Massentierhaltung von Schweinen
Tiere als Rohlinge für die Fleischproduktion? Bildrechte: Colourbox

Gespräch zum Tierschutztag | 04.10.2017 Schöpfung gegen Evolution?!

Als Hochschulpfarrer setzte sich Hagencord für das interdisziplinäre Gespräch zwischen Theologie und Biologie in der Gemeinde ein. Im Dezember 2009 eröffnete er in Münster das Institut für theologische Zoologie, das sich auch mit Fragen der Schöpfungsgeschichte und Evolution beschäftigt.

Massentierhaltung von Schweinen
Tiere als Rohlinge für die Fleischproduktion? Bildrechte: Colourbox

MDR: Sie haben vor acht Jahren das Institut für Theologische Zoologie in Münster gegründet, dessen Schirmherrin die berühmte Primatenforscherin Jane Goodall ist. Warum?

Dr. Rainer Hagencord: Die Ähnlichkeit von Mensch und Tier wird immer noch nicht ausreichend gesehen. Wir pflegen ein anthropozentrisches Weltbild, auch eine anthropozentrische Theologie: Der Mensch steht im Mittelpunkt des Denkens über Gott und die Welt. Damit blenden wir unsere Mitgeschöpfe, die Tiere, aus.

Darum glaube ich, hier ist ein Projekt nötig, das beide Wissenschaften die Theologie und die Biologie in ein Gespräch bringt. Außerdem ist eine politische Ausrichtung der Theologie und der Kirchen notwendig, angesichts des verheerenden Artenschwindens auf der Welt einerseits und der industriellen Tierhaltung andererseits, in der Tiere degradiert werden zu Rohlingen für die Fleisch-, Eier- und Milchindustrie, statt sie als beseelte Mitgeschöpfe zu sehen.

Dr. Rainer Hagencord
"Die Tiere sind nicht für uns da", sagt Dr. Rainer Hagencord. Bildrechte: Tatjana Jentsch Photography

Über Dr. Rainer Hagencord Rainer Hagencord, geboren 1961 in Ahlen (Westfalen), studierte Theologie in Münster und Fribourg (Schweiz). Er wurde 1987 zum Priester geweiht. Nach einigen Jahren seelsorgerischer Arbeit absolvierte er ein Studium der Biologie und Philosophie mit dem Schwerpunkt Verhaltensbiologie. Seine Dissertation erschien unter dem Titel "Diesseits von Eden. Verhaltensbiologische und theologische Argumente für eine neue Sicht der Tiere". Im Dezember 2009 eröffnete er das Institut für theologische Zoologie in Münster.

Wie fassen Sie das Verhältnis von Mensch, Tier und Gott?

Also, ich könnte es in ein biblisches Bild fassen. In ein Bild, das wir im Alten Testament finden, wonach Gott nach der berühmten Sintflut einen Bund schließt und zwar mit den Menschen und den Tieren. Das ist ein Bund zu dritt. Im Lauf der europäischen Denk- und Glaubensgeschichte wurde daraus ein Bund zu zweit. Viele haben das vergessen oder gucken ganz ungläubig, wenn ich sage, in der Bibel steht, dass Gott auch Bündnispartner der Tiere ist. Das heißt, die Tiere sind nicht für uns da. Sie haben einen Eigenwert und eine eigene Beziehung zu Gott.