Polizei-Untersuchungsausschuss
Ex-Staatsschützer beklagt berufliche Nachteile
Vor dem Polizei-Untersuchungsausschuss des sachsen-anhaltischen Landtages hat am Montag ein ehemaliger Staatsschützer berufliche Nachteile beklagt. Gemeinsam mit zwei Kollegen hatte er vor anderthalb Jahren angebliche Defizite im Kampf gegen Rechtsextremismus in Dessau-Roßlau bemängelt. Seither schlage ihm innerhalb der Polizei eine "Kultur der Bürokratie und Schikane" entgegen. Neben einer schlechten Beurteilung und einem laufenden Disziplinarverfahren monierte der Beamte, dass seine Kompetenzen innerhalb seiner neuen Diensstellung als Leiter eines Fachkommissariats beschnitten wurden.
Zweiter Beamter verweigert die Aussage
Ein weiterer Polizist, der wie sein Kollege bereits zum wiederholten Male vor den Ausschuss geladen war, verweigerte am Montag die Aussage. Der Mann begründete das mit einem gegen ihn laufenden Disziplinarverfahren. Der Ausschussvorsitzende Jens Kolze (CDU) verhängte daraufhin ein Ordnungsgeld von 250 Euro.
In dem seit Mitte 2008 gegen die beiden Beamten laufenden Disziplinarverfahren wird geprüft, ob sie gegen Dienstvorschriften verstoßen haben. Beide arbeiten mittlerweile in anderen Polizeidienststellen des Landes.
Vorwürfe gegen Vize-Polizeipräsidenten
Die beiden Ex-Staatsschützer der Polizeidirektion Dessau-Roßlau hatten im Frühjahr 2007 gemeinsam mit einem weiteren Kollegen, der mittlerweile bei der Berliner Polizei arbeitet, dem damaligen Vize-Polizeipräsidenten Hans-Christoph Glombitza vorgeworfen, er habe sie bei Ermittlungen gegen die rechte Szene bremsen wollen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte der Landtag den Polizei-Untersuchungsausschuss eingesetzt, der seit Oktober 2007 tagt und nach den Vorgängen in Dessau-Roßlau auch andere mögliche Pannen bei Ermittlungen nach rechten Straftaten unter die Lupe nehmen soll.
Hövelmann und Erben erneut vor Ausschuss
Im Februar sollen nach den bisherigen Planungen Innenminister Holger Hövelmann und sein Staatssekretär Rüdiger Erben zum zweiten Mal von dem Ausschuss befragt werden. Wegen fehlender Akten war dies im Herbst vergangenen Jahres verschoben worden.
Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2009, 16:10 Uhr
Polizei-Untersuchungsausschuss
Der Polizei-Untersuchungsausschuss des Landtags von Sachsen-Anhalt wurde im Oktober 2007 eingesetzt. Er soll insgesamt sechs Vorfälle aufklären, nach denen Polizisten im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Rechts kritisiert worden waren.
