Landgericht Magdeburg

Prozess wegen Zerstörung von Genweizen-Feld

Weil sie ein Feld mit genmanipuliertem Weizen zerstört haben sollen, müssen sich seit Donnerstag sechs Gentechnik-Gegner vor dem Magdeburger Landgericht verantworten. In dem Zivilprozess hat das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben (Salzlandkreis) einen Schaden in Höhe von 235.000 Euro geltend gemacht. Diese Summe wurde vom Gericht als zu hoch zurückgewiesen. Zudem sei die Schadenshöhe nicht nachvollziehbar. Außerdem seien unterschiedliche Summen angeführt worden, hieß es.

Ein Feld in Gatersleben (Landkreis Quedlinburg) nach der Aussaat gentechnisch veränderten Weizens.
Versuchsfeld mit Genweizen des IPK in Gatersleben (Archivbild von 2006)

Vergleich gescheitert

Ein vom Gericht vorgeschlagener Vergleich scheiterte. Das Gericht hatte eine Summe von 80.000 Euro in den Raum gestellt. Die Gentechnik-Gegner boten 6.000 Euro. Laut IPK-Anwalt, Horst Rehberger, gehöre dies in die "Rubrik Witze". Die Verteidigung kritisierte, das Institut habe drei verschiedene Varianten von Schadenersatzforderungen dargelegt. Das sei nicht mehr nachvollziehbar. Der Prozess soll am 11. Juni fortgesetzt werden. Ein Strafprozess zu dem Fall steht noch aus.

Versuchsfeld zerstört

Angeklagt sind vier Frauen und zwei Männer der Initiative "Gendreck weg!", die im April 2008 eine Aktion gegen gentechnisch veränderten Weizen in Gatersleben gestartet hatten. Die Angeklagten sollen ein 1.000 Quadratmeter großes Versuchsfeld teils umgehackt haben. Dabei war ein Teil der Anpflanzung vernichtet worden. Der Pflanzenversuch wurde dadurch unbrauchbar. Die Polizei nahm die sechs "Feldbefreier" anschließend fest.

Gefahr für Genbank?

Die Umwelt-Aktivisten hatten damals kritisiert, dass gentechnisch veränderter Weizen unter freien Himmel in direkter Nachbarschaft der IPK-Genbank in Gatersleben wächst. In dieser Genbank lagern die Samen von mehr als 140.000 traditionellen Nutzpflanzen- und über 5.500 Erbsensorten aus aller Welt. Davon werden jährlich mehrere Hundert zur Erhaltung ihrer Keimfähigkeit im Freiland angebaut.

Die Gentechnik-Gegner werfen dem Gaterslebener Institut vor, durch die Versuche mit gentechnisch verändertem Weizen eine Auskreuzung und damit die Zerstörung traditioneller Sorten zu riskieren. Aufgrund wirtschaftlicher Interessen seien Risiken missachtet und Schutzmaßnahmen unterlassen worden, hieß es. Das IPK, das die Genbank betreibt, sieht durch den Genweizen-Anbau keine Gefahr für die Nutzpflanzen-Ressourcen.

Prozess als Plattform

Die Initiative "Gendreck weg!" hatte im Vorfeld angekündigt, den Prozess zu nutzen, "um die allgemeine Gefahr, die von gentechnisch veränderten Pflanzen ausgeht, zu thematisieren". Bereits am Vormittag demonstrierten rund 50 Gentechnik-Gegner Landwirten vor dem Magdeburger Hauptbahnhof. Von dort aus fuhren sie mit Traktoren und bunten Transparenten zum Landgericht.

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Beiträge zum Genweizen-Feld-Prozess

Hier finden Sie Beiträge zum Genweizen-Feld-Prozess

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2009, 19:25 Uhr

 

 
 
 
 
 
 
 

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