Inhalt:

Geburtstagsfeier in Gerwisch

Freisprüche und milde Strafen nach Überfall

Im Prozess um den Überfall auf eine Geburtstagsfeier in Gerwisch im Jerichower Land vor gut zwei Jahren hat das Amtsgericht Burg am Donnerstag das Urteil gesprochen.

Drei der fünf Angeklagten wurden freigesprochen. Ein 22 Jahre alter Mann wurde wegen Körperverletzung in zwei Fällen verwarnt und muss 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Ein 25-Jähriger wurde wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt. Das Gericht sah den Vorwurf des Landfriedensbruchs und der gefährlichen Körperverletzung nicht als erwiesen an. Die Richter gehen davon aus, dass es kein rechtsradikaler Angriff, sondern vielmehr ein Streit zwischen zerstrittenen Gruppen war.

Widersprüche bei den Zeugenaussagen

Am 21. Oktober 2006 hatten etwa 50 Menschen im Bürgerhaus der Gemeinde gefeiert, darunter auch sogenannte Alternative. Die der rechtsextremen Szene angehörenden Angeklagten sollen die Feier gemeinsam mit Vermummten überfallen haben. Das konnte nach Ansicht des Gerichts jedoch im Lauf der mehr als 20 Verhandlungstage nicht bestätigt werden. Bei den 33 Zeugenaussagen habe es "eklatante Widersprüche" gegeben. Viele seien zum Tatzeitpunkt betrunken gewesen und könnten sich nicht genau erinnern.

Gericht kritisiert Polizeiarbeit

Gleichzeitig kritisierte das Gericht die Ermittlungsarbeit der Polizei. Notwenige und wesentliche Untersuchungen seien nicht durchgeführt worden. Vor allem die Zeugenvernehmungen standen in der Kritik. Beispielsweise seien den Zeugen keine Lichtbilder der Tatverdächtigen vorgelegt und die Aussagen nicht richtig dokumentiert worden. Die Zeugen hätten sich zurecht darüber beschwert, hieß es.

Bereits kurz nach dem Überfall war die Polizei in die Kritik geraten und hatte Pannen eingeräumt. Unter anderem wurde die Öffentlichkeit nicht sofort über die Tat informiert. Nachdem einige Opfer den Überfall publik gemacht hatten, gab es von Seiten der Polizei zwei Tage lang widersprüchliche Mitteilungen.

Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2008, 21:01 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

© 2009 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK