Luther, Martinsumzüge und ökumenischer Brauch

Unterhalb von Dom und Severikiriche feiern tausende Besucher am Montag (10.11.2008) einen Gottesdienst auf dem Domplatz in Erfurt.
Unterhalb von Dom und Severikiriche feiern jedes Jahr tausende Martini und Sankt Martinstag Bildrechte: dpa

Die evangelischen Christen feiern den  11. November auch als Namens- und Tauftag Martin Luthers. Den Vorabend mit Lichter- und Lampionumzügen zu begehen, ist deshalb besonders in Mitteldeutschland ein ökumenischer, evangelische und katholische Christen verbindender Brauch. Gemeinden, Kindergärten und Schulen laden zum "Laternengehen" oder der katholischen Tradition folgend zum Sankt-Martins-Umzug ein.

Auf dem Erfurter Domplatz treffen sich alle Kinder der Stadt um auf der Wiese hinter dem Dom das Martinsspiel anzuschauen und danach mit ihren Laternen singend durch die Stadt zu ziehen. Am Martinstag gesungene Lieder sind sehr beliebt. "Martin ist ein guter Mann, zündet ihm die Lichter an" oder "Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind" oder der Klassiker "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne".

Die Lichterumzüge haben ihr Vorbild in der liturgischen Lichterprozession ("Luccernarium", d.h. die Zeit des Lampen Anzündens) während der ersten Vesper am Vorabend eines hohen Feiertages. Die allegorische Bedeutung des Lichts verweist auf die gute Absicht: die Christusnachfolge. Es sind "Werke des Lichtes", die durch die brennenden Lichter verdeutlicht werden. Da Luther die Perikopenordnung der katholischen Kirche beibehielt, begünstigte dies auch den Fortbestand des Martinbrauchtums und der Lichterumzüge.

Die geordneten Martinsumzüge mit St. Martin zu Pferd als Soldat und/oder Bischof und Martinslampen tragenden Kindern bürgerten sich vor der Jahrhundertwende des letzten Jahrtausends vom 19. zum 20. Jahrhundert ein. In vorchristlicher Zeit hatte das Anzünden von Feuer in der Nacht den Sinn das Licht und die Kraft der Sonne zu verstärken. Fackeln, zu Gesichtern geformte ausgehöhlte Kürbisse und Runkelrüben, sowie andere Laternen sollten böse Einflüsse vertreiben. Feuer und Laternen brannten auch an dem zu Ehren Wotans gefeierten Erntedankfest.

Quelle Karl-Heinrich Bieritz:
"Das Kirchenjahr - Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart",
Verlag C.H. Beck,
München, 1994
ISBN 3 406 384447

Mehr Buchtipps Stephan Cezanne:
"Was wir feiern – Christliche Feiertage und ihre Bedeutung",
Edition Chrismon,
ISBN 978-3-938704-57-8

Eckhard Bieger:
"Das Kirchenjahr – Die Feste: Bedeutung, Entstehung, Brauchtum".
Benno Verlag Leipzig,
ISBN 978-3-7462-3472-4

Manfred Becker-Huberti:
"Lexikon der Bräuche und Feste",
Verlag HerderFreiburg,
ISBN 978-3-451-28533-2

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