Wussten Sie schon... ? : Wissenswertes über Anhalt
Anhalt feiert in diesem Jahr sein 800-jähriges Bestehen. Anlass genug, einigen Fragen rund um die Region im Herzen Sachsen-Anhalts und in der Mitte Deutschlands auf den Grund zu gehen. Woher kommt der Name, was gehört zu Anhalt, wieviele Menschen tragen den Namen des Landes und vieles mehr, gilt es zu klären. Wussten Sie eigentlich schon, ...
... woher der Name Anhalt kommt?
Das Land Anhalt heißt nicht Anhalt, weil dort besonders viel angehalten wird. Den Namen hat die Region vielmehr von der einstigen Burg gleichen Namens, die auf dem Hausberg über dem Ostharzer Selketal liegt. Seit Anfang des 12. Jahrhunderts war sie ein Stammsitz der im Land herrschenden Askanier. Für den Burgnamen Anhalt gibt es verschiedene Deutungen: So soll die Burg "ane holt", das heißt ohne Holz, also ganz aus Stein gebaut worden sein. Eine andere Variante geht davon aus, dass damit die Burg an der Halde, das heißt am Berghang, gemeint war. Aus alten Urkunden ergibt sich noch eine weitere Deutung. Dort wird die Feste als "der Anhalt" bezeichnet, das heißt der feste Schutz, die sichere Zufluchtsstätte. "Der Anhalt" war demnach eine Fluchtburg, welche die askanischen Erbauer für sich und die Bevölkerung des Umlandes errichteten. Als sich Graf Heinrich I. kurz nach seiner Machtergreifung 1212 genau nach dieser Burg als Fürst von Anhalt bezeichnete, wurde der Name auf sein gesamtes Herrschaftsgebiet, später auch auf die Erwerbungen seiner Nachkommen übertragen, das heutige Anhalt eben.
... was zu Anhalt gehört?
Das Land Anhalt, das 1945 aufgelöst wurde, hatte ein Fläche von 2.299 Quadratkilometern. Damit war es etwas kleiner als das heutige Saarland (2.568 km²) oder das Großherzogtum Luxemburg (2.586 km²), aber rund zweieinhalb Mal so groß wie das Land Berlin (892 km²). Zu Anhalt gehörte ein westlicher Landesteil mit den Städten Ballenstedt, Harzgerode und Tilgerode sowie ein größerer östlicher Landesteil, in dem die Städte Dessau, Bernburg, Coswig, Köthen, Roßlau, Wörlitz und Zerbst lagen. Getrennt wurden beide Hauptteile durch die preußische Provinz Sachsen. Von Preußen wurden auch die kleineren zu Anhalt gehörenden Exklaven Alsleben, Mühlingen, Dornburg, Gödnitz und eine kleinere Exklave bei Göbel umschlossen. Haupt- und frühere Residenzstadt war Dessau. 1939 lebten etwa 420.600 Menschen in Anhalt. Vor der Kreisreform in Sachsen-Anhalt 2007 lebten in Dessau und den Landkreisen, die in etwa dem historischen Anhalt entsprachen (Anhalt-Zerbst, Köthen, Bernburg, Quedlinburg) etwa 346.000 Menschen.
... wie viele Menschen Anhalt heißen?
In Deutschland gibt es Hunderte Menschen, die Anhalt heißen. Der Leipziger Namensforscher, Professor Jürgen Udolph, geht von bundesweit rund 1.700 Namensträgern aus. Die meisten von ihnen leben im Harz rund um die alte Burgruine Anhalt. Auch bei Magdeburg und in der Umgebung von Dessau kommt der Name häufig vor. Ein weiteres Verbreitungsgebiet liegt am Rhein, was jedoch mit unserem Anhalt weniger zu tun hat. Auch in den USA leben zahlreiche Menschen mit dem Familiennamen Anhalt. Auch in dortigen Ortsnamen kommt der Name Anhalt öfters vor, was laut Udolph darauf zurückzuführen ist, dass Auswanderer aus der Region ihre neuen Wohnorte nach der alten Heimat benannten.
... dass nicht jeder Prinz von Anhalt "echt" ist?
Bekanntester Vertreter des Namens Anhalt ist Eduard Prinz von Anhalt und Herzog zu Sachsen, der letzte direkte männliche Nachkomme des ersten Fürsten, Heinrich I., und des letzten Herzogs von Anhalt, Joachim Ernst. Prinz Eduard ist somit der einzige noch lebende männliche Träger dieses Namens, der dem Adelshaus Anhalt-Askanien tatsächlich von Geburt entstammt. Da die Vorrechte des Adels mit der Weimarer Verfassung 1919 abgeschafft wurden, ist Prinz oder Prinzessin von Anhalt kein Adelstitel mehr, sondern ein ganz normaler Familienname. Und der kann nicht nur an die eigenen Nachkommen weitergegeben werden, sondern auch an adoptierte Personen. Das deutsche Adoptionsrecht ermöglicht Erwachsenenadoptionen praktisch ohne Bedingungen. Deshalb gibt es mittlerweile zahlreiche Träger des Namens Prinz oder Prinzessin von Anhalt, die nicht vom Adelshause Anhalt-Askanien abstammen. Einer von ihnen ist Frédéric Prinz von Anhalt, der ursprünglich Hans-Robert Lichtenberg hieß und sich 1980 für eine monatliche Leibrente durch Marie Auguste Prinzessin von Anhalt, eine Tante von Prinz Eduard, adoptieren ließ. Bekannt wurde Frédéric vor allem durch seine Ehe mit der Hollywood-Schauspielerin Zsa Zsa Gábor und zahlreiche Skandale. Mittlerweile hat er weitere erwachsene Personen für viel Geld adoptiert, die nun auch den Familiennamen Prinz von Anhalt tragen dürfen.
... dass Anhalt die erste bürgerliche Fürstin hatte?
Glauben auch Sie, dass Grace Kelly, Leitizia Ortiz, Charlene Wittstock oder Kate Middelton zu den ersten bürgerlichen Frauen gehören, die an der Seite ihrer Männer einen Thron bestiegen haben oder werden? Vergessen Sie es! Lange bevor der übrige europäische Hochadel überhaupt daran dachte, sich mit bürgerlichen Frauen zu vermählen, hatte das ein Anhalter Fürst längst getan. Leopold I. von Anhalt Dessau, der "Alte Dessauer", heiratete 1698 die Dessauer Apothekerstochter Anna Luise Föhse. Zwar zeugten auch andere Fürsten Kinder mit bürgerlichen Frauen oder heirateten diese später. Nur – im Unterschied zu diesen gelang es Leopold auch, seine Ehe als standesgemäß zu legitimieren. Der Dessauer Fürst war einflussreich genug, um beim Kaiser eine Standeserhöhung seiner Gattin zu erwirken. So wurde Anna Luise 1701 durch feierliche Urkunde in den Reichsfürstenstand erhoben. Das war außerordentlich wichtig, denn dadurch wurden all ihren Nachkommen die fürstlichen Erbfolgerechte verliehen. Und Nachkommen hatte das Paar genug: Zehn Kinder, fünf Prinzen und fünf Prinzessinnen, brachte Fürstin Anna Luise zur Welt. Und während ihr Mann als Generalfeldmarschall für Preußens Könige zu Felde zog, lenkte sie die Geschicke des Landes.
... dass Anhalt mal "Küstenstaat" war?
Man glaubt es kaum, aber Anhalt reichte tatsächlich mal bis an die Nordsee. Genauer gesagt, Anhalt-Zerbst reichte mal bis ins ostfriesische Jeverland. Wie kam das? 1667 starb der Oldenburger Graf Anton Günther. Da er keinen legitimen Nachkommen hatte, verfügte er, dass seine Grafschaft an einen entfernten Verwandten, den Dänen-König Christian V., fallen sollte. Die angrenzende Herrschaft Jever aber vererbte er seinem Neffen Fürst Johann von Anhalt-Zerbst. Mehr als 100 Jahre wurde das Jeverland fortan von Anhalt-Zerbster Beamten verwaltet. Das Askanier-Wappen am Leuchtturm von Wangerooge erinnert bis heute daran. In dieser Zeit kamen auch Zerbster Braumeister nach Jever und begründeten dort eine bis heute weitberühmte Bierbrautradition. Eine unrühmliche Rolle spielte der letzte Zerbster Fürst Friedrich August. Der hatte es sich im Siebenjährigen Krieg mit dem Preußenkönig Friedrich II. verscherzt, musste aus Zerbst fliehen und regierte seine beiden Länder fortan vom Baseler, später Luxemburger Exil aus. Um seine Kassen aufzufüllen, verkaufte er während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775-1783) zwei Regimenter mit 1.152 Jeveraner Landeskindern an den englischen König. Die wenigsten von ihnen kehrten später aus Amerika in die Heimat zurück. Als der Landes-"Raben"-Vater 1793 starb, fiel Jever an seine Schwester Sophie Auguste Friederike, besser bekannt als die russische Zarin Katharina die Große. Bis 1807 und von 1813 bis 1818 gehörte Jever zu Russland, danach fiel es zurück an Oldenburg.
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