Reformationsorte in Mitteldeutschland: Rochlitz Eine Reformatorin von Kampfgeist und Klugheit

von Franz Kadell

Rochlitz, die Stadt des Roten Porphyr, liegt malerisch eingebettet im Tal der Burgen zwischen den sächsischen Zentren Dresden, Leipzig und Chemnitz. Heute zählt Rochlitz etwa 6.100 Einwohner. Hoch über der Zwickauer Mulde, malerisch auf einem beidseitig steil abfallenden Ausläufer des Rochlitzer Berges, thront wehrhaft das Rochlitzer Schloss. Weithin sichtbar prägen die beiden markanten Schlosstürme, im Volksmund "Lichte“ und "Finstre Jupe" genannt, das Bild.

Zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung eines Burgwards Rochilinzi im Jahre 995 bestand die Anlage offenbar schon seit längerer Zeit. Als Mittelpunkt eines größeren Reichsgutkomplexes sah die Burg oft hohe Gäste, selbst Kaiser und Könige. Hier wurden Prinzen geschult, hier bereitete Dedo der Fette im 12. Jahrhundert seine Feldzüge vor und hier kämpfte Wilhelm der Einäugige zu Beginn des 15. Jahrhunderts gegen Böhmen. Und hier wurde 1547 im Schmalkaldischen Krieg die Reformation verteidigt, zehn Jahre nach ihrer Einführung.

Das Gesamtbild wird bis heute wesentlich durch die Bautätigkeiten im 14. und 15. Jahrhundert geprägt und liefert einen selten unverfälschten Eindruck einer spätmittelalterlichen Schlossanlage.

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Schloss Rochlitz, Schlosshof

Rochlitz Burghof
Bildrechte: MDR/Martin Jehnichen
Ein mittelalterlich gekleidete Frau geht durch ein Burgtor
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hier residierte Elisabeth von Rochlitz. Eine starke Frau mit einer abenteuerlichen Geschichte. Und eine Frau, die noch heute als Vorbild dient, wie Roland Kühnke herausfindet.

Fr 23.09.2016 11:42Uhr 02:35 min

http://www.mdr.de/reformation500/video-rochlitz-refjahr-100_zc-0d15b43b_zs-2f2ad60b.html

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Video

"Ich leg' kein Blatt vors Maul"

Elisabeth von Rochlitz
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MDR 1 RADIO SACHSEN Do 15.09.2016 12:00Uhr 06:50 min

http://www.mdr.de/reformation500/audio-rochlitz-refjahr-100.html

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Audio

Zur Zeit der Reformation war Schloss Rochlitz ein Zentrum politischer Ränkespiele, und Elisabeth von Rochlitz darin eine unerschrockene Kämpferin für die Erneuerung. Sie ist Beispiel für die einflussreichen Rollen, die Frauen zumindest in den ersten Jahrzehnten der Reformation spielten, bis sie wieder in den Hintergrund rückten, als wäre nichts gewesen.

Elisabeth von Rochlitz war eine rebellische Frau, hat sich immer eingemischt, Männern Paroli geboten ("Ich leg kein Blatt vors Maul"), Finten erdacht, sich von nichts und niemandem an die Seite drücken lassen. Selbstbewusst notierte sie in einem ihrer Briefe:

Ich bin zwar ein Weib und kein Doktor, dass ich klug schreiben könnte, doch was ich schrieb, schrieb ich aus keinem Kalbskopf.

Elisabeth von Rochlitz

10.000 Briefe soll sie verfasst haben; 2.000 sind erhalten und zum Teil inzwischen ediert. Trotzdem war sie nahezu vergessen, sowie etliche andere Frauen, die die Reformation vorangetrieben haben. Eine Ausstellung mit dem Titel "Eine starke Frauengeschichte. 500 Jahre Reformation" stellte 2014 das vermeintlich schwache Geschlecht in dieser Epoche in den Mittelpunkt.

Über dieses Thema berichtete: MDR KULTUR - Fernsehen | Lebensläufe | 27.10.2016 | 23:05 Uhr
MDR 1 Radio Sachsen | 15.09.2016 | 12:00 Uhr

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