Geschichte

Gedenken an die Opfer der Pogromnacht

Neben den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Falles der Berliner Mauer ist am Montag deutschlandweit an die Opfer der Pogromnacht vor 71 Jahren erinnert worden.

Köhler verbindet Ereignisse von 1938 und 1989

Anlässlich des 9. Novembers hat Bundespräsident Horst Köhler beide Ereignisse in einer Erklärung miteinander verknüpft. Köhler sagte, der 9. November 1989 sei ein "Tag der Freude", der aber nur möglich gewesen sei, weil die Deutschen die Lehren aus der Geschichte zwischen 1933 und 1945 gezogen hätten. Deshalb habe die Welt 1989 den Deutschen vertraut. Weiter versprach Köhler, dass die Deutschen diesen Zusammenhang und die daraus wachsende Verantwortung immer beherzigen würden.

Nazi-Schmierereien überschatten Gedenken in Sachsen

Auf Gedenkveranstaltungen und in Gottesdiensten ist in allen größeren sächsischen Orten an die Opfer der Pogromnacht erinnert worden. Überschattet wurde das Gedenken von den antisemitischen Schmierereien an der Dresdner Synagoge am Wochenende.

Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz verurteilte bei einer Kranzniederlegung die Tat. Sie rief dazu auf, dem Anstieg rechtsextremistischer und fremdenfeindlicher Straftaten nicht tatenlos zu sehen. Der Dresdner Bischof Joachim Reinelt bezeichnete die Schmierereien an der Synagoge einen "ungeheuren Frevel". Die Gefühle aller Dresdner würden verletzt. Eva Rietze vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde sagte, de Gemeinde habe eine Anfeindung in dieser Schärfe noch nicht erlebt.

Blumengebinde liegen am Standort der alten Synagoge am Dresdner Hasenberg, im Hintergrund ist die neue Synagoge zu sehen
Die Dresdner Synagoge wurde am Sonntag mit antisemitischen Parolen beschmiert

Innenminister Markus Ulbig und Landespolizeipräsident Bernd Merbitz kündigten bei einem Besuch der Synagoge an, die dortigen Sicherheitsvorkehrungen erneut überprüfen zu lassen. Sie versprachen, dass intensiv nach den Tätern gefahndet würde. Unbekannte hatten in der Nacht zu Sonntag Hakenkreuze und antisemitische Parolen an das Gotteshaus geschmiert. Bislang fehlt von ihnen jede Spur.

In Chemnitz wurde an der Stele auf dem Stephanplatz an die Pogromnacht erinnert. Auf dem Platz befand sich die alte Synagoge der Stadt, die 1938 in Brand gesteckt und später abgerissen wurde. In Leipzig gab es mehrere Gedenkveranstaltungen in Kirchen und an der Gedenkstätte Gottschedstraße.

NPD-Verbot in Thüringen gefordert

In Thüringen forderte der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Wolfgang Nossen, ein Verbot rechtsradikaler Organisationen. Bei einer Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof in Erfurt sagte er, die NPD müsse weg. Er beklagte, dass die Politik zu wenig gegen den zunehmenden Antisemitismus im Land tue.

Der Fraktionschef der Linken, Bodo Ramelow, unterstützte die Forderungen von Nossen. Bei einer Gedenkfeier im Landtag appellierte er an Polizei und Justiz, dem braunen Treiben im Land ein Ende zu bereiten. Ramelow sagte, "erinnern, mahnen, handeln" - das sei der Auftrag an alle Demokraten.

Vize-Regierungschef Christoph Matschie verwies darauf, dass Thüringen ein Landesprogramm gegen Rechts bekomme. Damit könne der neue Rechtsextremismus aktiv bekämpft werden. Finanzministerin Marion Walsmann würdigte das Bemühen, das jüdische Leben in den Städten wieder lebendig zu machen. Die Eröffnung der Alten Synagoge in Erfurt sei dafür ein wichtiger Schritt.

Mit Kranzniederlegungen, Ausstellungen und Vorträgen wurde am Montag in vielen Thüringer Orten der Opfer der Pogromnacht gedacht: So etwa in Gera, Nordhausen und Weimar. In Erfurt wurden vier menschengroße Metallnadeln aufgestellt, die als "Nadelstiche" an die im Holocaust ermordeten Erfurter Juden erinnern. Zudem gab es in Gera, Mühlhausen und Weimar von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands veranstaltete Gedenkgottesdienste.

Aufruf zur Stärkung der Toleranz in Sachsen-Anhalt

Mit Gedenkveranstaltungen ist in mehreren Orten Sachsen-Anhalts an die Opfer der Pogromnacht von 1938 erinnert worden. Bei einer Gedenkfeier am Mahnmal der zerstörten Synagoge in Magdeburg rief Staatsminister Rainer Robra dazu auf, Demokratie und Toleranz zu stärken. Dabei betonte er vor allem die Notwendigkeit zur politischen und historischen Bildung der jungen Generation. Über die Geschichte genau Bescheid zu wissen, sei unerlässlich, um aus ihr lernen zu können.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper erinnerte daran, dass von den fast 2.000 jüdischen Bürgern, die 1933 in Magdeburg wohnten, nur 83 den Holocaust überlebten. Gedenkveranstaltungen gab es auch in Bernburg, Coswig, Dessau-Roßlau, Halle, Schönebeck und Wittenberg.

SA-Männer kleben während des Dritten Reiches ein volksverhetzendes Plakat mit der Aufschrift "Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden" an der Schaufensterscheibe eines jüdischen Geschäfts.
Die Pogromnacht war Auftakt für die systematische Judenverfolgung

9. November Auftakt der systematischen Verfolgung

Zwischen dem 8. und dem 10. November 1938 töteten SA- und SS-Anhänger in ganz Deutschland 91 Menschen und verschleppten 25.000 in Konzentrationslager. Die Nacht vom 9. zum 10. November ging als Reichskristallnacht in die Geschichte ein. In ganz Deutschland gingen 267 Gottes- und Gemeindehäuser in Flammen auf, wurden rund 7.500 Geschäfte verwüstet. Das gilt als Auftakt für die systematische Verfolgung und Ermordung der Juden in Deutschland.

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2009, 21:43 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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