landeskirche (EVLKS) beteiligte sich mit rund 720.000 Euro an den "Kirchentagen auf dem Weg" und der "Weltausstellung Reformation" in Wittenberg. Die Frage ist nun, ob die Landeskirchen nachschießen müssen, weil die Großveranstaltungen wegen fehlender Ticketverkäufe möglicherweise defizitär abschlossen.

"Kirchentage auf dem Weg" Die sechs "Kirchentage auf dem Weg" fanden in acht Städten statt. Dessau-Roßlau, Halle/Eisleben, Jena/Weimar, Leipzig, Magdeburg und Erfurt sollten als Stationen vom 25. bis 27. Mai zum großen Festgottesdienst in Wittenberg am 28. Mai 2017 führen. In jedem Ort wurden dazu eigene Schwerpunkte geplant, mit Veranstaltungen zum kulturellen und spirituellen Austausch.

Sonderbriefmarke «500 Jahre Reformation»
Bildrechte: dpa

Wieviel hat das Reformationsjubiläum 2017 gekostet? Wer hat das alles bezahlt? Und wer hat von den Feierlichkeiten profitiert? Eine erste Bilanz von Bastian Wierzioch.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 09.10.2017 07:10Uhr 03:42 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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21,8 Millionen Euro für Kirchentag

Bereits bekannt sind die Kosten des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Berlin und Wittenberg. Wie der Verein zur Förderung des Deutschen Evangelischen Kirchentages auf Nachfrage mitteilte, belaufen sich diese auf 21,8 Millionen Euro. Weiter gab der Verein bekannt, dass insgesamt 130.512 Besucher (106.143 Dauer- und 24.369 Tagesteilnehmer) die mehr als 2.400 Veranstaltungen des Großereignisses in Berlin besucht haben.

Besonders gefragt war die Podiumsdiskussion in der Hauptstadt, bei der Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ehemalige US-Präsident Barack Obama über Glaube, Politik und den Umgang mit Flüchtlingen diskutierten. Beim Abschlussgottesdienst des Festwochenendes in Wittenberg am 28. Mai wurden nach Angaben des Vereins "r2017" 120.000 Teilnehmer gezählt. Beobachter gehen von deutlich weniger Besuchern aus.

Positiv ist eine erste Bilanz der Tourismusbranche ausgefallen: Die Zahl der Übernachtungen ist in den Lutherorten in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen im ersten Halbjahr 2017 deutlich gestiegen. Auch die Nationalen Sonderausstellungen in Berlin, Wittenberg und Eisenach freuen sich über ein hohes Besucheraufkommen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | FAKT IST! | 09.10.2017 | 22:05 Uhr
MDR KULTUR - Das Radio | 09.10.2017 | 7:10 Uhr

Recherche und Umsetzung: Bastian Wierzioch, Franz Kadell, Eileen Buck, Mechthild Baus (MDR KULTUR)

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2017, 07:35 Uhr

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