Persönlichkeiten der Reformation: Katharina von Bora Luthers "Herr Käthe"

von Franz Kadell

Katharina von Bora nach einem Porträt des Malers Lucas Cranach
Die ehemalige Nonne und Ehefrau des Reformators Martin Luther nach einem Porträt des Malers Lucas Cranach. Bildrechte: dpa

Katharina von Bora war die Tochter eines verarmten Adligen aus Lippendorf südlich von Leipzig. Als sie 1508/09 den Zisterzienserinnen im Kloster Marienthron zu Nimbschen anvertraut wurde, war sie zehn Jahre alt. Mit fünf Jahren hatte man sie zuvor in das Kloster Brehna bei Bitterfeld gegeben.

In Nimbschen lebten Verwandte der Familie. Hier lernte sie nicht nur, gehorsam zu sein und zu schweigen, sondern auch weit mehr, als ihr außerhalb des Klosters möglich gewesen wäre: Lesen, Schreiben, Singen, etwas Latein, Hauswirtschaft, Krankenpflege und gewiss auch Rechnen. Das war ein Privileg. Behütet von "Muhme Lene", ihrer Tante und zudem Siechenmeisterin des Klosters, wuchs Katharina zu einer gebildeten und in der Heilkunde erfahrenen jungen Frau heran. Beides sollte ihr später zugutekommen.

Gehorsam versus Selbstbewusstsein

Am 8. Oktober 1515 leistete sie das Gelübde als Braut Christi und schwor damit Besitzlosigkeit, Keuschheit und Gehorsam gegenüber ihren Oberen. In der weißen Kutte mit dem schwarzen Schleier der Zisterzienserinnen bekräftigte sie 1518 ihren Entschluss mit dem ewigen Gelübde.

Es gab keine Anzeichen oder gar Belege dafür, dass sie mit ihrem Schicksal, still und zurückgezogen als Nonne zu leben, groß haderte. Das fällt in der Rückschau schwer zu glauben, da man sie später, nach der Eheschließung mit Martin Luther, als energische und redegewandte "Managerin" in Wittenberg erlebte.

Luthers Schriften hinter den Mauern des Klosters

Martin Luther
Reproduktionen von Gemälden Lucas Granach d. Ä., die Porträts von Martin Luther und dessen Frau Katharina Bildrechte: dpa

1517 trat Martin Luther in die Öffentlichkeit und verkündete Dinge, die Katharina wohl nie auch nur zu denken gewagt hätte. Als eine Folge seiner Argumentation gegen das Klosterleben wurden 1522 die "Wittenberger Beschlüsse" gefasst, die es jedermann freistellten, ein Kloster zu verlassen. Diese Vorgänge fielen auch in Nimbschen auf fruchtbaren Boden und wurden hinter den Klostermauern studiert, obgleich die Historiker noch nicht ganz klären konnten, wie die Nachrichtenverbreitung genau verlief.

Am 4. April 1523, am Karsamstag, passierte es schließlich: Der Torgauer Kaufmann und Ratsherr Leonhard Koppe verhalf neun Nonnen zur Flucht aus dem Zisterzienserinnenkloster Nimbschen. Die adeligen Damen, die heimlich Luthers Traktate von der Freiheit eines Christenmenschen gelesen hatten, wurden in leeren Fässern versteckt und nach Wittenberg geschleust. Hier begegneten sie dem Helden des neuen Glaubens.

Die Begeisterung der Nonnen für die Botschaft vom gerecht machenden Gotteswort war das eine, ihre weltliche Armut und Rechtlosigkeit das andere. Eine Nonne auf der Flucht war stets gefährdet. Jeder, der ihr half, machte sich strafbar. Das konnte im Extremfall sogar die Hinrichtung bedeuten.

Blick in die Ausstellung
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als "Nymphlein" verschmäht

Die von der katholischen Seite als "geistliche Nymphlein" geschmähten Ex-Nonnen mussten versorgt werden. So wurde Luther ungewollt zum Heiratsvermittler. Kaum ein Jahr nach der Flucht hatte er acht der neun "geistlichen Nymphlein" unter die Haube gebracht. Eine aber machte Schwierigkeiten: Katharina von Bora weigerte sich, einen Patronatspfarrer zu ehelichen, weil sie einen Nürnberger Patriziersohn liebte, dessen Familie jedoch auf eine Mitgift bestand. Luther suchte andere Heiratskandidaten, doch auch Pfarrer Kaspar Glatz aus Orlamünde lehnte die offenbar sehr selbstbewusste junge Frau ab – als zu alt und zu geizig. 

Heiratskandidat Luther war schon ein berühmter Mann

Bronzeplastik von Katharina von Bora (1499 bis 1552), der Ehefrau des Reformators Martin Luther (1483 - 1546) im Garten des Lutherhauses in der Lutherstadt Wittenberg, (Sachsen-Anhalt).
Im Garten des Lutherhauses in Wittenberg erinnert eine Bronzeplastik an Katharina von Bora Bildrechte: IMAGO

In ihrer Not bot Katharina einem Freund Luthers einen Ausweg an: Sie wäre bereit, den Reformator zu heiraten. Gegen ihn selbst hatte Katharina von Bora am Ende nichts mehr einzuwenden, immerhin war er ein Universitätsprofessor und schon ein sehr berühmter Mann, der mit Anfang 40 endlich eine Familie gründen wollte.

Nach einigem Bedenken und Zögern stimmte Luther zu. Am Sonntag Trinitatis des Jahres 1525 fand die protestantische Trauung der 26-jährigen Katharina und des 42-jährigen Theologieprofessors in Wittenberg statt. Lucas Cranachs berühmtes Doppelporträt zeigt eine Braut, die nicht bräutlich und zart, sondern streng und bestimmend wirkt.

Vorbild für das evangelische Pfarrhaus

Luther nannte sie oft respektvoll "Herr Käthe" und schrieb ihr von seinen Reisen viele lange Briefe. Beide hatten sechs Kinder zusammen. Ihr Zusammenleben wurde zum Vorbild für das evangelische Pfarrhaus. Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert malten das Familienleben nach eigener Fantasie aus: Zum Beispiel gern Luther mit Laute unterm Weihnachtsbaum. Die Tradition des Weihnachtsbaumes gab es zu Luthers Zeiten jedoch noch gar nicht.

Die katholische Seite warf beiden vor, ihre Gelübde gebrochen zu haben. Gleichwohl, die Zeit war längst reif. Schon mehrere Jahre vor Luther hatte eine ganze Reihe von Geistlichen geheiratet. Der Reformator Luther sah in der Eheschließung auch kein Sakrament wie die Katholiken, sondern eine rechtlich-weltliche Angelegenheit.

Wer mehr wissen will ...

Über dieses Thema berichten: MDR 1 Radio Sachsen | 15.09.2016 | 12:01 Uhr
MDR Sachsenspiegel | Fernsehen | 23.09.2016 | 11:33 Uhr
MDR um 11 | Fernsehen | 27.01.2017 | 11:00 Uhr
DAS ERSTE | Fernsehen | 15.01.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2017, 12:33 Uhr