Tatorte der Reformation | MDR FERNSEHEN | 08.10.2017 | 07:30 Uhr Gefangen in Köln

Diese Geschichte beginnt im Jahre 1527 im Kölner Dom. Peter Fliesteden, ein evangelischer Reformator, zeigt seinen Abscheu über die alte Liturgie und spuckt während des Abendmahls auf den Boden. Das bringt ihn in den Kerker. Was passierte dann mit ihm?

Die Tatorte der Reformation - Köln
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dokumentarfilme So 08.10.2017 07:30Uhr 14:42 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Im Mittelalter kann Kritik an der Kirche den Tod bedeuten. Mit Ketzern wird kurzer Prozess gemacht. Aber wann ist man ein Ketzer? 

Der Klerus, also alle Angehörigen des geistlichen Standes, ist damals mächtig in Köln. Aber viele Priester und Mönche der Stadt sind auch ebenso unbeliebt. Sie kommen oft betrunken zu den Gottesdiensten. Oder auch gar nicht. Peter Fliesteden will deshalb eine Reformation der Kirche in Köln. Und er ist nicht der einzige, der das will. Es kommt zum Kräftemessen in der Stadt. Wie es dem Ketzer erging und warum Köln am Ende katholisch blieb, dem geht Julian Sengelmann auf den Grund.

Die Tatorte der Reformation Spurensuche in Köln

Die Tatorte der Reformation - Köln
Was genau passierte während der Reformation in Köln? Julian Sengelmann begibt sich auf Spurensuche. Hier in der Ehrenstraße befand sich einst das Gerichtsgebäude, in dem vor 500 Jahren zwei Anhänger Luthers als Ketzer verurteilt wurden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Tatorte der Reformation - Köln
Was genau passierte während der Reformation in Köln? Julian Sengelmann begibt sich auf Spurensuche. Hier in der Ehrenstraße befand sich einst das Gerichtsgebäude, in dem vor 500 Jahren zwei Anhänger Luthers als Ketzer verurteilt wurden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Tatorte der Reformation - Köln
Zwei Namen stehen für die ersten Reformbemühungen in Köln: Peter Fliesteden und Adolf Clarenbach. Wer waren sie? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Tatorte der Reformation - Köln
Im Kölner Dom trifft Julian Sengelmann Domdechant Monsignore Robert Kleine. Er kennt die Geschichte um Peter Fliesteden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Tatorte der Reformation - Köln
Siegfried Hermle erzählt, dass die Angeklagten anfangs noch auf einen Freispruch hoffen konnten, denn das Gericht bestand nicht nur aus Vertretern des Erzbistums Köln, sondern auch aus Vertretern der Stadt. Und diese beiden Parteien wwaren sich uneins - bis eine Seuche über die Stadt hereinbrach. Schuldige waren schnell ausgemacht: die beiden Angeklagten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Tatorte der Reformation - Köln
Verabredet ist Julian mit einer Nachfahrin des Kurfürsten: Fürstin Sophie Charlotte zu Wied. Mit ihr taucht er ins Familienarchiv ein, um herauszufinden, wie der Kurfürst Zugang zur Reformation fand und warum Köln heute immer noch katholisch ist. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zwei Menschen stehen in einer Kirche neben einem Kirchenspiel.
Von Siegfried Hermle lässt sich der Moderator mehr über einen Prozess erzählen, der Peter Fliesteden und Adolf Clarenbach zu Ketzern erklärte. Bildrechte: MDR/EIKON Nord
Die Tatorte der Reformation - Köln
An dieser Stelle befand sich früher die Hinrichtungsstätte Köln. Hierher werden die Verurteilten schließlich gebracht. Peter Fliesteden und Adolf Clarenbach fanden den Tod auf dem Scheiterhaufen. Was wurde nach ihnen aus der Reformation? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann steht auf einem Boot und schaut aufs Smartphone. Ein Mann mit Kamera filmt ihn dabei.
Um mehr über den Fortgang der Reformation in Köln und Umgebung herauszufinden, begibt sich Julian Sengelmann aufs Wasser, um den Rhein flussaufwärts zu reisen. Bildrechte: MDR/EIKON Nord
Die Tatorte der Reformation - Köln
Sein Ziel ist die Burg von Altwied. Hier lebte im 16. Jahrhundert der Kölner Erzbischof Hermann von Wied, damals als Kurfürst einer der wichtigsten Fürsten des Reiches. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Menschengruppe vor dem Kölner Dom.
Zurück in der Stadt möchte Julian wissen, welche Spuren die Kölner Reformationsbewegung bis in die Gegenwart hinterlassen hat. Das Ergebnis seiner kleinen Umfrage heißt: religiöse Vielfalt. Bildrechte: MDR/EIKON Nord
Alle (10) Bilder anzeigen

Stichwort: Die Kölnische Reformation Peter Fliesteden war neben Adolf Clarenbach einer der Wortführer der Reformation in Köln. Als Ketzer zum Tode verurteilt, starben beide am 28. September 1529 aufgrund ihres Protestes gegen die Kirche. Sie gelten als die ersten evangelischen Märtyrer am Niederrhein. Maßgeblichen Anteil an ihrer Verurteilung hatte der Erzbischof Hermann von Wied, der als Kurfürst einer der wichtigsten Reichsfürsten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war. 1520 war es dieser Erzbischof, der zusammen mit den Erzbischöfen von Mainz und Trier den 1519 neu gewählten Kaiser Karl V. in Aachen gekrönt hatte und zugleich in Köln die Schriften Martin Luthers verbrennen ließ. Und auf dem Wormser Reichstag 1521 gehörte er zu den Unterzeichnern des Wormser Edikts, das Martin Luther ächtete.

Dass die Kirche Reformen nötig hatte, hatte aber auch der Erzbischof erkannt. Er beauftragte um 1535 den Theologen Johannes Gropper, Reformen für die Kölner Kirche zu erarbeiten. Doch die Reformvorhaben ließen sich in der Folgezeit nicht in die Praxis umsetzen. Zu groß war der Widerstand. Enttäuscht darüber, kam Hermann von Wied in dieser Zeit mit Vertretern des Protestantismus in Kontakt. Das Reformwerk der Protestanten Martin Bucer und Philipp Melanchthon stieß 1543 bei den weltlichen Ständen - Zünfte, Ritter, Städte - auf Begeisterung, jedoch beim geistlichen Stand auf rigorose Ablehnung.

So kam 1543 ein Beschluss über Reformen im Erzbistum nicht zustande. Im Gegenteil, das Domkapitel appellierte 1544 an Papst und Kaiser, dem Erzbischof Einhalt zu gebieten. Die Konsequenz für Hermann von Wied: Exkommunikation durch den Papst und Amtsenthebung durch den Kaiser. Er zog sich daraufhin auf die Burg Wied zurück, wo er 1552 starb.

Martin Bucer
Martin Bucer (1491-1551), bedeutender Theologe der Reformation. Bildrechte: IMAGO

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2017, 13:57 Uhr