Eine übergroße Bibel in der Lutherübersetzung von Martin Luther mit einer Lutherrose
Besucher der "Weltausstellung Reformation" werden von einer 30 Meter hohen Bibel-Installation begrüßt. Bildrechte: dpa

Halbzeitbilanz in Wittenberg Wittenberger "Weltausstellung" bisher ein Flop

Am 20. Mai wurde die "Weltausstellung Reformation" in Wittenberg feierlich eröffnet. Neben Reformationsbotschafterin Margot Käßmann waren auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Innenminister Thomas de Maizière anwesend. Nun zogen die Macher der Ausstellung eine Zwischenbilanz – mit einem zufriedenen, aber ernüchternden Ergebnis.

Eine übergroße Bibel in der Lutherübersetzung von Martin Luther mit einer Lutherrose
Besucher der "Weltausstellung Reformation" werden von einer 30 Meter hohen Bibel-Installation begrüßt. Bildrechte: dpa

Die Besucherzahlen der "Weltausstellung Reformation - Tore der Freiheit" in Wittenberg sind bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Wie die Veranstalter der Schau am Mittwochnachmittag mitteilten, sind bisher etwa 70.000 Eintrittskarten verkauft worden; erwartet hatten sie ursprünglich eine halbe Million Besucher. Dennoch zeigte sich Geschäftsführer Ulrich Schneider mit der Halbzeitbilanz der Schau über das kirchliche und soziale Engagement des Protestantismus zufrieden, man sei mit den Zahlen "im Plan". Zudem sei das Ticket angepasst worden und beinhalte nun noch mehr Attraktionen.

Die Weltausstellung hat an Fahrt aufgenommen. Die Teilnehmerzahlen werden zunehmend stärker.

Ulrich Schneider, Geschäftsführer der "Weltausstellung Reformation"
Menschen gehen duch ein Tor der Installation Europaallee.
Bildrechte: IMAGO

Der Erfolg der Weltausstellung zum Reformationsjubiläum bleibt hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Es kommen weit weniger Besucher als gedacht. Uli Wittstock sucht nach den Gründen.

MDR KULTUR - Das Radio So 16.07.2017 09:15Uhr 03:46 min

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Weiterhin erklärte Schneider, man habe erkannt, dass die Menschen darauf aufmerksam gemacht werden müssen, dass es auch in den Wallanlagen etwas zu entdecken gibt. Dazu sei regelmäßig ein Promotionsteam in Wittenberg unterwegs. Auch Margot Käßmann, die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), war bei der Bekanntgabe der Besucherzahlen anwesend. Sie lobte "die Qualität der Begegnung von vielen Menschen, die Zuwendung zu existenziellen Fragen". Die Ausstellung in Wittenberg zeige, dass 500 Jahre Reformation nicht eine Schau der Historie seien, so Käßmann weiter, "wer bisher dabei ist, ist begeistert". Torsten Zugehör, Oberbürgermeister der Lutherstadt Wittenberg, räumte zwar ein, dass es den erwarteten Ansturm auf Wittenberg bisher nicht gegeben habe, dennoch sei:

... jeder einzelne Tag der Weltausstellung ein Geschenk.

Torsten Zugehör, Oberbürgermeister von Wittenberg

Angaben zur Open-Air-Ausstellung "Weltausstellung Reformation - Tore der Freiheit"
Vom 20. Mai bis 10. September 2017
Rund um die Wittenberger Altstadt

Wittenberg lockt seine Besucher zudem mit historischen Lutherstätten wie der Schlosskirche oder dem 360°-Panorama "Luther 1517" des Künstlers Yadegar Asisi. Diese Orte haben sich zu wahren Besuchermagneten entwickelt: Die Schlosskirche zählte im ersten Halbjahr 2017 knapp 280.000 Besucher; das Panorama registrierte seit Oktober 2016 rund 250.000 Besucher. Außerdem können Wittenbergs Gäste die Ausstellungen "Luther und die Avantgarde" im ehemaligen Gefängnis der Stadt und "Luther! 95 Schätze – 95 Menschen" im Augusteum besuchen.

Eine Bühne mit Blechbläsern
Bildrechte: MDR/André Damm

Zur Weltausstellung Reformation wie zu den Kirchentagen kamen weit weniger Besucher als erwartet. MDR KULTUR-Religionsredakteurin Mechthild Baus über mangelnde Resonanz zum Reformationsjubiläum.

MDR KULTUR - Das Radio Do 20.07.2017 07:10Uhr 06:32 min

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Besucheransturm auf der Wartburg

Anders als die Ausstellung in Wittenberg verzeichnet die Schau "Luther und die Deutschen" auf der Wartburg in Eisenach einen Besucheransturm. Mehr als 121.000 Besucher wurden seit der Eröffnung im Mai gezählt. Die Ausstellung verdeutlicht anhand kostbarer Exponate aus dem In- und Ausland, welches Bild die Deutschen von Luther im Laufe der Jahrhunderte hatten und wie sehr sich dieses Bild immer wieder verändert hat. "Wir sind sehr zufrieden", sagte Andreas Volkert von der Wartburgstiftung zu den Besucherzahlen.

"Luther und die Deutschen" läuft noch bis zum 5. November 2017 und ist eine der drei nationalen Sonderausstellungen zum 500-jährigen Reformationsjubiläum – neben "Der Luthereffekt - 500 Jahre Protestantismus in der Welt" in Berlin und "Luther! 95 Schätze - 95 Menschen" in Wittenberg.

Mehr Touristen in Sachsen-Anhalts Reformationsorten

Grundsätzlich hat das 500. Reformationsjubiläum den Wirkungsorten Luthers in Sachsen-Anhalt bis jetzt mehr Zulauf gebracht. Wie das Statistische Landesamt in Halle am Mittwoch mitteilte, sind in den Städten Allstedt, Lutherstadt Wittenberg, Eisleben, Mansfeld, Naumburg und Zeitz mehr Touristen gezählt worden. Allein im Mai 2017 wurden in diesen Orten insgesamt 35.388 Touristen gezählt; im Vorjahr waren es 34.200.

Die Schlosskirche in Lutherstadt Wittenberg (Sachsen-Anhalt), aufgenommen am 02.10.2016. Königin Margrethe II. von Dänemark nimmt am Gottesdienst zur Wiedereröffnung teil und bringt als Geschenk einen Altarbehang für die Kirche mit.
Schlosskirche Wittenberg - hier soll Luther seine Thesen angeschlagen haben Bildrechte: dpa

Seit Jahresbeginn zählen beispielsweise Wittenberg und Eisleben insgesamt 54.735 Gäste und 102.978 Übernachtungen, so das Statistische Landesamt weiter. Damit wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Januar bis Mai 2016) rund 12.700 Touristen und 27.100 Übernachtungen mehr registriert. Lutherstadt Wittenberg, das durch den Thesenanschlag Luthers als Ausgangspunkt der Reformation gilt, wurde von Januar bis Mai 2017 von 46.356 Touristen besucht, darunter auch 6.500 ausländische Gäste. Laut Statistikamt wurden im Vorjahreszeitraum 35.212 Gäste gezählt, unter ihnen 4.600 Besucher aus dem Ausland.

Über dieses Thema berichten: MDR KULTUR | Kulturnachrichten | 19.07.2017 | 15:30 Uhr
MDR Sachsen-Anhalt Heute | 19.07.2017 | 19:00 Uhr
MDR KULTUR | Gespräch | 20.07.2017 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2017, 09:24 Uhr

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