Gabriele Krone-Schmalz neben Studio-Kamera des WDR, Aufnahme von 1992
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Gabriele Krone-Schmalz und Ulrich Wickert Unsere Frau in Moskau, unser Mann in Paris

Als Journalisten waren sich Gabriele Krone-Schmalz und Ulrich Wickert immer wieder sehr nah - ohne sich zu treffen. Aber immerhin: Im New Yorker ARD-Studio war Wickert für ein Jahr Krone-Schmalz' Chef. Heute sind beide renommierte Experten für die Länder, aus denen sie berichteten.

Gabriele Krone-Schmalz neben Studio-Kamera des WDR, Aufnahme von 1992
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Sie waren Redakteure bei "Monitor", arbeiteten im New Yorker Studio der ARD und berichteten für die ARD aus dem europäischen Ausland - sie aus Moskau, er aus Paris: Gabriele Krone-Schmalz und Ulrich Wickert. Dabei waren sie sich häufig sehr nah, wurden in den Achtzigern und vor allem während der Wendezeit in die gleichen Ausgaben von Tagesschau und Tagesthemen geschaltet und setzten in bewegten Zeiten die politischen Ereignisse in den größeren Zusammenhang. Aber getroffen haben sie sich nur ganz selten. Eine Spurensuche.

Ulrich Wickert im Tagesthemen-Studio, Aufnahme von 1993
Die Rolle seines Lebens: Ulrich Wickert als "Mr. Tagesthemen". Bildrechte: imago/teutopress

Erste Spur: Ein paar Monate wurde Gabriele Krone-Schmalz in die Tagesthemen zu Ulrich Wickert geschaltet; da war der spätere "Mr. Tagesthemen" schon deren Moderator. Ab Juli 1991 schickte er die ARD-Zuschauer im Wechsel mit Sabin Christiansen in eine "geruhsame Nacht". Damals waren Wickert und Krone-Schmalz per Satellit exklusiv für das Fernsehpublikum miteinander verbunden, nachdem sie jahrelang sozusagen aneinander vorbei gesendet worden waren. Als sich 1992 ihre Wege bei ARD-Aktuell trennten - Gabriele Krone-Schmalz wechselte als Moderatorin zum Kultur-Weltspiegel - wurden ihre gemeinsamen Auftritte wieder rarer.

Zweite Spur: Ein monatelanges Treffen hatten Krone-Schmalz und Wickert von Oktober 1993 bis Februar 1994 auf der Spiegel-Bestseller-Liste Sachbuch. Darauf standen in diesem Zeitraum Wickerts "Und Gott schuf Paris" sowie Krone-Schmalz' "Rußland wird nicht untergehen". Das führt zur Autorentätigkeit beider Fernsehjournalisten, die den Blick auf ganz ähnliche Biografien freigibt.

Über die USA nach Paris und Moskau

Wickert, 1942 als Sohn eines Diplomaten und Schriftstellers in Tokio geboren, studierte Jura in Bonn und den USA, nach dem Staatsexamen 1968 begann er als freier Autor beim WDR seine Fernsehkarriere. Bis 1977 arbeitete er in dieser Form für das politische Magazin "Monitor". Fünf Jahre später - 1982 - landete dort auch auch Gabriele Krone-Schmalz.

Ulrich Wickert
Ulrich Wickert bei einer Lesung. Bildrechte: IMAGO

Dritte Spur: Krone-Schmalz wechselte vom ARD-Studio New York zu "Monitor". Und dort überschneiden sich die Lebenswege der beiden Journalisten einmal ganz real: 1981 übernahm Wickert die Leitung des Studios in New York. Bis sie also nach Köln ging, war Ulrich Wickert ein Jahr lang ihr Chef. 1984 zog auch Ulrich Wickert weiter, er ging als Frankreich-Korrespondent und Studioleiter nach Paris, wo er bis zu seinem Tagesthemen-Engagement bleiben sollte.

Dieser Aufenthalt bestimmt seitdem das schriftstellerische Schaffen Ulrich Wickerts, seine Bücher über Frankreich erklären den Nachbarn Deutschlands auf leichtfüßige Art und Weise - eben so, wie Wickert es in seinen Reportagen und Beiträgen während seiner Pariser Zeit getan hat.

Ulrich Wickert
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Experten in Länderfragen

Frankreich war und ist für Ulrich Wickert nicht einfach nur eine "Station" - und genauso verhält es sich auch mit Gabriele Krone-Schmalz und Russland. In einigen Büchern hat Krone-Schmalz schon die russische Kultur und Politik aufgearbeitet, immer wieder versucht sie neue Perspektiven auf das Land zu finden und das Handeln der dort Regierenden dem deutschen Publikum zu erklären. Beide sind mittlerweile anerkannte Experten für die Belange "ihrer" Länder.

Gabriele Krone-Schmalz
Die Russland-Expertin mit der markanten Frisur heute: Gabriele Krone-Schmalz. Bildrechte: dpa

Momentan sind Krone-Schmalz' Analysen und ihr Wissen über das vielfältige Land, das zwölf Zeitzonen umfasst, gefragter denn je. In ihrem aktuellen Buch "Eiszeit: Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist" versucht sie aufs Neue, Russland in der deutschen Öffentlichkeit eine Brücke zu bauen. Oft genug wurde sie dafür geringschätzig als "Russland-Versteherin" bezeichnet. Doch eigentlich sind differenzierende Stimmen wie ihre in der häufig überhitzten Russland-Debatte viel zu selten.

Genauso macht es Frankreich Ulrich Wickert leicht, sein Werk über Frankreich fortzusetzen. Seit Präsident Emmanuel Macrons Amtsübernahme und dem vorangegangenen Wahlkampf ist das Interesse an Frankreich und seiner politischen Kultur wieder gestiegen. Mit "Frankreich muss man lieben, um es zu verstehen" sorgt Wickert für die Hintergrund-Lektüre zu den Ereignissen in unserem Nachbarland.

Gabriele Krone-Schmalz und Ulrich Wickert sind zu Gast im Riverboat | 27.10.2017 | 22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2017, 14:52 Uhr