Martin Luther als Playmobil-Figur
Zum Reformationsjubiläum gibt es Martin Luther auch als Playmobil-Figur Bildrechte: Playmobil

Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann kritisiert Luther und dessen Vermarktung Martin Luther heute kein Vorbild mehr

Martin Luther als Playmobil-Figur
Zum Reformationsjubiläum gibt es Martin Luther auch als Playmobil-Figur Bildrechte: Playmobil

Vom Luther-Bier zu Luther-Socken und einem Playmobil-Luther – Werbeartikel rund um Luther gibt es im Reformationsjubiläumsjahr nicht wenige. Der evangelische Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann bezeichnete die Vermarktung Martin Luthers als "banal, erbärmlich, albern". Das sagte Kaufmann dem Berliner "Tagesspiegel" in einem Interview. Es sei nicht hinnehmbar, "dass auch die evangelische Kirche Produkte dieser Art vertreibt".

Martin Luther als Souvenir Diese Werbeartikel zu Luther gibt es bereits

Wer einen Reformationsort besucht, kauft auch gern ein Souvenir. Die Palette ist groß und teilweise ungewöhnlich. Was würde Luther zum Beispiel wohl sagen, wenn er wüsste, dass er sogar auf Socken verewigt wurde?

Martin Luther als Playmobil-Figur
Damit schon die Kleinsten in die Geschichte der Reformation eingeführt werden, gibt's Luther jetzt auch als Playmobil-Figur. Bildrechte: Playmobil
Martin Luther als Playmobil-Figur
Damit schon die Kleinsten in die Geschichte der Reformation eingeführt werden, gibt's Luther jetzt auch als Playmobil-Figur. Bildrechte: Playmobil
Schmuck mit Luther und der Lutherrose
Frauen lieben Schmuck! Warum also nicht Luthers Konterfei oder seine Lutherrose als Anhänger für eine Kette? Bildrechte: dpa
Die erste Wittenberger "Luther-Uhr" wird am 28.10.2004 von einem Darsteller des Reformators Martin Luther in Magdeburg präsentiert.
Für den männlichen Luther-Fan gibt's die "Luther-Uhr". Bildrechte: dpa
Magneten mit dem Porträt Martin Luthers aus einem Cranach-Gemälde liegen am 25.09.2015 im Lutherhaus in Eisenach (Thüringen) auf einem Tisch.
Als Magnet kann einem Luther auch am Kühlschrank begegnen. Das Porträt des Reformators stammt von Cranach. Bildrechte: dpa
Luther-Socken
Für alle, die auf Luther stehen, gibt's die passenden Socken mit den Worten Luthers, die er vor dem Reichstag in Worms gesagt haben soll: "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders." Bildrechte: dpa
Martin Luther als Comicfigur
Der Reformator hat auch seinen Auftritt in den MOSAIK-Comicheften, die sich um die Abenteuer der Abrafaxe drehen. Bildrechte: MOSAIK – Die Abrafaxe 2016
Sogenannte Schneekugeln mit der Lutherrose oder dem Reformator Martin Luther vor der Schlosskirche Wittenberg stehen am 05.07.2016 in der Touristenformation in Wittenberg (Sachsen-Anhalt).
Mit den Schneekugeln kann Luther mal so richtig durchgeschüttelt werden. Bildrechte: dpa
Wanderstäbe für Lutherwege
Wanderbegeisterte können den Spuren des Reformators auf den verschiedenen Lutherwegen folgen - dazu gibt's die passenden Wanderstöcke. Bildrechte: dpa
Souvenirs - hier Gebäck - mit Bezug zu  Martin Luther werden für Besucher in  Eisenach angeboten.
Und nach der Wanderung kann man sich mit "Lutherbrodt" stärken ... Bildrechte: dpa
Luther-Brot, Tetzel-Taler, Käsefüße und Schwarzerdt
... oder einem Tetzel-Taler. Guten Appetit! Bildrechte: IMAGO
Kerzen mit Bildern der Lutherrose oder dem Reformator Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora
Wer es andächtiger mag, hat bei Kerzen die Auswahl. Es gibt sie mit dem Bild Luthers, seiner Frau Katharina von Bora und der Lutherrose. Bildrechte: dpa
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Bereits im 16. Jahrhundert habe eine "Heroisierung und Monumentalisierung" Luthers begonnen, erklärte Kaufmann. Luther hätte jedoch "bestimmte Darstellungsweisen unterbinden können, so dass wir davon ausgehen, dass er sein stillschweigendes Einverständnis zu der bildpolitischen Vermarktung gab", kritisierte der Historiker.

Luther hat Zeit seines Lebens vermutlich zu wenig dagegen getan.

Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann über die Heroisierung Luthers

Am Neujahrsabend hatte sich Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, dafür ausgesprochen, die Debatte um derartige Werbeartikel nicht zu hoch zu hängen. Es gehe bei den Feierlichkeiten des Reformationsjubiläums nicht "um Luther-Playmobilfiguren, Luther-Socken oder Reformationsbonbons". Diese seien lediglich "Türöffner" für das Hören der Botschaft Christi.

"Der Nationalheld gehört ad acta gelegt."

Thomas Kaufmann posiert mit seinem Buch.
Der Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann Bildrechte: IMAGO

Der Historiker Kaufmann kritisierte im Interview mit dem Berliner "Tagesspiegel" jedoch nicht nur die Vermarktung Luthers. Er halte eine Vorbildrolle des Reformators in der heutigen Zeit für abwegig. Seine Wirkung habe Luther "historischen Umständen verdankt, die sich grundsätzlich von unseren unterscheiden". Luther könne jedoch "Anreger sein, etwa als Sprachmeister oder als Ausleger biblischer Traditionen." Er habe bis zu seinem Tod ein genaues Ohr dafür besessen, welche Stimmungen in der Bevölkerung herrschten und wie sich die Leute ausdrückten. Schon in den 95 Thesen greife er im Grunde Wirtshausgespräche auf, erklärte Kaufmann.

Er hat die Menschen erreicht, weil er ihre Sprache sprach.

Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann

Luther als vormoderner Antisemit

Kaufmann argumentierte zudem, Luthers Äußerungen über Juden seien "vormoderne Formen dessen, was dann ab dem späten 18. Jahrhundert rassetheoretisch ausformuliert wurde." Er sei dabei zwar von religiösen Motiven bestimmt gewesen, "darüber hinaus gibt es bei ihm aber Formulierungen, die die Juden als bestimmte Menschenklasse ansprechen, geradezu biologistisch", erklärte der Historiker. Luther habe den Antisemitismus jedoch nicht erfunden. Wie Kaufmann anführte, wurde schon im Spanien des 15. Jahrhunderts das Konzept der Geblütsreinheit als Motiv zur Vertreibung der Juden verwendet. Dennoch gibt es zwischen Luther und der Judenverfolgung im Nationalsozialismus Verbindungen.

Durch niemanden anderes Worte ist so eindeutig zum Synagogenbrand aufgerufen worden wie durch Luthers. Die brennenden Synagogen am 9. November 1938 waren der Probelauf für den Holocaust.

Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann

Vom Reformationsgedenkjahr erhofft sich Kaufmann "eine offene gesellschaftliche Diskussion über die Bedeutung der Religion unter den Bedingungen der Gegenwart". Das Reformationsjubiläum könne dazu beitragen, sich klar zu machen, "wie lang der Weg der christlichen Konfessionen zur Toleranz war". Eine solche Auseinandersetzung könne auch zu einer "gewissen Gelassenheit im Umgang mit dem Islam beitragen."

Über dieses Thema berichtete MDR KULTUR: Im Radio | 06.01.2017 | 17:10 Uhr und 07.01.2017 | 22:00-23:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2017, 11:30 Uhr