Festgottesdienst in Köthen : Landeskirche feiert 800 Jahre Anhalt
Mit einem Festgottesdienst in der St. Jakobskirche zu Köthen hat die Evangelische Landeskirche Anhalts an das 800. Jubiläum der Region Anhalt erinnert. Kirchenpräsident Liebig würdigte Anhalt als Zentrum von Glaube und Vernunft. Der Pfarrer der Jakobskirche, Hädicke, sagte, dass Jubiläum erinnere die Menschen an ihre Herkunft. Musikalisch wurde der Festgottesdienst vom Köthener Bachchor und dem Köthener Schlosskonsortium gestaltet. Der MDR übertrug das Ereignis live.
Vor 800 Jahren begann die Geschichte Anhalts als eigenständiger Territorialstaat. Die Evangelische Landeskirche Anhalts hat das Ereignis am Sonntag mit einem Festgottesdienst in der Stadt- und Kathedralkirche St. Jakob zu Köthen gefeiert. Kirchenpräsident Joachim Liebig würdigte Anhalt in seiner Predigt als eine Region, in der jahrhundertelang Glaube und Vernunft aufeinander getroffen seien. "Mit Stolz sehen wir auf die tragenden Gedanken der Geschichte und gewinnen somit die Zukunft", sagte das Oberhaupt der kleinsten Landeskirche Deutschlands.
"Jubiläum erinnert an Herkunft"
Der Pfarrer der Köthener Jakobskirche, Wolfram Hädicke, sagte, das Jubiläum "800 Jahre Anhalt" sorge dafür, dass sich die Menschen der Region wieder mehr fragten, wo sie herkommen. Besonders in St. Jakob zu Köthen liege die Geschichte näher als man meine. Schließlich feiere man das Jubiläum auf der Grablege der Fürsten von Anhalt-Köthen. Die unmittelbare Nähe erinnere an all jene, die hier gewirkt hätten: Fürsten und Bürger. Die Symbolsprache der Särge sage auch, dass sich die Fürsten des Landes nicht nur als Anhalter verstanden, sondern auch als Zugehörige zum Volk Gottes. "Nicht nur ihre Burg Anhalt über dem Selketal und andere Schlösser, auch Gott war ihnen eine feste Burg", sagte Hädicke.
Musikalisch wurde der Festgottesdienst vom Köthener Bachchor und dem Köthener Schlosskonsortium unter anderem mit Werken von Johann Sebastian Bach gestaltet. Bach hatte von 1717 bis 1723 als Kapellmeister am Köthener Hof gewirkt. Der Festgottesdienst wurde vom MDR live übertragen.
Anhalt als Zentrum der Reformation
Anhalt gehörte früh zu den Zentren der Reformation. Bereits 1522 predigte der Reformator Martin Luther in der damals bedeutendsten Stadt des Landes, in Zerbst. Vier Jahre später bekannte sich Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen, genannt der "Bekenner", als erster anhaltischer Fürst zum evangelischen Glauben. 1530 gehörte er zu den Unterzeichnern der von Philipp Melanchthon verfassten Augsburger Konfession, dem evangelischen Glaubensbekenntnis. Der Dessauer Fürst Georg III., der "Gottselige", nahm vier Jahre später die evangelische Konfession an. Er wurde ein enger Vertrauter Luthers und gilt bis heute als eine der Schlüsselfiguren der Reformation. 1606 traten die anhaltischen Fürstentümer geschlossen zur reformierten Lehre Calvins über. Seit 1646 wurde Anhalt schrittweise wieder lutherisch. Dennoch blieb auch der reformierte Glaube im Land fest verwurzelt. Im 19. Jahrhundert fanden evangelische und reformierte Gemeinden im Prozess der sogenannten Union zueinander.
Evangelische Landeskirche Anhalts
Mit der Vereinigung aller anhaltischen Fürstentümer 1863 entstand die Evangelische Landeskirche Anhalts. Sie ist heute mit knapp 49.000 Mitgliedern die kleinste Landeskirche Deutschlands und umfasst als einzige Instanz das Territorium des ehemaligen Herzogtums (bis 1918) und späteren Freistaates Anhalt (bis 1945).
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St. Jakob zu Köthen
Die St. Jakobskirche ist die evangelische Stadt- und Kathedralkirche der anhaltischen Stadt Köthen. Sie wurde von 1400 bis 1514 als spätgotischer Nachfolgebau einer romanischen Kirche aus dem 12. und 13. Jahrhundert errichtet. Ihre 75 Meter hohen Zwillingstürme sind weithin zu sehen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude renoviert und dabei teilweise umgestaltet. Im Südeingang findet sich mit der Statue des Namenspatrons der Kirche, des Heiligen Jacobus, aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts das älteste Kunstwerk Köthens. Berühmt ist die nahezu im Originalzustand erhaltene Ladegast-Orgel von 1872. Die Gruft der Kirche ist die Grablege des Fürstenhauses von Anhalt-Köthen. Sie beherbergt die Särge von 40 Mitgliedern der 1847 ausgestorbenen Linie des Hauses Anhalt.
