Starks - App für Gehörlose im Kino
Bildrechte: Greta und Starks

Dokumentarfilmfest testet Barrierefreiheit Neuer Filmgenuss - Mit dem Handy hören

Entspannt in den neuesten Blockbuster im Kino? Ein DVD-Abend mit Freunden? Das ist für Menschen, die wenig und gar nicht hören können, kein wirklicher Genuss. Ein Film besteht nicht nur aus Bildern. Und Untertitelungen gibt es nicht allzu oft. Die App Starks will Hörgeschädigten mehr Freude beim Filmegucken ermöglichen. Zum Leipziger DOK Festival bot sie 33 Filme mit UT für Hörgeschädigte an. Einfach App kostenfrei runterladen, im Kino anschalten und Film ab. Wir haben den Genusstest gemacht.

Starks - App für Gehörlose im Kino
Bildrechte: Greta und Starks

Einfach mal ins Kino

Filme schauen ist eine der beliebtesten Aktivitäten zur Freizeitgestaltung, sich zu entspannen und sich zu bilden. Und eine der einfachsten. Hat man eine Sinnesbeeinträchtigung ist das Vergnügen allerdings oft nicht so einfach zu haben. Doch im Gleichstellungsgesetz ist die Rede von Barrierefreiheit. Und mittlerweile gibt es tatsächlich immer mehr Innovationen, die Menschen mit Beeinträchigungen helfen sollen, ihren Alltag einfacher und "normaler" gestalten zu können.

Ziel des Projektbüros "Greta & Starks" beispielsweise ist es, Seh- und Hörgeschädigten barrierefreien Filmgenuss zu ermöglichen. Es gibt ca. 1,85 Millionen. blinde und visuell beeinträchtigte Menschen, sowie 218.000 gehörlose Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zusätzlich gibt es ca. 14,4 Millionen hörgeschädigte Menschen. Für diese Zielgruppe wurden die Apps Greta (für Audideskription) und Starks (für erweiterte Untertitel) entwickelt. Die Anwendungen sind kostenlos und für Smartphones und Tablets nutzbar. Sehbehinderte Zuschauer erfahren mit Greta via Kopfhörer auf dem einen Ohr die Filmbeschreibung und auf dem anderen Ohr die Soundeffekte und Musik. Starks zeigt auf dem Display alle Dialoge als Untertitel und übersetzt zudem wichtige Geräusche, Musik, usw. in Untertitel.

Laut dem Schwerhörigen Verband benötigt ca. die Hälfte der 14,4 Millionen Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung Untertitel. Insgesamt umfasst die Zielgruppe also rund 9.3 Millionen Menschen. Bisher waren also ca. 9,3 Millionen Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen vom Kinoerlebnis ausgeschlossen.

www.gretaundstarks.de

Beide Anwendungen finden im Kinosaal für den ausgewählten Film automatisch den richtigen Startzeitpunkt anhand eines digitalen Fingerabdrucks (ähnlich wie Musikerkennungsprogramme). Die Wiedergabe lässt sich jederzeit unterbrechen und punktgenau fortsetzen.

Von Dorie bis Tschick

200 Dokumentar- und Spielfilme kann man bislang über die App "Starks" mit erweiterten Untertiteln anschauen. Tendenz steigend. Hier ein paar Beispiele vom Leipziger DOK Fest und aus dem Kinojahr 2016.

Seeing Voices bei DOK Leipzig
"Seeing Voices" über den Alltag Gehörloser lief bei DOK Leipzig im Next Masters Wettbewerb Bildrechte: Dariusz Kowalski
Seeing Voices bei DOK Leipzig
"Seeing Voices" über den Alltag Gehörloser lief bei DOK Leipzig im Next Masters Wettbewerb Bildrechte: Dariusz Kowalski
Neo Rauch - Gefährten und Begleiter
"Neo Rauch - Gefährten und Begleiter" lief bei DOK Leipzig im Deutschen Wettbewerb Bildrechte: Nicola Graef
Cahier Africain
"Cahier Africain" wurde bei DOK Lepzig mit zwei Preisen geehrt. Er bekam eine Silberne Taube in der Kategorie Demokratie und Menschenrechte und den Preis der Interreligiösen Jury. Bildrechte: Heidi Specogna
Clown-Fisch Nemo, Palettenfisch-Dame Dorie und Clownfisch-Papa Marlin
Die Disney-Produktion "Findet Dorie" Bildrechte: MDR SPUTNIK/Pixar
Frederick Lau als Peter (l) und Moritz Bleibtreu als Holländer-Michel in einer undatierten Szene aus dem Film
Fantasy aus Deutschland: "Das kalte Herz" Bildrechte: Weltkino/dpa
Maik und Tschick, die Helden des Films
Die Beststellerverfilmung "Tschick" Bildrechte: Studiocanal GmbH/Mathias Bothor
Alle (6) Bilder anzeigen

DOK Leipzig macht den Anfang

Beim Dokumentar- und Animationsfilmfestival "DOK Leipzig" konnten Interessierte die App Starks testen. 33 Filme des Fesivalprogramms waren über Starks mit erweiterten Untertiteln erlebbar. Wie es zu dieser Kooperation kam, darüber haben wir mit den Machern gesprochen. Die tüfteln bereits an einer noch besseren Lösung für Hörgeschädigte: einer Datenbrille. Außerdem haben wir Tester ins Festivalgetümmel geschickt, die mit interessanten Erfahrungsberichten zurückkamen.

Unsere Vision ist ein einhundert Prozent barrierefreies Kino in ganz Europa.

www.gretaundstarks.de

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2016, 17:56 Uhr