SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19.08.2012 | 19:00 Uhr : Heimatkunde: Alles über Bösewichter
Spannend, witzig, überraschend - wer diese Vokabeln nicht auf Anhieb mit dem Begriff "Heimatkunde" in Einklang bringt, sollte sich die gleichnamige Reihe bei SACHSEN-ANHALT HEUTE nicht entgehen lassen. Immer sonntags präsentiert das Regionalmagazin Wissenswertes über Sachsen-Anhalt zum Staunen und Weitersagen.
In Bösenburg bei Gerbstedt, Bösenrode bei Kelbra und Bösewig bei Wittenberg leben nicht mehr böse Menschen als in anderen Orten. Zumindest stammt keiner der schlimmsten Schlimmfinger unseres Landes von dort. Hier sind vier Beispiele.
Bösewicht 1: Der Wittenberger Jakob Kahle
Im 18. Jahrhundert verbreitete er Angst und Schrecken. Als "Freßkahle" bekannt, verschlang er angebliches alles. Einem Bärenführer entriss er sogar den Dudelsack und verputzte ihn. Aus Angst der Nachtisch zu sein, sprang der Mann aus einem Fenster. Der Vielfraß Kahle wurde nach seinem Tod an der Wittenberger Uni obduziert.
Bösewicht 2: Friedrich Wilhelm von Wartensleben
1788 sperrte der Magdeburger Domherr seinen Sohn in die Magdeburger Zitadelle. Lebenslänglich! Das Vergehen: Sohnemann hatte ohne das Okay des Herrn Papa geheiratet und – Skandal! – zwei Kinder gezeugt. Wartensleben verteufelte seinen Sohn als – Zitat – "Ertzbösewicht". Alles eine Frage der Perspektive.
Bösewicht 3: Johann Georg Rauhe
Der Naumburger war ein dreister Fälscher. Er schrieb sensationelle Bücher über Naumburgs Geschichte. Als Quelle dienten ihm angeblich seltene und unentdeckte Dokumente. In Wahrheit fabrizierte Rauhe sie selbst. Mit dem jährlichen Kirschfest feiert Naumburg heute noch ein historisches Ereignis, das sich Rauhe ausdachte.
Bösewicht 4: Gerhard Cornelius von Walrave
Der preußische Generalmajor und Baumeister beging Hochverrat, als er heimlich für Preußens Feinde arbeitete. Walrave brauchte dringend Geld für sein Luxusleben. So baute er sich unter anderem den Palast, in dem heute der Landtag sitzt. Ohne Gerichtsprozess steckte man Walrave lebenslang in die Magdeburger Festung. Ironie der Geschichte: Das Gefängnis hatte er selbst gebaut.
Bonusfakt
Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst, Mutter der russischen Zarin Katharina II., war berüchtigt für ihre Intrigen und Machthunger. Angeblich vergiftete sie sogar ihre Schwiegertochter Caroline Wilhelmine Sophie von Anhalt-Zerbst 1759 mit einem Kleid.



