Friedrich Schorlemmer
Engagiert und meinungsstark: Friedrich Schorlemmer in jungen Jahren. Bildrechte: IMAGO

Friedrich Schorlemmer Der Mann, der sich einmischt, der mitmischt

Der Theologe, Schriftsteller und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer mischt sich ein - und das seit vier Jahrzehnten. 1978 wurde er zum Prediger an der Wittenberger Schlosskirche - an "Luthers Kirche" - berufen.

Friedrich Schorlemmer
Engagiert und meinungsstark: Friedrich Schorlemmer in jungen Jahren. Bildrechte: IMAGO

Heute würde man sagen, er wurde zum "Luther-Fan", als er mit 15 Jahren die Schrift des Reformators "Von der Freiheit eines Christenmenschen" zum ersten Mal las. Heute noch erzählt er davon, wie bewegend es für ihn war, als er 1978 zum Prediger an der Wittenberger Schlosskirche berufen wurde, an deren Tür Martin Luther vor 500 Jahren seine berühmten 95 Thesen angeschlagen haben soll. 

Friedrich Schorlemmer
Friedrich Schorlemmer Bildrechte: dpa

Bei aller Hochachtung vor Luthers Standfestigkeit vor Kirche und Reich ist blinde "Götzenanbeterei" aber nicht die Sache des 73-jährigen Schorlemmer. In seinem Buch "Luther - Leben und Wirkung" zeichnet er ein sehr differenziertes Bild des Reformators. Von Glaube und Angst ist da die Rede, von Lebenslust und Teufelsfurcht, nicht zuletzt vom unsäglichen Antisemitismus des großen Wittenbergers, der über Jahrhunderte zum fatalen Missbrauch seines Namens einlud.

Und entgegen der allgemein zu hörenden absolut positiven Einschätzung des zu Ende gehenden Luther-Jahres sieht er aus gleichem Anlass die Reformation in der Krise: So benannt in einem Memorandum zum Reformationsfest 2017, das er mit seinem Leipziger Kollegen Christian Wolff kürzlich veröffentlicht hat.

Lebenslauf: Friedrich Schorlemmer

Friedrich Schorlemmer: Er hat Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet und vor mehreren hunderttausend Menschen am 4. November 1989 auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz gesprochen. Er hat sich mit der DDR-Führung angelegt, aber immer auch jede westliche Triumphstimmung kritisiert. Friedrich Schorlemmer war nie ein bequemer Geist. Seit einiger Zeit ist er nun im Ruhestand, wohnt in einem Gründerzeit-Bau in der Lutherstadt Wittenberg. Und lässt die Seele baumeln? Wohl kaum.

Friedrich Schorlemmer mischt sich immer noch ein. Mischt immer noch mit. Für ein Porträt des bekennenden Flachländers und Freundes der Elbe ist der Autor Uwe Bork mit ihm auf eine Reise gegangen: Sie führt von Werben, der kleinsten Hansestadt Deutschlands, in der Schorlemmer als Sohn eines Pfarrers aufwuchs, über Wittenberg, wo er nicht nur als Studienleiter der Evangelischen Akademie und als Prediger an der Schlosskirche das intellektuelle Klima der Stadt prägte, bis nach Dresden, wo er sich wieder engagiert hat: gegen die Waldschlösschenbrücke, die der Stadt den Titel eines Weltkulturerbes kostete. 

Friedrich Schorlemmer ist zu Gast im Riverboat | 27.10.2017 | 22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2017, 09:08 Uhr

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