Die Flüchtlingshelferin und der AfD-Anhänger Ich versteh' dich nicht!

Heiko Müller und Elvira Ploß sind überzeugte Dresdner, kritische Zeitgenossen und bereit, Flagge zu zeigen. Aus ihren Lebenserfahrungen haben sie völlig andere Schlüsse gezogen. Warum und was passiert, wenn die Flüchtlingshelferin und der AfD-Anhänger aufeinander treffen, zeigt Nah dran.

Eine Frau und ein Mann sitzen sich gegenüber
Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN

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Nah dran Do 10.08.2017 22:35Uhr 01:01 min

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Heiko Müller schließt sich Anfang 2015 den Montagsspaziergängen der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" an. Nach geltenden Gesetzen hätten viele Flüchtlinge Deutschland nie erreichen dürfen, findet der 53-Jährige.

"Das sind alles so kleine Bausteine!"

Von den Volksvertretern fühlt er sich nicht ernst genommen.

Ein Mann blickt lächelnd in die Kamera - hinter ihm die Silhouette der Dresdner Hofkirche
Heiko Müller, 53, AfD-Anhänger Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN

Der Herr Kupfer, das ist der Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag, war beim MDR und da ging es um die Diätenerhöhung und da hat er gesagt: Wir arbeiten so extrem viel, 16 Stunden am Tag, mich kann gern mal jemand begleiten. Da habe ich den Herrn Kupfer angerufen, also die Büroleiterin, die wusste erst einmal gar nichts davon. Dann habe ich eine Woche gewartet, wie immer. Da kommt kein Rückruf, das habe ich schon hundert Mal erlebt. Das sind alles so kleine Bausteine, wo ich sage, auf gut Deutsch: Du wirst verarscht.

Heiko Müller
Menschen mit roten Fahnen, auf den ein gelbumrandetes, schwarzes Kreuz zu sehen ist vor dem Dresdner Hauptbahnhof
Allein bei Pegida mitlaufen, wollte Heiko Müller nicht mehr. Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN

Er will vor allem mehr direkte Demokratie, mehr Volksentscheide, um die verkrusteten, von den Altparteien etablierten Strukturen aufzubrechen. Immer montags bei Pegida "im Kreis herumzulaufen", reicht ihm nicht. 2016 wird Heiko Müller Mitglied der AfD. Denn nur über die parlamentarische Arbeit ließe sich etwas bewirken, meint er: die Flüchtlingsströme stoppen, den radikalen Islam bekämpfen, die Demokratie retten.

Elvira Ploß übernimmt 2015 die Leitung einer Flüchtlingsunterkunft. Für die einstige Lehrerin und Sozialpädagogin ist das ein Statement; ihr Beitrag zur Willkommenskultur, die sie in ihrer Stadt meist vermisst und für die sie auch in den Bürgerversammlungen in der Kreuzkirche streitet.

Eine ältere Frau geht diskutierend mit drei Männern die Straße entlang
Ihren Job als Familienhelferin gab Elvira Ploß 2015 auf und wurde Leiterin einer Flüchtlingsunterkunft. Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN

Sie setzt auf die persönliche Begegnung. Freundlich, aber bestimmt, tritt sie in der Unterkunft den 40 Männern aus einem dutzend Nationen gegenüber, erklärt ihnen, dass sie Deutsch lernen müssen und bestimmte Regeln einhalten. Die 63-Jährige geht mit den Männern aus dem Heim einkaufen, auch kochen sollen sie selbst. So hilft sie ihnen, die ersten Hürden zu nehmen. Sie akzeptieren, dass sie als Frau das Sagen hat.

"Das ist einfach mein Menschenbild!"

Elvira Ploß weiß inzwischen um die vielen kleinen und mühsamen Schritte bei der Integration. Trotzdem will sie, dass jeder Flüchtling, der nach Deutschland kommt, auf ein faires Asylverfahren rechnen kann.

Also ich weiß, dass ich hier nicht alle retten kann, ich weiß, dass hier viele gehen müssen und enttäuscht sein werden, aber ich denke man kann das auch auf eine Art machen, die des Menschen würdig ist. Und das ist mein Menschenbild. Ich weiß nicht, Nächstenliebe ist immer so ein großes Wort, das ist einfach meine Haltung.

Elvira Ploß
Eine Frau zeigt etwas
Elvira Ploß, 63, einstige Lehrerin, Sozialpädagogin, Flüchtlingshelferin Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN

All das tut sie auch, weil sie erfahren hat, wie es ist, wenn sich das Leben plötzlich dreht. Nach dem Mauerfall brauchte man keine Lehrer für Mathe und Astronomie mehr. Sie stand vor einem Neuanfang. Nach einem Zusatzstudium bildete sie Erzieher für die Stadt Dresden weiter. Aber die wachsende Bürokratie störte sie, sie kündigte und arbeitete fortan mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Im Sommer 2015 war sie noch für die Familienhilfe der Diakonie tätig. Auch dort wurde kontrovers über die Flüchtlingswelle diskutiert. Ihre Bewerbung für den Job im Flüchtlingsheim war auch eine Art Trotzreaktion darauf, sagt sie. 

Nah dran | Ich versteh' dich nicht! Pro & Contra

Ein Mann in einer demonstrierenden Menge
Heiko Müller, der AfD-Anhänger Die ersten Pegida-Kundgebungen fanden an der Lingnerallee in Dresdner statt.  Eine Pressemitteilung machte Heiko Müller damals neugierig. Ein Minister aus dem Westen ließ verlauten, montags würden "Neonazis in Nadelstreifen" durch Dresden marschieren. Müller fühlte sich eher an die Wendezeit erinnert: "Auch fremde Menschen, die man vor 10 Minuten noch nicht kannte, haben sich geöffnet, haben ihre ganzen Probleme und Gefühle oder warum sie auf die Straßen gehen, hat man ausgesprochen, es sind Freundschaften entstanden."

Für Heiko Müller bedeutet Pegida eine Art persönliche Aufbruchsstimmung. Wichtiger als Islamkritik oder die Sorge um die Flüchtlingswelle  ist für den 53-jährigen die Auseinandersetzung mit den gewählten Volksvertretern. Er tritt in die AfD ein.

Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Ein Mann in einer demonstrierenden Menge
Heiko Müller, der AfD-Anhänger Die ersten Pegida-Kundgebungen fanden an der Lingnerallee in Dresdner statt.  Eine Pressemitteilung machte Heiko Müller damals neugierig. Ein Minister aus dem Westen ließ verlauten, montags würden "Neonazis in Nadelstreifen" durch Dresden marschieren. Müller fühlte sich eher an die Wendezeit erinnert: "Auch fremde Menschen, die man vor 10 Minuten noch nicht kannte, haben sich geöffnet, haben ihre ganzen Probleme und Gefühle oder warum sie auf die Straßen gehen, hat man ausgesprochen, es sind Freundschaften entstanden."

Für Heiko Müller bedeutet Pegida eine Art persönliche Aufbruchsstimmung. Wichtiger als Islamkritik oder die Sorge um die Flüchtlingswelle  ist für den 53-jährigen die Auseinandersetzung mit den gewählten Volksvertretern. Er tritt in die AfD ein.

Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Auf einem Platz stehen Busse senkrecht als Monument für den Krieg in Syrien
Die Erinnerung an das Inferno vom 13. Februar 1945 vereinte die Dresdner einst. Heute wird sie von der Frage bestimmt: Zu welchem Lager gehörst Du? In diesem Jahr kochten vor dem 13. Februar die Emotionen hoch, als unweit der Frauenkirche drei Busse zum "Monument" aufgerichtet wurden, als Nachbildung einer Situation im syrischen Aleppo, wo sich die Bevölkerung so vor Kugeln schützte. Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Menschen protestieren mit einem Plakat
Heiko Müller empfindet die Installation an diesem Ort als politische Provokation. Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Eine Frau zeigt etwas
Elvira Ploß, Flüchtlingshelferin Anders sieht es Elvira Ploß. Ob in Syrien heute oder in Dresden damals - Kriegsopfer sind vor allem die Zivilisten. Für Elvira Ploß ist denn auch nicht das Bus-Monument vor der Frauenkirche der Skandal, sondern dass Rechtsradikale das Gedenken für ihre Propaganda missbrauchen. Seit 2015 leitet sie ein Flüchtlingsheim in der Stadt. Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Zwei weiße Rosen stehen am Bordstein mit einer Kerze
Auch andere nutzen den Tag zur Selbstdarstellung und Elvira Ploß fragt sich inzwischen, mit wem sie da am 13. Februar in der Menschenkette beisammen steht? Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Menschen in einer Kirche
Bei den Bürgerversammlungen in der Kreuzkirche zeigt sich, wie zerrissen die Stadtgesellschaft ist. Heiko Müller ist an der Meinung anderer interessiert. Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Eine Frau steht an einem Mikrofon in einer Kirche
Auch Elvira Ploß setzt sich dort für Austausch ein. Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Eine ältere Frau geht diskutierend mit drei Männern die Straße entlang
Als Leiterin einer Flüchtlingsunterkunft hat sie mit 40 Männern aus einem Dutzend Nationen zu tun. Sie hilft ihnen, die ersten Hürden zu nehmen. Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Ein junger Mann und eine ältere Frau vor einem Regal
Die 63-Jährige begleitet die Flüchtlinge bei den ersten Einkäufen, auch kochen sollen sie selbst. Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Eine Frau mit Brille lächelt
Elvira Ploß setzt auf die persönliche Begegnung und weiß um den mühevollen Weg der Integration: Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Menschen heben den Arm zur Abstimmung
Seit 2016 ist Heiko Müller Mitglied der AfD. Denn nur über die parlamentarische Arbeit ließe sich etwas bewirken, meint er: die Flüchtlingsströme stoppen, den radikalen Islam bekämpfen, die Demokratie retten. Seine Hoffnungen wurden auf dem Landesparteitag der AfD in Groitzsch nicht unbedingt beflügelt. Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Eine Frau und ein Mann sitzen sich gegenüber
Das Zusamentreffen im Kulturpalast "Also ich weiß, dass ich hier nicht alle retten kann, ich weiß, dass hier viele gehen müssen und enttäuscht sein werden, aber ich denke, man kann das auch auf eine Art machen, die des Menschen würdig ist. Und das ist mein Menschenbild. Ich weiß nicht, Nächstenliebe ist immer so ein großes Wort, das ist einfach meine Haltung, die ich denen vorlebe." Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Ein Mann hört seinem Gegenüber zu
"Sie werden jetzt gleich aufspringen, aber es gibt eine Sozial-und Asyllobbyindustrie. Wir haben uns gestern das neue Heim angeguckt oben in Naußlitz. Eine Rentnerin, die hat geweint, sie hat 500 Euro Rente. Sie hat gesagt, so eine Küche kann ich mir mein Leben nicht leisten." Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Die Flüchtlingshelferin und der AfD-Anhänger - Szene aus dem Nah dran-Film
Toleranz? Heiko Müller: "Das ist für mich schon wieder Erziehung. Permanente Erziehung. Du musst weltoffen, du musst tolerant sein, etc. Das ist das Dogma. Du musst jetzt weltoffen, du musst tolerant sein. Was ist denn überhaupt Toleranz?"

Elvira Ploß: "Toleranz? Dass ich die anderen auch akzeptieren kann mit ihrer anderen Haltung und Meinung. Dass ich nicht sofort in die Gegenoffensive gehe, sondern sage, ja, der Mensch denkt anders. Dass ich versuche zu verstehen, aber ich muss nicht gleicher Meinung sein. Das ist für mich Toleranz.“

Heiko Müller: "Und warum soll ich das (tolerant) sein. Dass Inder, Pakistani, die ganze Welt hierher kommt. Es gibt ja diese Plattitüde dann immer: 'Deutschland geht es gut.' Das ist Quatsch. Es gibt Millionen Arme.“
Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN
Eine Frau und ein Mann  stehen vor einem großen Fenster nebeneinander
Fazit? Zwei Stunden an einem Tisch, die Flüchtlingshelferin und der AfD-Anhänger: Was ist die Bilanz der Debatte? Hält man den anderen für gefährlich oder für naiv?

Heiko Müller: "Passt beides nicht, ist zu hart. Das ist wieder Schwarz-Weiß in meinen Augen. Das ist genau das, was man eigentlich nicht will."

Elvira Ploß: "Ich möchte es nicht bewerten, weil es gibt viele Punkte, über die ich nachdenken muss. Es sind ja tatsächlich die Grautöne, die wichtig sind." 

Zuhören, die Meinungen des anderen auszuhalten fällt nicht leicht. Doch in einem Punkt sind sie sich einig: es lohnt sich, Fortsetzung erwünscht.   

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Die Flüchtlingshelferin und der AfD-Anhänger - Szene aus dem Nah dran-Film
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Nah dran | Ich versteh' dich nicht! Pro & Contra

Pro & Contra

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Sie werden jetzt gleich aufspringen, aber es gibt eine Sozial-und Asyllobbyindustrie. Wir haben uns gestern das neue Heim angeguckt oben in Naußlitz. Eine Rentnerin, die hat geweint, sie hat 500 Euro Rente. Sie hat gesagt, so eine Küche kann ich mir mein Leben nicht leisten.

Heiko Müller

Lagerdenken und Vergangenheitsbewältigung

Heute stehen Ploß und Müller - wenn man so will - in unterschiedlichen Lagern: Dabei einte sie vor dem Herbst 1989 vielleicht mehr, als sie trennte. Beide eckten an und gingen in Wendezeiten für Freiheit und Demokratie auf der Straße. Ploß nahm bereits 1987 am Olof Palme-Friedensmarsch teil, trugt das "Schwerter zu Pflugscharen"-Symbol als Lehrerin auch in der Schule. Sie fand in der evangelischen Kirche Rückhalt. Kämpfen, sich durchboxen, das hatte sie schon zu DDR-Zeiten gelernt, Haltung zeigen, auch gegen einen Vater, den sie als autoritär beschreibt, die Mutter verlor sie, als sie gerade 19 war.

Das aus drei aufrecht aufgestellten, ausrangierten Linienbussen bestehende Kunstwerk «Monument» des syrischen Künstlers Manaf Halbouni, aufgenommen am 07.02.2017 auf dem Neumarkt in Dresden (Sachsen).
Auslöser für eine neue Debatte in und über Dresden: Das "Monument" des syrischen Künstlers Manaf Halbouni vor der Frauenkirche Bildrechte: dpa

Schnell erwachsen werden musste auch Heiko Müller, seine Mutter starb an Krebs, da war er erst 15 Jahre alt. Für ihn als jungen Schwulen wurde ebenfalls die evangelische Kirche Zuflucht, auch wenn er nicht gläubig ist. Nach der Wende arbeitete er im Blumengeschäft seines Stiefvaters, später als EDV-Sachbearbeiter im Betrieb seines Lebenspartners, mit dem er nun schon seit 25 Jahren zusammen ist. Bisher- so sagt er - muss er sich deswegen in der AfD nicht verstecken. Allerdings merkt er an, dass seine Hoffnungen auf mehr Bürgernähe und direkte Demokratie auf dem letzten Landesparteitag in Groitzsch nicht gerade beflügelt wurden. Führungsstreit und langwierige Abstimmungen zur Tagesordnung bestimmten das Geschehen. Auch die Ausfälle des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke wie in seiner Dresdner Rede zur "erinnerungspolitischen Wende", die er miterlebt hat hat, sieht er kritisch. Gleichwohl findet er, es bringe nichts mehr, ewig über die Nazi-Zeit zu reden.

Das ist für mich Geschichte, die war schlimm. Egal wie, aber ich möchte mich mit dieser Zeit nicht beschäftigen. Denn egal wie man es tut, man verbrennt sich die Finger. Da kann man es auch lassen. Ich will nach vorne gucken.

Heiko Müller

Elvira Ploß ist anderer Meinung:

Ich denke, zur Kultur gehört dazu zu wissen, wie die Entwicklung war. Die Erinnerungskultur muss aus meiner Sicht immer erhalten bleiben. Immer, von Generation zu Generation, denn es wird so vieles vergessen.

elvira Ploß
Menschen protestieren mit einem Plakat
Protest gegen das Bus-"Monument" Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN

Einmal im Jahr blickt allerdings auch Heiko Müller zurück, am 13. Februar, wenn die Stadt an die verheerenden Luftangriffe durch die Alliierten erinnert. Der gebürtige Dresdner und auch Elvira Ploß, die seit vier Jahrzehnten an der Elbe lebt, erzählen, dass die Ruine der Frauenkirche schon zu DDR-Zeiten für sie ein besonderer Ort war. Die Erinnerung an das Inferno vereinte die Dresdner einst. Heute wird sie von der Frage bestimmt: Zu welchem Lager gehörst Du? In diesem Jahr kochen vor dem 13. Februar die Emotionen hoch, als unweit der Frauenkirche drei Busse zum "Monument" aufgerichtet werden, als Erinnerung an die Zivilbevölkerung im syrischen Aleppo, die sich so vor dem Beschuss zu schützen suchte.

Zwei weiße Rosen stehen am Bordstein mit einer Kerze
Weiße Rosen zum Gedenken, aber woran erinnern die Dresdner am 13. Februar? Bildrechte: Nah dran / MDR FERNSEHEN

Heiko Müller empfindet die Installation an diesem Ort als Provokation und meint, die Busse gehörten doch eher vors Kanzleramt oder Weiße Haus, also dorthin, wo Politik gemacht oder über Rüstungslieferungen entschieden werde. Denn: Was haben der heutige Krieg in Syrien und die Not der Flüchtlinge mit den Toten von 1945 zu tun? Auch damals traf es vor allem Zivilisten und unter den Opfern waren viele Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten, argumentierten die Befürworter. Für Elvira Ploß ist der Neumarkt deswegen genau der richtige Ort, "um aufzurütteln, zu schauen, was passiert in der Welt". Viele Dresdner hätten es sich inzwischen etwas bequem gemacht, dächten, jetzt, wo die Frauenkirche wiederaufgebaut sei, sei alles gut. Nicht das Bus-Monument sei der Skandal, sondern dass Rechtsradikale das Gedenken jedes Jahr für ihre Propaganda missbrauchen. Auch andere Gruppen nutzen den Tag zur Selbstdarstellung und Elvira Ploß fragt sich inzwischen, mit wem sie da am 13. Februar in der Menschenkette beisammen steht?

Fazit?

Heiko Müller und Elvira Ploß sind überzeugte Dresdner, die völlig andere Schlüsse aus ihren Lebenserfahrungen gezogen haben.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch in: Nah dran | MDR FERNSEHEN | 10.08.2017 | 22:35 uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2017, 12:51 Uhr