Interreligiöser Kalender Religiöse Feiertage im Oktober 2017

Das Aschura-Fest beendet die Trauerzeit der Aleviten. Die Christen feiern Erntedank und Reformationstag, Juden ihr Laubhütten-Fest. Was die Gläubigen im Oktober alles feiern ...

1. Oktober: Erntedank

 (christlich)

Seit dem 3. Jahrhundert danken Christen in aller Welt zu Beginn des Herbstes für die Erntegaben. Einen verbindlichen Termin hierfür gibt es allerdings nicht und auch keine Verpflichtung für die Gemeinden, das Fest zu begehen. In den katholischen Gemeinden Deutschlands werden seit einer Festlegung der deutschen Bischofskonferenz im Jahr 1972 am ersten Sonntag im Oktober die Kirchen mit Äpfeln, Birnen, Kürbissen und Blumen geschmückt. In evangelischen Gemeinden dankt man für das "täglich Brot" am ersten Sonntag nach Michaelis, d. h., meist am ersten Sonntag im Oktober.

Erntedankfest
Bildrechte: IMAGO

3. Oktober: Aschura –Tag (Asure Gün türkisch)     

(alevitisch)

Das Aschura-Fest beendet die Trauerzeit der Aleviten um Hüseyin (Hussein – der Enkel Mohammeds und Sohn Alis). Diese Trauerzeit im Monat Muharrem dauert zwölf Tage. Am 13. Tag, dem Aschura-Fest, wird das Fasten gebrochen und es gibt in den alevitischen Gemeindezentren, den Cem-Häusern (Cem heißen die Versammlungen der Aleviten), das gemeinsame Aschura-Essen.  Die besonderen Süßspeisen, die an diesem Tag zubereitet werden, sind für Aleviten ein Zeichen der Dankbarkeit und Hoffnung. Die Süßspeise besteht aus Weizen, Bohnen, Kichererbsen, Kastanien, Haselnüssen, Pistazien, Mandeln, Sultaninen, Feigen, Äpfeln, Aprikosen und Walnüssen oder ähnlichen Zutaten. Viele Aleviten bereiten sie selbst zu und verteilen sie an Familie, Freunde und Nachbarn. Die Süßspeise und jedes andere Gericht zum Aschura-Fest hat genau zwölf Zutaten. Die Zahl steht für die 12 Imame, die den Aleviten besonders wichtig sind.

3. Oktober: Tag der offenen Moschee

(muslimisch)

Neubau der Moschee in Köln. (2013)
Der Neubau einer Moschee in Köln Bildrechte: dpa

Den "Tag der offenen Moschee" gibt es seit 1997. In jedem Jahr kommen mehr als 100.000 Menschen, um etwas über das Leben der Muslime und über ihren Glauben zu erfahren. An diesem Tag laden Muslime alle Menschen ein, ihre Gotteshäuser zu besichtigen. In Deutschland werden dann mehr als tausend Moscheen geöffnet sein. Es gibt Führungen, Vorträge, Ausstellungen und die Möglichkeit, mit Imamen und Gläubigen ins Gespräch zu kommen.

5. Oktober: Pavarana

(buddhistisch)

Pavarana ist das Lichterfest am Ende der Regenzeit. In Sri Lanka heißt es Wap. Buddhistische und hinduistische Nonnen und Mönche ziehen sich seit Jahrtausenden in der Regenzeit zur Meditation zurück. Auch Buddha hat das getan. Seine Rückkehr aus dieser Abgeschiedenheit feiern die Buddhisten am Ende der Regenzeit noch heute mit dem Lichterfest Pavarana.
An diesem Tag werden in buddhistischen Klöstern die üblichen Ordensregeln außer Kraft gesetzt. Bei einer gemeinsamen Feier sprechen Mönche und Nonnen miteinander darüber, was ihnen während der drei Monate an dem anderen aufgefallen ist. Doch es geht nicht darum, den anderen öffentlich zu kritisieren. Sondern um sich Tipps zu geben – sich gegenseitig zu fördern und zu stärken. Von den Gläubigen bekommen die Nonnen und Mönche zu Pavarana neue Umhänge geschenkt. Allerdings ungefärbt – die typischen Farben rot und orange werden speziell von den Nonnen und Mönchen in den Klöstern hergestellt. Zudem leuchten an Pavarana an fast allen Häusern Lichter und Lampions. Zudem werden  brennende Schwimmkerzen in Schalen aus Blättern auf den Fluss gesetzt. Die Lichter der Kerzen symbolisieren, dass alle, die dem Licht des Buddhismus folgen, über den Fluss des Unwissens in das Land der Wahrheit getragen werden.

4.-11. Oktober: Sukkot - Laubhüttenfest           

(jüdisch)

Das Laubhütten- Fest wird sieben Tage lang gefeiert und ist vergleichbar mit den Erntedankfesten hierzulande. Es erinnert an die Wüstenwanderung der Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten. Während der Flucht konnten sie nur in unbefestigten Hütten, in "Laubhütten" aus Ästen und Zweigen wohnen. Daran soll bis heute erinnert werden. In der Thora heißt es:

Gott ordnet an, dass alle einheimischen in Israel jedes Jahr sieben Tage lang in Hütten wohnen sollen, damit ihre Nachkommen wissen, dass ihre Vorfahren in Hütten wohnten, als sie von Gott aus Ägypten geführt wurden und 40 Jahre lang durch die Wüste zogen.

Deshalb ist an Sukkot bis heute Brauch, in einer Hütte zu wohnen. Man macht sich bewusst, dass Gottes Schutz wichtiger ist, als ein festes Dach über dem Kopf. Gläubige Juden bauen sich jedes Jahr eine eigene Laubhütte – im Garten oder auf dem Balkon. Diese Sukka besteht nur aus Zweigen, Reisig oder Stroh, durch das Dach soll man tagsüber die Sonne und nachts die Sterne sehen können. In der Hütte wird gegessen und geschlafen, soweit es das Wetter erlaubt.

Wichtig für die Bedeutung des Festes ist auch ein aus Zitrusfrüchten, Dattelpalm-, Myrten- und Bachweidenzweigen gebundener Strauß, der die Einheit des Volkes Israel symbolisieren soll.

10. Oktober: Todestag des Heiligen Hüseyin (Hussein)

(alevitisch)

12. Oktober: Schemini Azeret - Schlussfest

(jüdisch)

Schemini Azeret ist zwar ein eigener Feiertag, gehört aber zum Laubhüttenfestes. Am achten Tag des Laubhüttenfestes bitten die Gläubigen Gott um Regen und eine gute neue Ernte.

 13. Oktober: Simchat Thora – Fest der Gesetzesfreude          

(jüdisch)

Das Fest der Gesetzesfreuden schließt Sukkot ab. Jeden Schabbat, also jeden Samstag, werden in der Synagoge Abschnitte aus der Thora vorgelesen. Im Ablauf eines Jahres wird die Thora im Gottesdienst komplett ein Mal vorgelesen. Zu Simchat Thora wird der Zyklus der Thora-Lesung abgeschlossen und anschließend von vorne begonnen. Es ist ein sehr fröhliches Fest. Die Gläubigen tanzen mit den Thora-Rollen auf dem Arm durch die Synagoge, um ihre Freude und Verbundenheit zur Schrift auszudrücken.

21. Oktober: Geburt des Báb                                      

(bahá‘i)

Am 1. November gedenken die Bahá'i mit Andachten und einem festlichen Mahl der Geburt des Báb. Der Báb wurde am 20. Oktober 1819 im heutigen Iran geboren und gilt als Wegbereiter für Bahá'u'lláh, den Stifter der Religion der Bahá'í. Im Mai 1844 offenbarte er sich erstmals öffentlich als Gottgesandter. Er nannte sich fortan Báb (das "Tor") und begann, seine Botschaft unter die Menschen zu bringen. Darin forderte er mehr Rechte für Frauen, Bildung für alle, Toleranz, Nächstenliebe und geistige Erneuerung. Er gewann viele Anhänger. Dies missfiel die muslimische Geistlichkeit. Anfang 1847 wurde der Báb deshalb verhaftet und drei Jahre später öffentlich hingerichtet. Seine sterblichen Überreste wurden später auf dem Berg Karmel in Haifa, im heutigen Israel bestattet.

10.–15. Oktober: Diwali

(hinduistisch)

Die Fassade eines Kaufhauses ist in Jaipur in Indien zum hinduistischen Diwali-Fest bunt geschmückt.
Die Fassade eines Kaufhauses ist in Jaipur in Indien zum hinduistischen Diwali-Fest bunt geschmückt. Bildrechte: dpa

Diwali ist das Lichterfest der Hindus und wird fünf Tage lang gefeiert. Wörtlich übersetzt heißt "Deepavali": Reihe von Lichtern. Rituale, Bräuche und Bedeutung des Festes sind je nach Ort und Region verschieden. Allen gemeinsam ist das Entzünden von Kerzen, elektrischen Lichtern und Feuerwerken. Es ist Brauch, kleine Öllampen aus Ton auf Mauern, Häusern und Tempeln sowie im Wasser zu entzünden. Schafft es eine Lampe zur anderen Seite des Flusses, dann ist das ein Symbol für Glück. Viele Hindus begrüßen so Lakshmi, die Göttin des Reichtums. Außerdem erzählen sich Hindus zu Diwali viele Geschichten über ihre Götter. Sie feiern, tanzen, musizieren und verteilen Geschenke.

Der vierte Tag ist der wichtigste von Diwali, er ist auch der erste Tag des neuen Jahres. In Nordindien geht Diwali auf den Tag zurück, an dem Gott Rama mit seiner Frau Sita und seinem Bruder Lakshmana nach 14-jährigem Exil im Dschungel in seine Hauptstadt Ayodhya zurückkam. Weil es dunkel war, entzündeten die Menschen Öllampen, um den Weg zu erhellen. In Südindien wird zu Diwali an Krishnas Sieg über einen Dämonen und der Befreiung von sechzehntausend Frauen aus der Gefangenschaft des Dämonen erinnert.   

22. Oktober: Geburt des Bahá’u‘lláhs                                                    

(bahá‘i)

Einen Tag nach der Feier des Geburtstags des Báb gedenken die Bahá'í der Geburt ihres Religionsstifters Bahá'u'lláh. Er wird von den Bahá'í als Gott verehrt und kam der Überlieferung nach am 12. November 1817 in Teheran zur Welt. Bahá'u'lláh schloss sich frühzeitig der Bewegung des Báb an, die damals ganz Persien ergriff und der Religion der Bahá'í den Weg bereitete. Er war als Wohltäter und "Vater der Armen" bekannt. Da es in der Bahá'í-Religion keine festgelegten Rituale gibt, erinnern die Gläubigen mit zwanglosen Zusammenkünften an den Geburtstag ihres Religionsgründers. Auf eine kurze Andacht folgen meist verschiedene künstlerische Darbietungen wie Theaterstücke und Lesungen und ein gemeinsames Essen.

31. Oktober: Reformationstag

(evangelisch)

Schloßkirche Wittenberg, Blick auf Altar
Schloßkirche Wittenberg: Blick auf den Altar Bildrechte: MDR/André Damm

Am Reformationstag gedenken die evangelischen Christen Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg im Jahre 1517. Der Über-lieferung nach soll der Mönch und Theologieprofessor am Tag vor Allerheiligen 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben, was eine Legende ist. Fakt ist, dass er seine 95 Thesen in Umlauf brachte, um einen akademischen Disput über die vorherrschende Praxis des Ablasshandels herbeizuführen. Denn Luther bestritt, dass es die Möglichkeit gäbe, sich von seinen Sünden freizukaufen. Doch statt einen Disput herbeizuführen, leitete er die Reformation der Kirche und damit die Aufspaltung der christlichen Kirche in eine römisch-katholische und eine protestantische ein.

Zum offiziellen Gedenktag erhoben wurde der Reformationstag im Jahr 1667 durch eine Anordnung Kurfürst Georgs II. von Sachsen, der mit seiner Anordnung zudem für eine Vereinheitlichung des Datums sorgte. Gab es vorher verschiedene Gedenktermine in den verschiedenen Landeskirchen, Luthers Geburts- und Sterbetag zum Beispiel, setzte sich bald darauf mehrheitlich der 31. Oktober durch. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist der Reformationstag gesetzlicher Feiertag. In diesem Jahr – dem 500jährigen Reformationsjubiläum – ist der 31. Oktober in allen Bundesländern auch ein gesetzlicher Feiertag.  Außerhalb Deutschlands wird er zudem in Slowenien und Chile gefeiert. In der Schweiz feiern die reformierten Kirchen am ersten Sonntag nach dem 31. Oktober den Reformationssonntag.

In Wittenberg wird der 31. Oktober traditionell mit verschiedenen Veranstaltungen begangen. Festgottesdienste in der Stadt- und Schlosskirche stehen dabei ebenso auf dem Programm wie ein Mittelaltermarkt, eine wissenschaftliche Diskussion in der alten Wittenberger Universität, Konzerte, Theater und Kabarett. Dazu werden traditionell so genannte Reformationsbrötchen gereicht, kleine viereckige Hefeteigtaschen mit einem Klecks Marmelade in der Mitte - eine kulinarische Erinnerung an die Lutherrose, mit der der Reformator seine Schriften einst versah. Reformationsbrötchen sind in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, vor allem in der Region um Leipzig bekannt. In der Gegend um Dresden und im Vogtland kennt man hingegen Reformationsbrot, ein stollenartiges Brot, welches mit Aprikosenkonfitüre bestrichen und einer Fondantglasur überzogen wird.

Der MDR überträgt für das Erste und im MDR FERNSEHEN den Gottesdienst zum Reformationsfest und Abschluss des Jubiläumsjahres "500 Jahre Reformation" aus der Wittenberger Schlosskirche live.

Über dieses Thema berichtet das MDR FERNSEHEN auch in:  Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum | 31. Oktober, 15:00 - 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 17:01 Uhr