Tomaž Kovačič als Ablassprediger Johann Tetzel.
Tomaž Kovačič als Ablassprediger Johann Tetzel. Bildrechte: © makido film 2014

Nah dran-Reportage | 11.05.2017 Strafsache Luther

Wie Rom die Reformation verhindern wollte

Facebook statt Buchdruck - die Fernsehdokumentation "Strafsache Luther" holt die Geschichte der Reformation in die Gegenwart: Martin Luther, ein einfacher Mönch aus dem "Kuhdorf" Wittenberg legt sich mit der mächtigsten Institution seiner Zeit an. Die arte/MDR-Koproduktion wirft einen ganz neuen Blick auf die dramatischen Ereignisse vor 500 Jahren.

Tomaž Kovačič als Ablassprediger Johann Tetzel.
Tomaž Kovačič als Ablassprediger Johann Tetzel. Bildrechte: © makido film 2014

Der Ablasshandel blüht, Rom braucht Geld für den Petersdombau und seinen riesigen Behördenapparat. Noch hören die Leute auf die Prediger. Doch neben der Bibel gibt es jetzt immer mehr Schriften und Bücher, in denen man sich über die Welt kundig machen kann. Die Erfindung des Buchdrucks hat die Zahl der Publikationen enorm ansteigen lassen. Die Menschen suchen nach Antworten - insbesondere auf die Frage, wie sie dem Fegefeuer entkommen können. Die Lösung der Kirche: Der Sünder kauft sich ein Ticket und wird erlöst. Der Ablass ist längst zu einem riesigen Geschäft verkommen.

"Die Seele aus dem Feuer springt, sobald die Münz im Kasten klingt"

Einer der besonders gut daran verdient, ist Johann Tetzel aus Leipzig. Er erkennt, dass Luthers 95 Thesen gegen den Ablasshandel eine Gefahr darstellen. "Die Verstörung Luthers und auch anderer gegenüber dem Ablass hatte einen inneren theologischen Grund, und der stellt eben die Machtfrage", sagt die Theologin Petra Bahr in der Dokumentation.

Kann der Papst wirklich die Menschen im Jenseits von den Sünden befreien? Ist das nicht Aufgabe von Gott? Ist das also eine Anmaßung des Papstes? Für Rom ist bald klar: Luther ist ein Ketzer. Für "Martinus" geht es nun um die Existenz.

Es ist ein ungleicher Kampf: Auf der einen Seite die Metropole Rom mit der mächtigen, aber restriktiven und reformunwilligen römisch-katholischen Kirche - auf der anderen Seite das kleine Universitätsstädtchen Wittenberg mit dem katholischen Revolutionär und Umstürzler Martin Luther, der Neuerung und Verbesserung sucht. "Strafsache Luther" ist ein Film auf den Spuren eines Konflikts, der wie kein Zweiter unsere Geschichte und das christliche Selbstverständnis geprägt hat. Noch heute pendeln die Bewertung Luthers und seine historische Einordnung zwischen den beiden Polen Ketzer oder Heiliger.

Wo hatte Luther Recht? Bei welchen Punkten hätte man ihm entgegen kommen und so eine Spaltung der Kirche verhindern können? War die Reformation am Ende der kommunikative Super-GAU der katholischen Kirche? Die Antwort liegt im Vatikan selbst.

Exklusive Unterlagen aus Geheimarchiv des Vatikan

Die Autoren und Regisseure Thomas Furch und Florian Kröppel werfen in "Strafsache Luther" ein völlig neues Licht auf die Fakten. Dabei hilft ihr exklusiver Zugang zu den vatikanischen Archiven. Dort machen Sie sich auf Spurensuche. Zahlreiche Akten zur "Causa Lutheris" zeigen, wie der Vatikan agierte. Wissenschaftliche Expertise zu den Vorgängen liefern dabei namhafte Kirchenhistoriker, erfahrene Krisen-PR-Manager, Vatikan-Insider und Psychologen: Petra Bahr, Claus Arnold, Heinz Schilling, Kai vom Hoff und Hedwig Röckelein analysieren jeden Schritt aus heutiger Perspektive während in spannenden Spielszenen in moderner Bildsprache erzählt wird, was genau wann in Rom und Wittenberg passierte.

Politisches und religiöses Drama in gesamthistorischem Kontext

Die Geschichte der Reformation wird zum 500-jährigen Jubiläum des Thesenanschlags erstmals aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachtet. Dabei stellt die Dokumentation die Ereignisse nicht nur in einen gesamthistorischen Kontext, sie analysiert sie aus heutiger Sicht und erforscht dadurch, was die damals Handelnden hätten anders machen können oder sollen. So zeigen sich die Abläufe als das, was sie waren: als politisches und religiöses Drama, das mit vielen Wendepunkten, einer technisch-medialen Revolution und populären Namen gewürzt ist.

arte holt in der MDR-Koproduktion mit filmischen Reenactments die Handlung der Reformation in die Gegenwart. Alexander Beyer als moderner Luther in Lebensgefahr macht den erbittert geführten Krieg um die Ausrichtung der katholischen Kirche erleb- und verstehbar.

Angaben zum Film Buch & Regie:
Florian Kröppel und Thomas Christian Furch

Produktion:
Makidofilm/arte/MDR 2014

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2017, 09:24 Uhr

Luther, Kirche, Reformation - Hintergründe