Nah dran | 25.12.2016 Von Salz und Silber - Advent mit den Halloren

Einblicke in die Welt einer einst verschlossenen Bruderschaft

Wer an Halloren denkt, der hat den Geschmack von Schokolade auf der Zunge. Dabei sind sie eigentlich eher salzig, denn Halloren werden seit Jahrhunderten die Salzarbeiter und eine Bruderschaft in Halle genannt. Besonders aktiv ist die Bruderschaft in der Adventszeit. Wir waren zu Besuch bei den Hallorenbrüdern!

Auf der Saline an der Saale wurde bis 1964 industriell Salz gesiedet, dann war sie nur noch Museum. Die Halloren übernahmen 2010 die Geschäfte und sind seitdem wieder intensiv im Salzwerk tätig. Jährlich werden noch 100 Tonnen Salz produziert.

Die Salzarbeiter heißen Halloren, auch die Bruderschaft trägt diesen Namen. Sie kümmert sich um den Erhalt der alten Traditionen und Werte. Gerade auch im Advent. Da werden Salzkronleuchter und Fensterbilder aus Salz hergestellt, es wird gefeiert – und die Halloren haben zu ihrem Adventsgottesdienst sogar ein eigenes Portal in der Hallenser Moritzkirche, durch das sie zur Adventsandacht schreiten.

Die Hallorenbrüder "klächen", also arbeiten, ehrenamtlich. Um Mitglied der Bruderschaft zu werden, braucht man einen Paten, der den Kandidaten in die Bräuche und das Handwerk einweiht. Zwei Jahre lang muss sich der Neue bewähren und schließlich eine Prüfung vor dem Ältestenrat ablegen.

Der Weihnachtsbaum der Halloren

À propos Salzkronleuchter: Der Salzkronleuchter ist der Weihnachtsbaum der Halloren, berichtet Hallorenbruder Tobias Heinicke. Dieser wird sehr aufwändig von Hand gefertigt. Über 100 Stunden Arbeit stecken in einem Leuchter, der zum Abschluss acht Stunden lang mit Sole bespritzt werden muss. Doch woher stammt dieser Brauch? "Im Winter wird es zeitig dunkel, es gab keinen elektrischen Strom, also hat man sich mit Heimarbeit, mit Basteln, mit Schnitzereien die Zeit vertrieben. Und da ist die Idee mit den Kronleuchtern entstanden", sagt Heinicke. Die Vorlage dafür ist im "Hallorum Hallenses" – der "Bibel" der Halloren zu finden.

Wer erleben möchte, wie das weiße Gold gewonnen wird, kommt zum Schausieden auf der Saline. Tobias Heinicke und seine Tochter Sarah tragen dafür sogar Tracht. Jedes Jahr fertigen beide den Weihnachtsschmuck der Halloren, den sie beim Schausieden mit Salz verschönern wollen. Das Schausieden ist übrigens eine von 600 Veranstaltungen jährlich. Ohne die Unterstützung der Familien könnte man das zeitaufwändige Hallorendasein nicht leben.

Geheimrezept

Von Salz und Silber - Weihnachten mit den Halloren
Die Bruderschaftsfahne – ein Unikat – wird für den Einzug zum Gottesdienst vorbereitet. Bildrechte: Mia Media

Neben dem Weihnachtsschmuck gehört zum Hallorenadvent auch der sogenannte Hallorenkuchen. Das Rezept für diesen speziellen Kuchen galt lange als verschollen und tauchte erst in den 1990er-Jahren wieder auf. Nur noch ein einziger Bäcker in Halle stellt diesen Kuchen her, der nach Spekulatius schmecken soll und dessen Rezept natürlich Geheimsache bleibt.

Zur Adventsfeier schwebt der Salzkronleuchter am Flaschenzug, es wird dekoriert, die Hallorentracht wird geputzt und die Bruderschaftsfahne herausgeholt. Das ganze Jahr geht es hier hauptsächlich männlich zu. Zur Adventsfeier aber sind auch die Familien da.

Wenn alles Gute zusammenkommt

Der ehemalige Pfarrer Klaus Gaden ist auch Hallore und bringt sich vor allem im Advent in die Bruderschaft ein – mit einem Gottesdienst: "Ich hab mich dazu entschieden, Hallore zu sein. Auch darum gebeten, Hallore zu sein. Denn die Moritzkirche ist die alte Kirche der Halloren und ich war dort Pfarrer und so lag das sehr nah."

Ob für ihn die eher atheistische Einstellung der protestantischen Bruderschaft stört? "Nein, ich kann nichts dafür, dass ich Christ bin. (...) Was wichtig ist, ist das Menschliche, das Freundschaftliche. Dass ich auch irgendwo zeigen kann: Ich verkrieche mich nicht nur hinter dem Altar oder auf der Kanzel, sondern ich bin auch mittendrin im Leben. Und wo lebt es sich besser als in so einer Brüderschaft!"

Klaus Gaden hält nur noch selten Gottesdienste. Aber den für die Halloren lässt er sich nicht nehmen: Gottesdienst, Halloren, die Erwartung von Christus – "Besser geht’s gar nicht, dass alles Gute zusammenkommt." Dennoch überlegt er sich ganz genau, wie er den Gottesdienst gestalten wird. Er kennt seine Brüder und möchte sie nicht vor den Kopf stoßen. Er möchte nur etwas zum Nachdenken anregen und ihnen Kraft geben.

Von Salz und Silber - Weihnachten mit den Halloren
Die Halloren-Bruderschaft mit Trachten Bildrechte: Mia Media

Zuletzt aktualisiert: 28. Dezember 2016, 11:18 Uhr