Umstrittene Studie : Fahrschulen weisen Abzocke-Vorwurf zurück
Sachsen-Anhalts Fahrschulen wehren sich gegen den Vorwurf der Abzocke. Der frühere Vorstand des Fahrlehrerverbandes, Hans-Peter Kamieht, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Unterstellung sei eine Frechheit. Fahrschulen würden ihre Schützlinge nicht extra durchfallen lassen, um danach zusätzliche Stunden abrechnen zu können. Damit würden sie nur ihren Ruf gefährden. Kamieth sieht viel eher ein Problem darin, dass Fahrschüler oftmals an freiwilligen Übungsstunden sparen würden und somit schlecht vorbereitet in die Prüfungen gingen.
Bundesweit höchste Durchfallerquote
Am Dienstag war bekannt geworden, dass in Sachsen-Anhalt bundesweit die meisten Leute durch die Führerscheinprüfung fallen. Nach einer Studie des Automobilclubs Europa ACE mussten 38 Prozent der Fahrschüler im Land den Test mindestens einmal wiederholen. Im bundesweiten Ländervergleich ist das absolute Spitze. In den Nachbarländern Sachsen und Thüringen ist die Quote mit 36 Prozent auch nicht sehr viel besser. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 28 Prozent. In Hessen fallen mit 22 Prozent deutschlandweit die wenigsten Fahrschüler durch die erste Prüfung.
Neben einer mangelhaften Vorbereitung der Fahrschüler sieht der ACE auch ein mögliches wirtschaftliches Interesse der Fahrschulen als einen Grund für hohe Durchfallquoten an. ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner sagte dazu: "Sie spekulieren auf eine hohe Durchfallquote, um anschließend zusätzliche Fahrstunden abrechnen zu können." Der ACE rief Führerscheinaspiranten dazu auf, Fahrschulen nicht unbedingt nach vermeintlichen Billigpreisen auszusuchen, sondern lieber nach einer hohen Quote bestandener Prüfungen.
Debatte über verbesserte Fahrausbildung
Die ACE-Studie, die auf Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes von 2011 basiert, wurde im Vorfeld des Verkehrsgerichtstags in Goslar präsentiert. Auf ihm beraten bis zum Freitag rund 1.900 Verkehrsexperten unter anderem über eine Verbesserung der Fahrausbildung. In Deutschland liegen die Kosten für die theoretische und praktische Pkw-Prüfung derzeit im Schnitt bei rund 1.500 bis 1.800 Euro. Mit Nachprüfungen wird es jedoch deutlich teurer.
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