kleines Kind steht an einer Tür
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nah dran | Reportage Raus aus dem Elend - Eine Deutsche kämpft gegen die Armutsflucht

Jenny Rasche begleitet 2007 als Sozialarbeiterin einen deutschen Hilfstransport nach Sibiu-Hermannstadt in Rumänien. In einem Außenbezirk entdeckt sie 20 Roma-Familien, zusammengepfercht in einem Slum. Sie will helfen und zieht mit ihrer Familie nach Rumänien, um ein ehrgeiziges Projekt auf die Beine zu stellen.

kleines Kind steht an einer Tür
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"Als ich sie fand, hausten sie in Erdlöchern und Hütten - ohne Strom, ohne Wasser, ohne Essen. Die Männer waren betrunken, die Mütter bettelten - und die Kinder froren halbnackt bei Minusgraden. Ein Slum mitten in Europa!"

Nah dran Reportage: Raus aus dem Elend
Bildrechte: WDR/MDR

Jenny Rasche entdeckte die Roma-Siedlung nahe dem rumänischen Sibiu-Hermannstadt durch Zufall, als sie 2007 mit einem Hilfstransport von Deutschland aus auf dem Balkan unterwegs ist. Das Elend der Babys und Kinder geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Zurück zu Hause, im Harz, gründet sie eine Hilfsorganisation und zieht kurz darauf mit ihrem Mann und ihren drei kleinen Kindern nach Rumänien.

Nah dran- Reportage: "Raus aus dem Elend" | 14.09.2017 "Ein Slum mitten in Europa!"

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Jenny Rasche begleitet 2007 als Sozialarbeiterin einen deutschen Hilfstransport nach Sibiu-Hermannstadt in Rumänien. In einem Außenbezirk entdeckt sie 20 Roma-Familien, zusammengepfercht in einem Slum. Bildrechte: WDR/MDR
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Jenny Rasche begleitet 2007 als Sozialarbeiterin einen deutschen Hilfstransport nach Sibiu-Hermannstadt in Rumänien. In einem Außenbezirk entdeckt sie 20 Roma-Familien, zusammengepfercht in einem Slum. Bildrechte: WDR/MDR
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Sie will helfen und zieht mit ihrer Familie nach Rumänien. Bildrechte: WDR/MDR
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Jenny hat ein klares Ziel: Sie holt die Kinder aus dem Slum und schickt sie in eine von ihr gegründete Spezialklasse für Roma-Kinder. Bildrechte: WDR/MDR
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Im Slum beginnt man, feste Häuser zu bauen. Die Initiative kommt von den Söhnen. Bildrechte: WDR/MDR
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"Als ich sie fand, hausten sie in Erdlöchern und Hütten - ohne Strom, ohne Wasser, ohne Essen. Die Männer waren betrunken, die Mütter bettelten - und die Kinder froren halbnackt bei Minusgraden. Ein Slum mitten in Europa!" Bildrechte: WDR/MDR
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Es entsteht ein Tageszentrum, es wird gekocht, die Kinder lernen geregeltes Essen kennen. Doch Essen an einem Tisch? Mit Besteck? Selbst das ist hier für alle Neuland. Bildrechte: WDR/MDR
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Nur langsam zeigen sich Fortschritte. Bildrechte: WDR/MDR
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Doch das alles geht nur mit Spenden aus der Heimat. Zweimal im Jahr fährt Jenny Rasche deshalb nach Deutschland - nach Stapelburg im Harz. Bildrechte: WDR/MDR
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Ein neues Tageszentrum, finanziert durch Spenden aus Deutschland und der Schweiz, bietet 50 kleinen Roma so etwas wie ein neues Zu Hause. Bildrechte: WDR/MDR
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Nah dran- Reportage: "Raus aus dem Elend" | 14.09.2017 "Ein Slum mitten in Europa!"

"Ein Slum mitten in Europa!"

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Bildung als Chance auf ein besseres Leben

Jenny hat ein klares Ziel: Sie holt die Kinder aus dem Slum und schickt sie in eine von ihr gegründete Spezialklasse für Roma-Kinder.

Das ist einfach die Basis für ein jegliches Leben, sich weiter entwickeln, für die ganze Gesellschaft, eigentlich für die ganze Welt, für die ganze Menschheit. Wer keine Bildung hat, der ist außen vor, ganz einfach, Bildung ist immer die Chance auf ein besseres Leben.

Jenny Rasche
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Schulspeisung in der Ganztagsschule Bildrechte: WDR/MDR

Schule statt Betteln. Keines der Kinder kennt einen geregelten Tagesablauf, keines kennt Strukturen, keines kann lesen oder schreiben. Die Mütter geben ihre Kinder nur zögerlich für den Tag frei – doch es geht voran. Es entsteht zusätzlich ein Tageszentrum, es wird gekocht, die Kinder lernen geregeltes Essen kennen. Doch Essen an einem Tisch? Mit Besteck? Selbst das ist hier für alle Neuland.

Die haben keine Tischmanieren. Bei ihnen zu Hause isst jeder da, wo er irgendwas, irgendwo rauszerrt. Die kennen kein Sitzenbleiben, kein nichts, kein gar nichts, das ist das Problem, aber sie müssen lernen, sich zu benehmen. Ganz einfach.

Jenny Rasche

Erste Erfolge

Und die meisten ihrer Schüler meistern die Klassenabschlüsse. Nach fast acht Jahren intensiver Arbeit werden erste Erfolge sichtbar. Inzwischen unterstützen die Kinder ihre Eltern bei Behördengängen, beim Lesen und Schreiben, die Häuser werden renoviert – es gibt eine Wasserleitung.

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Die Spendenbereitschaft in Stapelburg ist groß Bildrechte: WDR/MDR

Doch das alles geht nur mit Spenden aus der Heimat. Zweimal im Jahr fährt Jenny Rasche deshalb nach Deutschland - nach Stapelburg im Harz. Hier wohnen ihre Eltern und ihre Schwester. Und alle helfen mit. Die Hilfsbereitschaft ist so groß, dass Vater Hilmar für die Spenden seine Garage leer räumen musste. Er und Jenny erklären den Leuten, wie furchtbar die Situation der Roma in Rumänien ist.

Wir haben uns einfach dieser Sache vollkommen verschrieben. Kinder sind keine Spielbälle, die man hin und herwirft, wenn man einfach mal was anfängt und es dann sein lässt. Sowas darf man auf keinen Fall tun. Kinder sind kleine Seelen, die einfach unsere Unterstützung brauchen und die haben ja letztendlich auch ihre Hoffnung in uns gelegt und wir wären ganz schön schlechte Erwachsene, wenn wir uns da umdrehen würden. Egal, was los ist.

Jenny Rasche
Nah dran Reportage: Raus aus dem Elend
Ein neues Tageszentrum, finanziert durch Spenden aus Deutschland und der Schweiz. Für über 50 kleine Roma so etwas wie ein neues Zuhause. Bildrechte: WDR/MDR

Sieben Jahre begleitete das Filmteam Jenny Rasche und die Roma mit der Kamera. Ein Film über eine ungewöhnliche Frau, die Ungewöhnliches leistet.

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2017, 11:29 Uhr