Vier Porträts Starke Frauen der Reformation

Furchtlos und selbständig – das sind Eigenschaften, die nicht nur Katharina Luther auszeichneten, sondern viele Frauen, die sich der – damals noch jungen – Bewegung der Reformation anschlossen. Erst in letzter Zeit sind die weiblichen Protagonistinnen der Reformation wiederentdeckt worden. Wir stellen einige von ihnen vor.

Die Rolle der Frauen bei der Ausbreitung des neuen, evangelischen Glaubens ist bis heute nicht ausreichend beleuchtet worden, sagt Margot Käßmann, sie ist die Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum:

Ich denke, das Thema Frauen der Reformation ist wirklich unterbeleuchtet. Auch in der Vorbereitung aufs Reformationsjubiläum kommt das nicht genügend vor. Denn die Frauen haben entscheidend mitgestaltet. Und was wir auch sagen müssen: die Reformation hat ja Frauenleben aufgewertet. Das Frauenleben war auf einmal Teil dieses vor Gott so wichtigen Lebens.

Margot Käßmann über Frauen und Reformation

Elisabeth von Rochlitz (1502-1557)

Gemälde - Elisabeth von Rochlitz
Bildrechte: Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden

Starke Frauen der Reformation Elisabeth von Rochlitz

Elisabeth von Rochlitz

Nach dem Tode ihres Gemahls, des Erbprinzen Johann von Sachsen, verwaltete Elisabeth die sächsischen Ämter Rochlitz und Kriebstein selbstständig, was ihr den Beinamen "Elisabeth von Rochlitz" einbrachte.

MDR KULTUR - Das Radio 03:39 min

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Elisabeth von Rochlitz war eine der einflussreichsten Frauen der Reformationszeit. Nachdem ihr Mann; Herzog Georg von Sachsen, verstorben war, führte sie an ihrem Witwensitz gegen die Willen ihres altgläubigen Schwiegervaters und Landesherrn, Georg der Bärtige, die Reformation ein. Im Schmalkaldischen Krieg, den sie zu verhindern versucht hatte, wurde sie aus Rochlitz vertrieben. Überliefert ist von ihr ein von der männlich dominierten Geschichtsschreibung wenig beachteter, umfangreicher Briefwechsel, der heute ein wichtiges Quellenmaterial für diese Zeit ist.

Felicitas von Selmenitz (1488-1558)

Einband der 1534er Bibel von Felicitas von Selmenitz
Bildrechte: Marienbibliothek Halle

Starke Frauen der Reformation Felicitas von Selmenitz

Felicitas von Selmenitz

Felicitas von Selmenitz war eine der ersten Anhängerinnen der Reformation - eine mutige und selbstbewusste Frau, die in den Kreisen der Reformatoren verkehrte. Ihre Bibliothek befindet sich in der Marienbibliothek Halle.

MDR KULTUR - Das Radio So 19.02.2017 09:15Uhr 03:33 min

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Martin Luther schenkte Felicitas von Selmenitz den ersten vollständige Druck der Lutherbibel aus dem Jahr 1534 mit weitere seiner Schriften mit Widmungen. Felicitas von Selmenitz trat früh zum evangelischen Glauben über, sie verkehrte in den Kreisen der Reformatoren. Heute befindet sich ihr 362 Bände umfassendes Büchervermächtnis in der Marienbibliothek in Halle.

Persönlich erlebte sie viel Leid. Ihr Mann wurde ermordet. Sechs ihrer sieben Kinder starben. Ein Epitaph auf dem Stadtgottesacker in Halle zeigt sie im Kreis ihrer (verstorbenen) Angehörigen. Wie sie aussah, wissen wir dennoch nicht: Ihr Porträt wurde durch Vandalismus zerstört.

Anna von Sachsen (1532-1585)

Gemälde aus dem Jahre 1564 von Lucas Cranach d. J. zeigt die Kurfürstin Anna von Sachsen
Bildrechte: dpa

Starke Frauen der Reformation Anna von Sachsen

Anna von Sachsen

Prinzessin Anna von Dänemark (1532-1585), genannt "Mutter Anna", war Kurfürstin von Sachsen. Die Tochter des Königs Christian III. von Dänemark heiratete 1548 in Torgau August von Sachsen ("Vater August").

MDR KULTUR - Das Radio 03:31 min

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Die sächsische Kurfürstin und dänische Königstochter war eine soziale Netzwerkerin par excellence, rund 25.000 Briefe von ihr sind überliefert, mit denen sie ins religiöse und politische Geschehen ihrer Zeit eingriff. Darin zeigt sich Anna als Vermittlerin, die versuchte, Spannungen abzubauen. Anna war an theologischen Fragen interessiert, sie bildete sich weiter.

Daneben galt ihr Interesse der Kräuterheilkunde. Sie ließ Arzneien herstellen, die sie ihren Untertanen teils kostenlos zur Verfügung stellte. Zum Beispiel erfand sie ein berühmtes Magenpflaster, legte 1581 die Dresdner Hofapotheke an, erfand Augenwasser, Gegengifte und brannte Aquavit. 1585 starb sie an der Pest.

Dorothea Susanna von Sachsen-Weimar (1544-1592)

Dorothea Susanna von Sachsen-Weimar
Bildrechte: Forschungsbibliothek Gotha

Dorothea Susanne von Sachsen-Weimar spielte eine aktive Rolle in den Auseinandersetzungen um die Lehre Luthers nach dessen Tod. Von ihr stammt ein Bekenntnisschreiben, das einzige Zeugnis dieser Art einer Frau.

MDR KULTUR - Das Radio 03:48 min

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"Ich weiß, dass mein Erlöser lebt" - diese Liedzeile wird noch heute im evangelischen Gottesdienst gesungen. Der Text wird Dorothea Susanna von Sachsen-Weimar zugeschrieben, einer glaubensstarken Frau.

Die Herzogin hielt Zeit ihres Lebens an der lutherischen Lehre fest, obwohl sie und ihr Ehemann zunächst von ihrem Vater bedrängt wurden, sich dem Calvinismus anzuschließen. Später wurde sie vom Vormund ihrer Kinder bedrängt, das Herzogtum Sachsen-Weimar für die Lehren Melanchthons zu öffnen. Die Religionsstreitigkeiten konnten erst 1577 aus dem Weg geräumt werden.

Starke Frauen der Reformation

Gemälde - Elisabeth von Rochlitz
Gemälde - Elisabeth von Rochlitz Bildrechte: Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden
Gemälde - Elisabeth von Rochlitz
Gemälde - Elisabeth von Rochlitz Bildrechte: Museum Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden
Gemälde aus dem Jahre 1564 von Lucas Cranach d. J. zeigt die Kurfürstin Anna von Sachsen
Gemälde aus dem Jahre 1564 von Lucas Cranach d. J. (1515-1586), das die Kurfürstin Anna von Sachsen zeigt. Bildrechte: dpa
Dorothea Susanna von Sachsen-Weimar
Dorothea Susanna von Sachsen-Weimar Bildrechte: Forschungsbibliothek Gotha
Einband der 1534er Bibel von Felicitas von Selmenitz
Einband der 1534er Bibel, die Felicitas von Selmenitz von Martin Luther bekam Bildrechte: Marienbibliothek Halle
Titelblatt der 1534er Bibel mit handschriftliche Widmung Luthers für Felicitas von Selmenitz
Titelblatt der 1534er Bibel mit handschriftlicher Widmung Luthers für Felicitas von Selmenitz Bildrechte: Marienbibliothek Halle
Seite aus 1534er Bibel mit handschriftlichen Einträgen von Felicitas von Selmenitz
Eine Seite aus der 1534er Bibel mit handschriftlichen Einträgen von Felicitas von Selmenitz. Bildrechte: Marienbibliothek Halle
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Über dieses Thema berichtet der MDR auch bei: MDR FERNSEHEN | Geschichte Mitteldeutschlands | 27.08.2017 | 20:15 Uhr
MDR KULTUR | Das Radio | 19.02.2017 | 09:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. August 2017, 09:57 Uhr