Neue Moderatorin im Interview
Else Buschheuer: "Ich polarisiere"
Riverboat | 26.08. | 22:00 Uhr
Else Buschheuer gilt als Skandal-Autorin, als Klatschkolumnistin, als jemand, der sich gut vermarkten kann - und ist vermutlich deshalb sogar als Fernseh-Wetterfee in Erinnerung geblieben. Wir haben die 39-Jährige vor allem als eine lebensbewusste, lebenshungrige und neugierige Frau kennen gelernt, die dafür einen sehr verständlichen Grund hat.
Sie haben als junges Mädchen zu Ihrer Cousine gesagt, dass sie Ihre Briefe aufheben soll, weil Sie einmal berühmt werden. War das nur so ein Kindergerede oder war das wirklich Ihr Ziel?
Ich kann mich an den Vorgang eigentlich gar nicht mehr erinnern. Mir wurden diese Briefe vorgelegt und meine Cousine sagte: "Die kann ich jetzt für viel Geld verkaufen." Aber da hatte ich gerade gar keine Lust mehr, berühmt zu sein. Ich muss wohl, wie viele Kinder, so einen Traum gehabt haben.
Als Kind sind Sie sozusagen ganz konform gewesen, also Sie waren ein Jungpionier, Sie haben im Rundfunkkinderchor mitgesungen. Als Teenager aber sind Sie dann schon mehr als andere Altersgenossen gegen viele Dinge gewesen?
Ich bin ja in Eilenburg aufgewachsen und als ich elf war, sind wir dann nach Leipzig gezogen. Dort haben wir dann in Mockau-West, im Schildauer Weg, gewohnt. Auch da war ich noch ganz brav. Aber dann mit 14, als ich in die neue Schule nach Markkleeberg kam, da ging das los, dass ich anders sein wollte. Ich wollte mich von den anderen abgrenzen, optisch und überhaupt. Diese Phase macht jeder Teenager durch, manche sehr sehr milde und manche sehr extrem. Bei mir war es schon sehr extrem.
In der zwölften Klasse sind Sie dann lebensgefährlich erkrankt, man musste mit dem Schlimmsten rechnen. Als Sie wieder gesund waren, hatten Sie sich verändert.
Ich dachte: "Wenn ich hier jemals wieder rauskomme und gesund werde, dann mache ich, was ich will." Und daher kommt auch, dass ich nicht vorsorge, dass ich keine Pläne mache, dass ich kein Geld zurücklege. Dafür werde ich sehr kritisiert, vor allem von meiner Verwandtschaft.
Und ich möchte sehr, sehr deutlich den Impuls auf den Moment setzen. In dem Moment, in dem ich lebe, will ich leben. Deswegen konnte ich auch einfach nur "Ja" sagen, als ich angerufen wurde, ob ich Riverboat machen will. Weil mein Leben so ist, dass ich einfach mal "Ja" sage. Ich habe keine Pläne, die drei Jahre in die Zukunft führen. Und das hat sicher etwas mit der Krankheit zu tun.
Sie sind vor gerade einmal zehn Tagen gefragt worden, ob Sie Riverboat machen wollen, und da haben Sie "Ja" gesagt und auch beschlossen, New York zu verlassen, wo Sie sich immerhin vier Jahre lang mit den unterschiedlichsten Jobs durchgeschlagen haben?
Es war natürlich auch Zeit für mich. Wenn nach zwei Jahren New York so etwas gekommen wäre, ich hatte auch zwischendurch Fernsehangebote, da war ich noch nicht soweit. Ich habe eben das Gefühl, dass, wenn man permanent moderiert, man als innerer Mensch verkümmert. Ich wollte mich bewusst für einige Zeit da rausziehen und mich weiterentwickeln. Und ich habe mich auch weiterentwickelt. Nun kann ich wieder vor die Kameras treten, weil ich nicht nur eine Hülle bin, sondern, glaube ich, auch etwas zu sagen habe. Das war mir wichtig.
Und Sie wollten zurück nach Leipzig?
Ja, und das habe ich dem MDR auch signalisiert. Ich habe eine E-Mail geschrieben, dass ich gern wieder nach Deutschland zurückgehen würde, am liebsten nach Leipzig und ob sie was für mich zum Moderieren haben. Ich wusste nichts von Riverboat, ich wusste nicht, dass Kim Fisher weggeht. Das war vor drei Monaten. Dann habe ich gedacht, dass hier nichts mehr kommt. Ich habe mich auch als Stadtschreiberin von Erfurt beworben und für Stipendien.
Sie haben in Ihrem Leben bisher sehr viele verschiedene Dinge getan. Sie haben Kindersachen genäht und verkauft, Sie haben als Buchhändlerin, als Klatschreporterin, als Wetterfee, als Programmansagerin gearbeitet. Jetzt im Nachhinein, schätzen Sie ein, dass es für eine Autorin wichtig ist, sich in viele verschiedene Bereiche hineinzuknien?
Ich glaube, dass das wirklich gut ist. Auch, dass man sich dasselbe aus unterschiedlichen Blickwinkeln ansieht, ist wichtig. Zum Beispiel reisen und sich selbst fremd fühlen in der Fremde. Auch einmal einen Blick von außen auf Deutschland werfen. Ich empfehle immer jungen Leuten, die mich fragen, ob sie Journalismus studieren sollen, wenn sie Journalisten werden wollen, dass sie das nicht tun sollen. Sie sollen irgendetwas anderes studieren. Journalismus ist, meiner Meinung nach, nichts, was man studieren muss. Man muss außerdem noch ein Gebiet haben, auf dem man sich wohl fühlt und sich ausprobieren kann.
Sie sind gereist, Sie waren in New York, wollten dort drei Monate bleiben, dann wurden es vier Jahre. Warum?
Das hat eindeutig mit dem 11. September zu tun. Ohne den 11. September 2001 wäre ich nach drei Monaten zurückgefahren, ich hätte weiter den Kulturweltspiegel moderiert in der ARD und das würde ich wahrscheinlich heute noch machen.
Man kann in meinem Leben immer sehr deutlich diese Erschütterungen sehen. Erkrankungen oder irgendwelche Dinge, die passiert sind und auch dieses schon traumatische Erlebnis für mich.
Man rechnet ja nicht damit. New York war immer schon mein Traum, ich habe mir extra eine Wohnung gesucht mit Blick auf das World Trade Center und war dort komplett glücklich und dann passiert so etwas. Ich meine, es ist vorher nicht passiert und nachher nicht passiert, es ist genau dann passiert. Ausgerechnet in diesem Moment. Und das hat ja seinen Grund. Und schlimme Sachen haben immer gute zur Folge – immer. Für mich war es so, dass ich durch die Dinge, die sich dann ergeben haben, den Mut hatte, zu sagen: "Gut, jetzt bleibe ich hier und erfülle mir einen anderen Traum." Und das war der Traum, vom Schreiben zu leben. Allerdings hatte ich mir das idealer vorgestellt. New York ist eine wahnsinnsbrutale Stadt. Und wenn man da vom Schreiben überleben will, dann ist man so mit dem Überleben beschäftigt, dass man kaum zum Schreiben kommt. Weil alles teuer und die Situation so unsicher ist. Es wird einem wirklich nicht leicht gemacht. Aber es war auch interessant, manchmal nicht zu wissen, wovon ich im nächsten Monat meine Miete bezahle. Ich habe Teller gewaschen, ich habe Muffins gebacken, ich habe in einem Tempel gewohnt, in Harlem gewohnt, ich habe wirklich viel erlebt. Aber, als jemand der schreibt, kann man nicht immer nur erleben. Man muss Zeiten haben, in denen man sich zurückziehen kann, um zu schreiben.
Und diese Zeit ist jetzt für Sie gekommen?
Jetzt möchte ich Ruhe und einen Rhythmus in meinem Leben haben. Ich möchte mich zurücklehnen können und schreiben, aber nicht mehr davon leben müssen.
Sie kennen den MDR, Sie waren Programmansagerin, damals noch in Dresden?
Genau, damals habe ich auch im Original-Riverboat gewohnt. Ich bin von Berlin gekommen und habe in so einer kleinen Kajüte gewohnt. Und dann bin ich immer aus dem Studio gekommen, abends in das Boot und manchmal war da eben gerade Riverboat, da habe ich dann Christiane Gerboth, die das damals moderiert hat, gesehen und dachte: "Ach, die hat ja einen tollen Job." Das ist nun schon zehn Jahre her.
Das war also 1995. Wie lange haben Sie das gemacht?
1995 und das halbe 1996. Ich habe nebenbei immer als freie Journalistin gearbeitet und dann kam auch schon NTV, die haben mich für das Wetter eingekauft und dann hat mich Pro 7 auch mit dem Wetter nach München geholt. Und ich habe immer gedacht: "Warum soll ich denn immer das Wetter machen, ich kann doch andere Sachen. Bestimmt bekomme ich bald eine tolle Show!" Ich habe aber nie eine tolle Show gekriegt.
Später haben Sie dann aber den Kulturweltspiegel moderiert.
Auch der, obwohl er sehr hoch gehandelt war, war im Prinzip nur ein Job, wo man dasteht und etwas vorliest. Ich bin gut live und ich brauche die Interaktion. Eigentlich dachte ich, das sieht mal einer. Und jetzt hat es so lange gedauert.
Sie sind eine weltoffene Persönlichkeit, etwas schräg, unkonventionell, manchmal etwas skandalös. Wird das MDR-Publikum Sie sofort annehmen?
Ich denke, dass ich auch mit Ablehnung rechnen muss. Erst einmal polarisiere ich. Ich bin nicht so niedlich und nicht so lieb. Und dann finde ich, dass Kim Fisher das toll und lange gemacht hat. Und wenn jemand neu kommt, dann sagen die meisten Zuschauer: "Ach, den anderen fand ich eigentlich besser." Weil man sich mit dem, was vertraut ist, so wohl fühlt. Ich weiß, dass ich mir da schon Zeit geben muss. Es ist meine Chance, und ich versuche, diese zu nutzen.
Was wünschen Sie sich für Ihren Neuanfang hier?
Ich wünsche mir, dass ich wirklich die Möglichkeit habe, in der Gegenwart zu leben und nicht zu denken, dass das vielleicht doch nicht die richtige Entscheidung war. Und ich wünsche mir, dass ich mich ganz einlassen kann, deshalb möchte ich auch mit Sack und Pack nach Leipzig kommen und hier sein – mit dem Kopf und mit dem Körper.
Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2006, 13:55 Uhr
