Inhalt:

Versuchter Mord an Zeitsoldaten in Holzdorf

Auftakt im "Schirmständerprozess"

Im Prozess um den versuchten Mord an einem Zeitsoldaten in Holzdorf haben die fünf Angeklagten am Dienstag vor dem Landgericht Dessau-Roßlau die Schläge gegen den Mann gestanden.

Das Landgericht in Dessau-Roßlau; Rechte: dpa
Am Landgericht Dessau-Roßlau wird der Prozess gegen fünf junge Männer verhandelt.

Die fünf Männer im Alter zwischen 18 und 21 Jahren hatten im Sommer während eines Abiturballs im Jessener Ortsteil Holzdorf elf Pokale aus einer Mehrzweckhalle gestohlen. Kurz darauf sei der angetrunkene Zeitsoldat auf sie zugekommen und hätte mitgenommen werden wollen, sagten sie vor Gericht. Sie lehnten das ab und fuhren zu fünft los. Kurz darauf sahen sie ihr späteres Opfer auf der Straße laufen. Da sie befürchteten, er könnte sie beim Diebstahl beobachtet haben, nahmen sie ihn mit und fuhren mit ihm zu einer zu diesem Zeitpunkt geschlossenen Tankstelle.

"Wir wollten ihn in die Mangel nehmen, um zu wissen, ob er uns verpfeifen will."

Angeklagter in der Verhandlung.

Angeklagte gestehen den brutalen Übergriff detailliert

Kurz darauf sei die Situation eskaliert, berichteten die Angeklagten weiter. Sie hätten den 31-Jährigen zu Boden geworfen, mit einem Schlagring auf ihn eingeprügelt und ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Als das Opfer bereits am Boden lag, nahm einer der Angeklagten einen 44 Kilogramm schweren Schirmständer und warf ihn gemeinsam mit einem weiteren Angeklagten zwei Mal gegen den Kopf des am Boden Liegenden. "Das Opfer hat geröchelt und geblutet", erklärten die Angeklagten.

Gerichtsprozess um den versuchten Mord an Zeitsoldat; Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gerichtsprozess um den versuchten Mord an Zeitsoldat

Anschließend hätten sie den Tatort zunächst verlassen, seien kurz darauf jedoch zurückgekehrt, um ihrem Opfer die Brieftasche und die Geldbörse abzunehmen. Auf die Idee, Hilfe zu holen, seien sie nicht gekommen, beantworten die Fünf eine entsprechende Frage des Richters. Als sie nach Hause gefahren seien, sei ihnen dann ein Krankenwagen entgegengekommen. Sie seien davon ausgegangen, dass dieser zu dem Verletzten fahre. Passanten fanden den schwer verletzten Mann aus Jessen allerdings erst am frühen Morgen.

Opfer tritt als Nebenkläger auf

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, sie hätten den Tod ihres Opfers billigend in Kauf genommen. Eine Tötungsabsicht bestritten die Fünf in der Verhandlung am Dienstag jedoch. Die Staatsanwaltschaft schließt zudem nicht aus, dass die Männer dem politisch rechtsextremen Spektrum anhängen. In der Garage eines Angeklagten seien entsprechende Symbole gefunden worden.

Der Bundeswehrangehörige, der zur Verhandlung gekommen war und als Nebenkläger auftritt, hat nach Angaben von Medizinern schwerste Verletzungen erlitten. Das Opfer habe demnach mit bleibenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen. So sei der Mann heute unter anderem auf einem Ohr taub und leide auch unter Lähmungen und Gleichgewichtsstörungen. Die Angeklagten hätten sein Leben und seine berufliche Karriere zerstört. Der 31-Jährige sagte im Zeugenstand, er habe Pilot bei der Luftwaffe der Bundeswehr werden wollen und die schweren Prüfungen dafür vor dem Überfall bereits bestanden.

Zwei der Angeklagten sind nach Angaben des Gerichts seit Juli 2008 in Untersuchungshaft. Der Prozess soll am Mittwoch fortgesetzt werden und bis Februar dauern.

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2009, 11:51 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

© 2009 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK