Die Innenstadt von Wittenberg mit Blick auf die Schlosskirche.
Lutherstadt Wittenberg konnte bei den Übernachtungszahlen besonders zulegen. Bildrechte: dpa

Erste Bilanz zum Reformationsjubiläum Übernachtungszahlen in Lutherstädten stark gestiegen

Die Innenstadt von Wittenberg mit Blick auf die Schlosskirche.
Lutherstadt Wittenberg konnte bei den Übernachtungszahlen besonders zulegen. Bildrechte: dpa

Die mitteldeutsche Tourismusbranche zeigt sich in einer ersten Bilanz zum Reformationsjubiläum erfreut. Wie die Tourismusverbände und -gesellschaften der Länder Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen auf Anfrage mitteilten, sind die Übernachtungszahlen in den Lutherorten im ersten Halbjahr 2017 stark gestiegen. Ein hohes Besucheraufkommen verzeichnen auch die Nationalen Sonderausstellungen in Berlin, Wittenberg und Eisenach.

Mehr Übernachtungen, mehr Gäste aus dem Ausland

Einen deutlichen Zuwachs gibt es bei den Übernachtungszahlen in Eisenach. Laut der Thüringer Tourismus GmbH wurden hier von Januar bis Juni 2017 insgesamt 164.932 Übernachtungen gezählt; das sind 11,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Erfurt legte 6,2 Prozent zu und verzeichnete von Januar bis Juni 2017 insgesamt 418.533 Übernachtungen. Davon entfielen 37.299 auf ausländische Gäste – laut der Erfurt Tourismus und Marketing GmbH ein Zuwachs von 15 Prozent. In Thüringen stieg die Zahl der Übernachtungen von Januar bis Juli 2017 insgesamt um 2,8 Prozent auf mehr als 5,5 Millionen. Davon entfielen 346.845 Übernachtungen auf Gäste aus dem Ausland – im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 7,9 Prozent.

Zuwächse in allen Städten

In Sachsen-Anhalt wurden nach Angaben der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG) im ersten Halbjahr 2017 (Januar bis Juni) mehr als 3,7 Millionen Übernachtungen gezählt, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind das 6,5 Prozent mehr. Der Anteil ausländischer Gäste stieg im "Ursprungsland der Reformation" sogar um 17,9 Prozent auf über 277.000 Übernachtungen.

Besonders viele Übernachtungen gab es in der Lutherstadt Wittenberg; hier hat sich die Zahl fast verdoppelt: Nach Angaben der Touristinformation Wittenberg wurden von Januar bis August 2017 insgesamt 18.808 Übernachtungen gezählt; im Vorjahreszeitraum waren es 9.627. Mit 17,4 Prozent konnte laut IMG auch Dessau-Roßlau bei den Übernachtungen zulegen; von Januar bis Juni 2017 waren es 108.760. Magdeburg zählte im selben Zeitraum insgesamt 314.897 und Halle 191.508 Übernachtungen.

Zuwächse bei den Übernachtungszahlen verzeichnet auch die Tourismus Marketing Gesellschaft (TMGS) in Sachsen: Von Januar bis Juli 2017 stiegen die Übernachtungen um 3,6 Prozent auf rund 10,8 Millionen. Die Stadt Leipzig konnte zum Beispiel 5,3 Prozent zulegen und kommt auf mehr als 1,7 Millionen Übernachtungen. Dresden verzeichnete dem Statistischen Bericht des Freistaates Sachsen zufolge im ersten Halbjahr 2017 einen Anstieg um 3,6 Prozent. Insgesamt zählte die Stadt über 2,3 Millionen Übernachtungen.

Sonderbriefmarke «500 Jahre Reformation»
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Wieviel hat das Reformationsjubiläum 2017 gekostet? Wer hat das alles bezahlt? Und wer hat von den Feierlichkeiten profitiert? Eine erste Bilanz von Bastian Wierzioch.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 09.10.2017 07:10Uhr 03:42 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Großes Interesse an Nationalen Sonderausstellungen

Im 500. Jahr des Thesenanschlags gibt es nicht nur zahlreiche kleinere Ausstellungen über Martin Luther und die Reformation, sondern auch drei Nationale Sonderausstellungen: "Der Luthereffekt – 500 Jahre Protestantismus in der Welt" im Deutschen Historischen Museum Berlin (DHM), "Luther! 95 Schätze – 95 Menschen" im Augusteum Wittenberg und "Luther und die Deutschen" auf der Wartburg Eisenach.

Alle drei Schauen haben noch bis zum 5. November geöffnet, auf Nachfrage aber schon erste Zahlen veröffentlicht. Etwa 50.000 Besucher zählte das DHM bis zum 17. September in "Der Luthereffekt". Die Schau hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 1,5 Millionen Euro gekostet. Die Ausstellung "Luther! 95 Schätze – 95 Menschen" hat nach Angaben der Stiftung Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalt bis Ende September fast 187.000 Besucher angezogen und von 2015 bis heute 3,15 Millionen Euro gekostet.

Besonders die Sonderausstellung auf der Wartburg erlebte von Beginn an einen Besucheransturm und zählte bis Ende September knapp 237.000 Gäste. Davon kamen laut Pressesprecher Andreas Volkert 22 Prozent aus dem Ausland. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es nur 12 bis 15 Prozent ausländische Touristen. Über die Kosten der Schau, die der Freistaat Thüringen mit einer Million Euro fördert, machte die Wartburg-Stiftung Eisenach noch keine Angaben.

Besucherzahlen der Nationalen Sonderausstellungen
  Kosten (EUR) Unterstützer Besucher
Der Luthereffekt (12.04.-05.11.2017) 1.522.000 Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Deutscher Sparkassen- und Giroverband ca. 50.000 (bis 17.09.)
Luther! 95 Schätze
– 95 Menschen (13.05.-05.11.2017)
3.150.000 Bund (BKM), Land (Kultusministerium) und Eigeneinnahmen 186.642 (bis 30.09.)
Luther und die Deutschen (04.05.-05.11.2017) k.A.* Freistaat Thüringen 236.836 (bis 29.09.)

*k.A.: keine Angabe

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | FAKT IST! | 09.10.2017 | 22:05 Uhr
MDR KULTUR - Das Radio | 09.10.2017 | 7:10 Uhr

Recherche und Umsetzung: Bastian Wierzioch, Franz Kadell, Eileen Buck, Mechthild Baus (MDR KULTUR)

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2017, 07:36 Uhr