Sachsen-Anhalt-Tag in Thale
Ermittlungen und Kritik zu Auftritt in SS-Uniform
Nach dem Auftritt eines Traditionsvereins in Uniformen von Waffen-SS und Wehrmacht beim Sachsen-Anhalt-Tag in Thale ermittelt nun der Staatsschutz.
Nach Angaben einer Polizeisprecherin besteht der Verdacht des Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole. Dazu sei von Amts wegen Anzeige erstattet worden. Zwar gebe Hinweise es darauf, dass die verfassungsfeindlichen Symbole auf den Uniformen abgeklebt wurden. Dennoch würde der Fall der Staatsanwaltschaft übergeben werden.
Etwa 200.000 Menschen haben am vergangenen Wochenende den Sachsen-Anhalt-Tag in Thale im Landkreis Harz besucht. Beim Festumzug am Sonntag stellten 4.000 Teilnehmer die Geschichte der einzelnen Regionen des Landes Anhalt dar. Erst einige Tage später war der Auftritt von Männern des Vereins in Uniformen der Waffen-SS und der Wehrmacht öffentlich bekannt geworden. Der Sprecher des Sachsen-Anhalt-Tages, Frank Hirschelmann, betonte, das Organisationskomitee habe nichts von diesem Auftritt gewusst. Die Organisation des Umzuges sei vor allem von 1-Euro-Jobbern übernommen worden. Daher sei eine komplette Kontrolle der Teilnehmer nicht zu leisten gewesen.
Empörung im ganzen Land
Für Linke-Fraktionschef Wulf Gallert ist die Aktion ein "Skandal". Die Organisatoren hätten eindeutig versagt, sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". Justizministerin Angela Kolb sagte, aus ihrer Sicht sei das eine ganz bewusste Provoktaion gewesen. Innenminister Holger Hövelmann sprach von einem geschmacklosen Auftritt, der von einem Verein für Militärgeschichte organisiert worden war. Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Gudrun Tiedge, betonte, das Vorführen von Wehrmachtsuniformen mit "notdürftig abgeklebter" Nazi-Symbolik sollte nicht mit Gedankenlosigkeit oder dem Wirken eines Fördervereins abgetan werden. Die Organisatoren des Landestages zeigten sich ebenfalls entsetzt und bestürzt.
Vereinsvorsitzender entschuldigt sich
Der Vorsitzende des in die Kritik geratenen Fördervereins für das Militärhistorische Museum Anhalt in Dessau-Roßlau, Rainer Augustin, erklärte, man habe das Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 illustrieren wollen. Daher seien neben russischen und amerikanischen Soldaten natürlich auch Wehrmachtsangehörige marschiert. In einem Brief an den Oberbürgermeister der Stadt, Klemens Koschig, bedauert Augustin, dass der Beitrag missverstanden wurde. Er betonte, dass man niemanden provozieren oder verletzen wollte. Gleichzeitig räumte er ein, dass es an der gebotenen Sorgfalt mangelte und entschuldigte sich dafür.
Koschig mahnte einen sensibleren Umgang mit der Darstellung historischer Ereignisse an. Nach Angaben des Dessauer Rathauses haben Vertreter des städtischen Kulturamtes und der Koordinierungsstelle "Lokaler Aktionsplan für Demokratie und Toleranz" mit dem Verein gesprochen.
Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2009, 20:42 Uhr
