Inklusion am Arbeitsplatz
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3. Dezember | Internationaler Tag der Behinderung Wir sind ein Team - Inklusion am Arbeitsplatz

In Deutschland gilt für Menschen mit Behinderung gleiches Recht auf Arbeit und im Arbeitsleben. Das ist Bestandteil der UN-Menschenrechtskonvention, die von 167 Staaten unterchrieben ist, auch von Deutschland. Wie es rein faktisch um die Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt aussieht, untersucht das jährliche sogenannte Inklusionsbarometer. Wie Inklusion im Arbeitsleben ganz praktisch aussehen kann, zeigen wir in einer Reihe von Kurzporträts.

Inklusion am Arbeitsplatz
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Inklusionsbarometer 2016

Im Jahr 1992 haben die Vereinten Nationen den 3. Dezember zum "Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen" ausgerufen. Seit 2013 veröffentlicht die "Aktion Mensch" immer kurz vor diesem Tag ihr jährliches Inklusionsbarometer. In diesem Bericht, der in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt Research Institutes (HRI) entsteht, geht es darum, wie in Deutschland Menschen mit Behinderung ins Arbeitsleben integriert sind. In diesem Jahr bringt das Inklusionsbarometer eine gute Nachricht: Die Arbeitslosenquote der Schwerbehinderten ist gesunken. Von 13,9 auf 13,4 Prozent. Allerdings liegt sie immer noch deutlich über der Arbeitslosenquote von Menschen ohne Behinderung. Die beträgt aktuell 6,4 Prozent - weniger als die Hälfte. Es gibt also Verbesserungsbedarf.

Über das Inklusionsbarometer Arbeit Für das Inklusionsbarometer Arbeit hat das Handelsblatt Research Institute bei einer repräsentativen Umfrage 500 mittelständische Unternehmen und 802 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung befragt. Zugleich sind die jüngsten Zahlen aus verschiedenen Quellen wie der Bundesagentur für Arbeit in die Bewertung eingeflossen. Das Barometer setzt sich aus Teilergebnissen zur Inklusionslage und zum Inklusionsklima zusammen und wird von der Aktion Mensch 2015 zum vierten Mal erhoben. Aktion Mensch

Gleiches Recht auf Arbeit

Die Teilhabe am Arbeitsleben hat für Menschen mit Behinderung einen besonders hohen Stellenwert, denn sie bildet eine wesentliche Voraussetzung für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben in der Gesellschaft. Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Deutschland im Jahr 2009 verpflichtet, den Zugang zu einem offenen und inklusiven Arbeitsmarkt zu gewährleisten. Das bedeutet: gleiche Rechte auf Arbeit und im Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung.

Was ist Inklusion? Inklusion bedeutet, dass alle Menschen in der Gesellschaft selbstverständlich miteinander leben. Unabhängig von ihren persönlichen Fähigkeiten, ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht oder Alter. Inklusion bedeutet Vielfalt leben. Menschen mit und ohne Behinderung begegnen sich ganz selbstverständlich und ohne Vorurteile. Alle Menschen gehören von Anfang an dazu. Sie gehen gemeinsam Wege und nehmen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teil.

Inklusion heißt Zugehörigkeit und ist das Gegenteil von Ausgrenzung. Gelungene Inklusion ist, wenn Menschen mit und ohne Behinderung überall dabei sein und mitmachen können. In der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel und in der Freizeit. Im Bereich Arbeit zum Beispiel macht die Inklusion nur sehr langsam Fortschritte. Menschen mit Behinderung haben weniger vom Aufschwung am Arbeitsmarkt als Menschen ohne Behinderung. Noch immer haben sie weniger Möglichkeiten, einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bekommen. Aktion Mensch

Die positiven Veränderungen am allgemeinen Arbeitsmarkt wirken sich nicht automatisch auch für Menschen mit Behinderung positiv aus.

Prof. Bert Rürup, Präsident des HRI.
Inklusinsbarometer 2016
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Ein Problem für die hohe Arbeitslosenquote sind vor allem bürokratische Hürden, besagt das Inklusionsbarometer. Beispielsweise wissen laut der Sudie nur 62 Prozent der Chefs kleiner Unternehmen, dass sie staatliche Förderung bekommen können. Wiederum nur die Hälfte der informierten Betriebe nutzt dann diese Förderung: "Kleine Unternehmen haben nicht die Zeit, sich auf kompliziertem Weg und über verschiedene Antragstellen eine Finanzspritze zu holen", sagt Aktion Mensch-Vorstand Armin v. Buttlar. Er fordert, dass die Förderung aus einer Hand kommt und sie den Firmen schneller zufließt. Weitere Gründe für die Anstellung von Menschen mit Behinderung findet der Bericht in Vorbehalten auf Seiten der Unternehmen. Oft haben Unternehmer beispielsweise Sorge, sie könnten einen behinderten Angestellten nie wieder kündigen. Aber auch Unsicherheiten auf Seiten der Bewerber mit Behinderung tragen dazu bei, dass die Beschäftigungsquote optimierbar bleibt. Langwierige und erfolglose Bewerbungszeiten entmutigen viele so sehr, dass sie aufgeben. So belegt die Studie, dass schwerbehinderte Menschen fast einhundert Tage länger nach einer Beschäftigung suchen müssen als Menschen ohne Behinderung.

Berufliche Kompetenz hat nichts mit Behinderung zu tun

Aber es gibt sie, die Beispiele gelungener Inklusion am Arbeitsplatz. Es gibt den blinden Bibliotheksdirektor und den Filmproduzenten im Rollstuhl. Es gibt autistische Software-Spezialisten und gehörlose Köche. Und sie alle haben meist Kollegen, die sehen und gehen und hören können. Berufliche Stärken und Schwächen, Talente und Macken hat dann wiederum jeder auf seine ganz eigene Weise. Wir stellen einige Beispiele vor, die zeigen, dass eine gesundheitliche Einschränkung nicht unbedingt Arbeitsunfähigkeit bedeutet. Und dass Teamarbeit, Zuverlässigkeit, Ideenreichtum und Gründlichkeit im Beruf nichts mit der Frage "behindert" oder "nicht behindert" zu tun haben. Im Arbeitsleben und unter Kollegen muss sich jeder mit Leistung und seinen sozialen Kompetenzen beweisen.

Über den Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen berichtet der MDR in: MDR KULTUR, MDR RADIO SACHSEN und MDR 1 RADIO SACHSEN-ANHALT am 3.12.2016

Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2016, 11:11 Uhr