800 Jahre Anhalt - Lebensläufe | MDR FERNSEHEN | 05.07.2012 | 23:05 Uhr : Fürst Franz
Ein vorbildlicher Landesvater
Er war Aufklärer und Visionär. Leopold III. Friedrich Franz, Fürst von Anhalt-Dessau, regierte sein kleines Fürstentum ganze sechs Jahrzehnte und machte es zu einem der modernsten Kleinstaaten Deutschlands. Wegen seiner Umsichtigkeit und sozialen Fürsorge erhielt er von seinen Untertanen den Beinamen "Vater Franz". Aus Anlass der Feierlichkeiten zu 800 Jahren Anhalt porträtiert der MDR den Landesvater, dreht an Originalschauplätzen und lässt Experten zu Wort kommen.
Fürst Franz entstammt dem alten Geschlecht der Askanier, das vor 800 Jahren von Albrecht dem Bären begründet worden war. 1740 in Dessau als ältester Sohn des Fürsten Leopold II. von Anhalt-Dessau und der Fürstin Gisela Agnes von Anhalt-Köthen geboren, verwaiste er schon mit elf Jahren und kam unter die Vormundschaft seines Onkels, Dietrich von Anhalt-Dessau. Zu dieser Zeit war das Land in drei kleine Herzogtümer aufgeteilt. In seinem, Anhalt-Dessau, lebten gerade mal 53.000 Einwohner. Franz wuchs in einer Feldmarschallsdynastie auf. Sein vielleicht berühmtester Vorfahre, Großvater Leopold I., genannt der "Alte Dessauer", war Feldmarschall, sein Vater ebenfalls, genauso wie sein Onkel. Und auch er hatte alle Eigenschaften dazu – er war groß gewachsen und ein fantastischer Reiter.
Anhalt war zwar unabhängig, kämpfte aber seit Generationen für die Preußen. So diente auch Franz als Halbwüchsiger in der preußischen Armee Friedrichs des Großen. Mit Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 folgte er seinem Onkel Moritz in das Kriegsgeschehen. Doch als Zeuge und Beteiligter des Gemetzels bei der Schlacht bei Kolin 1757, die etwa 22.000 Tote und Verwundete forderte, wurde aus der Begeisterung schnell Abneigung. An der Ruhr erkrankt und nach Hause geschickt, konnte sein Vormund die Entlassung des jungen Prinzen aus der preußischen Armee erwirken. Zudem erkaufte er beim Kaiser dessen vorzeitige Mündigkeit und somit Regierungsfähigkeit. Der frischgebackene Fürst Franz erklärte sein Fürstentum Anhalt-Dessau umgehend für neutral. Denn als kleiner Spielball zwischen den großen Mächten Preußen, Sachsen und Habsburg fürchtete er, zerrieben zu werden. Als Strafaktion für den Austritt musste er von Preußen auferlegte Kontributionen dulden, die er allerdings, um sein Land und seine Untertanen zu schonen, aus seinem privaten Vermögen bezahlte.
