Sachsen-Anhalt

Bessere Chancen am Arbeitsmarkt : Interesse an Auslandsaufenthalten steigt

Die Handwerkskammern in Magdeburg und Halle verzeichnen immer mehr Interesse an Auslandsaufenthalten. Wie Recherchen des Nachrichtenmagazins "Fakt ist...!" ergaben, gab es 2012 insgesamt knapp 660 Beratungen zu diesem Thema. Das war erneut ein Anstieg zum Vorjahr. Damit stellt sich die Entwicklung in Sachsen-Anhalt gegen den mitteldeutschen Trend.

Mobilität von Azubis steigt an

Ein Friseur schneidet einer Person die Haare.
Auch Friseure nutzen häufiger die Chance, Auslandserfahrungen zu sammeln.

Seit 2009 konnte durch die Beratung die Mobilität von Azubis von zwei auf sechs Prozent gesteigert werden. Interessenten aus den Bereichen Metallhandwerk, Frisör, Gesundheits- und Pflegeberufen, Holzbau und Sanitär-Heizung-Klima-Bereich machten im letzten Jahr Auslandsreisen nach England, Irland, Finnland und Kroatien.

Nach Ansicht der Handwerkskammern können Auszubildende und junge Fachkräfte ihre Chancen auf eine erfolgreiche berufliche Zukunft durch Auslandsaufenthalte erhöhen. Unternehmen förderten durch Auslandspraktika das Engagement und die Selbstständigkeit ihrer Nachwuchskräfte und hätten auch bessere Chancen, Azubis für eine Ausbildung zu gewinnen, so die Mobilitätsberatung Sachsen-Anhalt. Auch die Bundesagentur für Arbeit stimmt dem zu. Wie Pressesprecher Kristian Simon Veil von der Bundesagentur für Arbeit Regionaldirektion Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dem MDR erklärte, sei festzustellen, dass die erworbenen Fremdsprachenkenntnisse und die interkulturelle Kompetenz eines Auslandsaufenthaltes für die Berufstätigkeit und Karriere in Deutschland helfen können.

"Als Ausbilder eines Zimmereibetriebes bin ich davon überzeugt, dass Auslandserfahrungen sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung eines jungen Menschen auswirken. In beruflicher Hinsicht kann ein solches Praktikum nur der Kenntniserweiterung anderer Handwerkstechniken dienen."

Heiko Hoffmann, Zimmerer & Geschäftsführer aus Sandersdorf-Brehna
Quelle: Handwerkskammer Halle

Geringes Interesse von ausländischen Azubis an Sachsen-Anhalt

Allerdings hinkt Sachsen-Anhalt, was die Aufnahme von ausländischen Azubis und die Vermittlung von Azubis ins europäische Ausland angeht, der Entwicklung im gesamten Bundesgebiet etwas hinterher. Als Hauptgrund dafür sehen die Berater bei den Handwerkskammern vor allem die geografische Innenlage Sachsen-Anhalts und die fehlende Angrenzung zu anderen europäischen Ländern an. So müssen für Auslandspraktika häufiger logistische Probleme bewältigt werden. Außerdem würden Lehrlinge aus dem Ausland eher deutsche Großstädte wie Berlin, München oder Hamburg bevorzugen.

Fachkräftemangel in einigen Berufen sehr groß

Blick in Autowerkstatt
Mechatroniker werden in Sachsen-Anhalt bereits händeringend gesucht.

Zugleich werden in Sachsen-Anhalt nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen der Bundesagentur für Arbeit Fachkräfteengpässe in einigen Berufen immer größer. So gebe es bei den Berufen der Mechatronik derzeit nur 0,7 Bewerber auf eine Arbeitsstelle. Auch bei den examinierten Altenpflegekräften bestehen mit 0,7 Bewerbern pro Arbeitsplatz große Probleme offene Stellen zu besetzen. Auf ausgeschriebene Stellen als Fachkraft für Klima, Sanitär und Heizung gibt es 0,8 Bewerber pro Stelle. Keine Probleme gibt es hingegen bei den Gastronomie, Hotel- und Tourismusberufen. Hier gibt es 12,2 Bewerber pro Stelle. Bei den Verkaufsberufen liegt die Bewerberzahl gar bei 38 Bewerbern pro Stelle.

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2013, 08:29 Uhr

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Fachkräftemangel in Deutschland

Von einem Fachkräftemangel spricht man bei einer Relation von unter drei Bewerbern pro Stelle. Deutschlandweit sind nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales derzeit über 850.000 Stellen unbesetzt. Gelänge es in Deutschland 100.000 Fachkräfte zusätzlich zu akquirieren, würde dies nach Ansicht des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung das Wirtschaftswachstum um 0,2 Prozentpunkte jährlich steigern. Außerdem würde dies auch einen Wertschöpfungsgewinn von 57 Milliarden Euro bis zum Jahr 2016 ergeben.

Quelle: Fortschrittsbericht 2012 zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung

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