Sachsen-Anhalt

Neue Befugnisse für die Polizei : Landtag beschließt umstrittenes Polizeigesetz

Der Entwurf für Sachsen-Anhalts neues Polizeigesetz sorgte in den vergangenen Wochen für viel Wirbel. Besonders umstritten sind die geplanten HIV-Zwangstests sowie die mögliche Abschaltung von Handy-Netzen. Nun hat der Landtag mit den Stimmen der Regierungskoalition die umstrittene Novelle durchgedrückt. Linke und Grüne wollen jetzt vor dem Landesverfassungsgericht klagen. Vor der Abstimmung fand eine Demonstration auf dem Vorplatz des Landtags statt.

Debatte im Landtag zum neuen Polizeigesetz.

Der Landtag Sachsen-Anhalts hat das umstrittene neue Polizeigesetz mit den Stimmen der Regierungskoalition verabschiedet. Bei der namentlichen Abstimmung am Mittwochmittag votierten 63 Abgeordnete für das Gesetz, 32 dagegen. Zehn Parlamentarier waren nicht anwesend. Das Gesetz sieht vor, unter anderem die Befugnisse der Polizei auszuweiten. Im Innenausschuss des Landtages waren zuletzt Änderungsanträge der Opposition abgeschmettert worden. Sie wollten unter anderem die umstrittene Abschaltung von Handy-Netzen sowie die geplanten HIV-Zwangstests verhindern.

Innenminister Holger Stahlknecht verteidigte vor der Abstimmung erneut das neue Polizeigesetz. Er sagte im Landtag, Freiheit habe ohne Sicherheit keine Zukunft. Sachsen-Anhalt unternehme mit der Gesetzesnovelle keinen Alleingang, betonte der Minister. In anderen Bundesländern würden die neuen Regelungen bereits praktiziert. Stahlknecht warf der Opposition vor, die Polizei ins falsche Licht rücken zu wollen.

Klage vor dem Landesverfassungsgericht droht

Linke und Grüne kündigten bereits im Vorfeld an, das Landesverfassungsgericht anzurufen, sollte der Entwurf unverändert verabschiedet werden. Grünen-Fraktionschefin Claudia Dalbert sagte, man sei dabei, die Klage vorzubereiten. Am Mittwochmorgen protestierten etwa 100 Demonstranten vor dem Landtag gegen das neue Gesetz.

Ein Gesetz - viele Streitpunkte

Verkehrskontrolle der Polizei
Das neue Polizeigesetz soll den Beamten mehr Befugnisse einräumen - und Rechtssicherheit geben.

Dem neuen Polizeigesetz zufolge sollen HIV-Zwangstests in solchen Fällen möglich sein, in denen ein Polizist sich bei einem Einsatz angesteckt haben könnte, der Verursacher einer Untersuchung aber nicht zustimmt. Die Opposition sieht in den zwangsweisen Tests einen unzulässigen Eingriff in die Grundrechte. Mit der geplanten Unterbrechung von Handynetzen soll beispielsweise das Fernzünden von Bomben verhindert werden. Hier hatte die Opposition befürchtet, dass das Gesetz der Polizei Netzabschaltungen auch bei Demonstrationen erlauben könnte. Stahlknecht widersprach am Mittwoch erneut dieser Darstellung. Es gebe dafür keine Ermächtigung.

Ebenfalls vor das Gericht bringen will die Opposition Regelungen zur Überwachung von Computern und den Videoeinsatz bei Polizeikontrollen. Kritiker befürchten, dass die Computerüberwachung der Polizei den Einsatz von sogenannten Staatstrojanern ermöglicht. Nicht in den Gesetzesentwurf aufgenommen wurde hingegen die Regelung, Polizisten bei Einsätzen in Zusammenhang mit gewalttätigen Demonstrationen individuell zu kennzeichnen. Dafür hatte die SPD in einem Mitgliederentscheid plädiert. Die CDU lehnte diesen Punkt jedoch ab.

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2013, 22:16 Uhr

8. W. und E. Bochert:
Nach den Landtagsbeschlüssen ``Neues Polizeigesetz'' und ''Wassergesetz``können wir nun auch die SPD nicht mehr Wählen. Ohne Rücksichten auf die Menschen ! So produziert man künftige Nichtwähler.Also von der SPD hätten wir das nicht erwartet , von der CDU schon !
22.02.2013
17:51 Uhr
7. langschläfer:
vielleicht muß man in der provinz sachsen nun wirklich früh aufstehen, um noch telefonieren zu dürfen. könnte ja sein, daß das netz abgeschaltet wird, wenn da jemand ne schlechte oder zu kurze nacht hatte. hoffentlich können die unausgeschlafenen notärzte alle rauchzeichen deuten aber das klappt schon, zu ddr-zeiten gabs auch ne allmächtige staatsgewalt und keine telefone. viel spaß auf dem weg zurück! achja, wie wärs gleich mit ner kennzeichnungspflicht für diverse krankheiten oder genetische auffälligkeiten? so ein paar sticker an der kleidung kommen gut!
20.02.2013
21:23 Uhr
6. Steffen:
Auf den Weg in den Polizeistaat. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren: Aber unsere Herrscher bereiten sich da auf was vor, vielleicht "Wir sind das Volk!"?
20.02.2013
19:33 Uhr
5. Eismann:
In Deutschland wird niemand gezwungen Polizist zu werden. Wer sich für den Job entscheidet muss mit den Unannehmlichkeiten leben.
20.02.2013
18:07 Uhr
4. tom:
Leider nur ein Beispiel wie der Demos schrittweise entrechtet und damit die Demokratie und der Rechtsstaat ad absurdum geführt wird. Willkommen im Großstaat EU.
20.02.2013
16:45 Uhr
3. Fam. Maier:
Grünen-Fraktionschefin Claudia Dalbert kann sich gern einmal in einen Streifenwagen setzen und zu bestimmten Ortten in Sachsen-Anhalt fahren um sich bespucken oder beißen zu lassen. Wir wissen schon aus welchem Grund wir diese Partei nicht wählen!!!
20.02.2013
16:39 Uhr
2. Gunnar Nauendorf:
Polizisten, Sanitäter u.a. sind kein Freiwild für krankheitsträger und haben auch ein Recht auf Unverletzlichkeit der Person! Alle die dagegen sind können sich gerne einmal persönlich mit diesem HIV, Hepatitis u.a. Klientel auseinandersetzen und im Anschluss ihre Meinung kundtun!
20.02.2013
16:34 Uhr
1. peter meier:
Danke für den Ticker! Sowas sollte es beim MDR ruhig öfter geben :-)
20.02.2013
13:34 Uhr

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