Verschimmelte Räume

Kritik an Zuständen im Flüchtlingsheim Harbke

Im Asylbewerberheim Harbke im Bördekreis herrschen offenbar unzumutbare Zustände. Nach Informationen von MDR 1 RADIO SACHSEN-ANHALT sind Flüchtlingsfamilien zum Teil in verschimmelten Räumen untergebracht. Die Asylbewerber stammen aus dem Kosovo, dem Irak und aus Afrika. Dem Sender zufolge leiden einige Flüchtlingskinder bereits unter chronischen Atemwegs-Erkrankungen. Eine Ärztin habe empfohlen, die Familien aus den verschimmelten Räumen herauszunehmen.

Landkreis weist Vorwürfe zurück

Der Landkreis Börde wies die Vorwürfe zurück. Sozialamtsleiterin Marlis Lüder bestätigte zwar, dass es Probleme mit Schimmelbefall gegeben habe. Allerdings habe der private Betreiber die Missstände beseitigt. "Es stimmt einfach nicht, dass die Wohnungen verschimmelt sind", sagte sie MDR 1 RADIO SACHSEN-ANHALT. "Unser Amtsarzt im Gesundheitsamt hat auch die ärztlichen Atteste prüfen lassen", sagte Lüder weiter. Eine chronische Bronchitis bei den Kindern habe er aber nicht feststellen können. "Wir halten an der Gemeinschaftsunterkunft fest, weil dort Familien leben, die zur Ausreise verpflichtet sind", betonte die Amtsleiterin.

Ausländerbeauftragte Susi Möbbeck
Möbbeck: Zustände dringend ändern.

Integrationsbeauftragte fordert Konsequenzen

Die Integrationsbeauftrage von Sachsen-Anhalt, Susi Möbbeck, forderte das Landesverwaltungsamt auf, die Zustände in Harbke dringend zu ändern. Es gebe genügend leere Wohnungen im Land, um die Leute menschenwürdig unterzubringen. Bereits Anfang vergangenen Jahres hatte Innenminister Holger Hövelmann an die Landkreise und kreisfreien Städte appelliert, Asylbewerber mit Kindern nicht mehr in Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen: "Das ist auch ein Beitrag zum friedlichen Zusammenleben von Deutschen und Ausländern."

"Wir haben keine Möglichkeit zum Arzt zu gehen. Wir haben keine Möglichkeit einkaufen zu gehen. Die Küche ist kaputt, die Badezimmer."

Jasmin Begani
Kosovo-Flüchtling in Harbke
MDR 1 RADIO SACHSEN-ANHALT
Nazisymbol am Asylbewerberheim Harbke Bördekreis
Bereits zweimal drangen Neonazis auf das Heimgelände vor.

Schließung gefordert

Unterdessen hat die Mobile Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt die sofortige Schließung des "Dschungelheims in Harbke" gefordert. Die dort lebenden Flüchtlinge würden regelmäßig von Neonazis bedroht. Innerhalb eines Jahres habe es bereits zwei Übergriffe gegeben. Die Asylbewerber seien in dem Heim mitten im Wald nicht sicher.

Sachsen-Anhalts Grüne schlagen vor, die Asylbewerber in leerstehenden Wohnungen unterzubringen. "Nach dem Asylbewerberheim in Möhlau steht nun zu Recht Harbke in der Kritik", sagte der Landesvorsitzende Christoph Erdmenger. Dabei gehe es nicht nur um verschimmelte Wohnungen. Schlimmer sei die isolierte Lage der Unterkunft und die damit verbundene Hilflosigkeit bei rechtsextremistischen Übergriffen.

Die Flüchtlingsunterkunft Harbke ist eine ehemalige NVA-Kaserne. Bis zur nächsten Ortschaft sind es fünf Kilometer.

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2009, 11:42 Uhr

 

 
 
 
 
 
 
 

© 2010 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK