Männer mit Werbepappen der AfD
AfD-Anhänger im Wahlkampf vor der Landtagswahl. Die Partei brachte es aus dem Stand auf 24,3 Prozent. Bildrechte: MDR/Jana Merkel

Wahlpannen bei der Landtagswahl AfD bekommt einen Sitz mehr

Männer mit Werbepappen der AfD
AfD-Anhänger im Wahlkampf vor der Landtagswahl. Die Partei brachte es aus dem Stand auf 24,3 Prozent. Bildrechte: MDR/Jana Merkel

Das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird korrigiert. Die AfD bekommt einen Sitz im Parlament mehr - statt mit 24 ist sie nun mit 25 Abgeordneten im Landtag vertreten. Der Schatzmeister des AfD-Kreisverbandes Wittenberg, Thomas Höse, rückt in das Parlament nach. Das hat Landeswahlleiterin Christa Dieckmann bekannt gegeben. Sie stellte am Donnerstagmittag das amtliche Endergebnis der Sachsen-Anhalt-Wahl vor.

Guido Henke (Die Linke), Vorsitzender des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Landtages von Sachsen-Anhalt.
Guido Henke (Linke) muss seinen Sitz aufgeben Bildrechte: dpa

Die Linken müssen dafür einen Sitz abgeben und kommen jetzt auf 16 Sitze. Seinen sicher gelaubten Sitz aufgeben muss der Linken-Abgeordnete Guido Henke. Er wurde kürzlich zum Parlamentarischen Geschäftsführer der Partei bestellt. Die Linken müssen nun auf ihrer Sitzung am Dienstag einen neuen wählen. "Das war für uns eine schockierende Nachricht", erklärt die Landesvorsitzende Birke Bull, "das bedeutet für uns einen großen Kompetenzverlust."

Bei der Stimmauszählung gab es laut Landeswahlleiterin in mehreren Wahllokalen Pannen. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT handelt es sich um Wahllokale in Genthin (Ortsteil Tuchheim), Halle/Lettin und Wolmirstedt (Gutenberg-Schule).

Aufgefallen sind die Fehler nach Angaben der Landeswahlleitern durch Hinweise von Außenstehenden und Prüfungen der Kreiswahlleiter. Sie sprach am Donnerstag von "Übertragungsfehlern". Die Wahlhelfer seien beim Eintragen der Ergebnisse in das Formular in den Zeilen verrutscht. Versehentlich seien so AfD-Stimmen der Partei "Allianz für Fortschritt und Aufbruch" (ALFA) und anderen Parteien zugeschlagen worden. Insgesamt seien rund 400 Stimmen falsch zugeordnet worden. "Solche Übertragungsfehler kommen immer wieder mal vor", so Dieckmann zu MDR SACHSEN-ANHALT, "da dieses mal die Ergebnisse nah bei einander lagen, hat es eben diese Auswirkungen gehabt."

Politikwissenschaftler Dr. Roger Stöcker
Politikwissenschaftler Dr. Roger Stöcker Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Politikwissenschaftler Roger Stöcker von der Universität Magdeburg spricht hingegen von einer "desaströsen Außenwirkung". Schließlich habe die AfD schon im Vorfeld vermutet, dass es Unregelmäßigkeiten bei der Stimmauszählung gegeben habe. "Die Panne ist Wasser auf die Mühlen für die Verschwörungstheoretiker der AfD", fürchtet Stöcker, "es wird Bürger geben, die nicht daran glauben, dass es ein Versehen war."

Die AfD selbst reagierte gelassen. "Für uns ist es schön, dass wir jetzt einen Sitz mehr erhalten", sagte Fraktionsvorstand Oliver Kirchner auf Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, "ansonsten passiert so etwas schon einmal."

Christa Dieckmann, Landeswahlleiterin von Sachsen-Anhalt
Christa Dieckmann, Landeswahlleiterin Sachsen-Anhalt Bildrechte: dpa

Beim amtlichen Endergebnis erreicht die AfD nun 24,3 Prozent - 0,1 Prozentpunkte mehr als beim bisherigen vorläufigen Ergebnis. Die Linke erzielte 16,3 Prozent. Die CDU ist mit 29,8 Prozent und 30 Sitzen die stärkste Kraft im Landtag. Die SPD erreicht 10,6 Prozent und erhält 11 Sitze. Die Grünen ziehen mit 5,2 Prozent und 5 Sitzen knapp in den Landtag ein. Sachsen-Anhalts neugewählter Landtag wird am 12. April zu seiner ersten Sitzung zusammenkommen.

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2016, 16:20 Uhr

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103 Kommentare

27.03.2016 13:44 O-Perler 103

@101. (Thüringer): Seien Sie bitte nicht ganz so forsch mit den anderen Mitforisten! Schließlich unterziehe ich Sie auch nicht solchen Wertungen, obwohl ich manchmal sehr geneigt war, solcherart Bemerkungen Ihnen gegenüber zu verfassen und wovon mich nur die geschriebenen Netiquette-Richtlinien des MDR abhielten - Sie offenbar aber wohl nicht! Ein Hinweis noch: Als Interessent der internen AfD-Programm-Diskussion gebe ich Ihnen folgende Stichpunkte für die Suchmaschine Ihres Vertrauens kund: "ben bernanke Afd libby langfinger". Das ist Stoff für wochenlanges Selbststudium...

27.03.2016 11:31 Wolfgang Menzel 102

Ein so ausgewiesener Fachmann hätte einen
besseren Listenplatz verdient.
Wer hat dieses Wahlergebnis zu verantworten?

26.03.2016 00:20 Thüringer 101

25.03.2016 20:07 Nordharzer
Selten so gelacht. Ihr Beitrag ist mit Abstand der schwachsinnigste hier!

26.03.2016 17:06 Wanderstein 100

Es sind ja bald wieder Wahlen, spätestens im Herbst 2017. Da können ja alle Verschwörungsenthusiasten es besser machen und sich als Wahlvorstände bei den Kommunen melden.

26.03.2016 13:43 contenance123 99

"Versehentlich seien so AfD-Stimmen der Partei "Allianz für Fortschritt und Aufbruch" (ALFA) und anderen Parteien zugeschlagen worden. Insgesamt seien rund 400 Stimmen falsch zugeordnet worden." - Danke für die Informationen, denn diese Details darf man in anderen Nachrichtenblättern vergeblich suchen.

Dort wird zufälligerweise, denn absichtlich macht so etwas ja niemand, gar nicht so konkrekt darüber berichtet, dass es Zählfehler gab, sondern primär über den weiteren AFD-Sitz, ohne genau zu beleuchten wieso das so ist.

Etwas amüsiert hat mich der Versuch mit dem Stöcker-Zitat... selbstverständlich kommt dieser Gedanke auf und man sollte ihn auch nicht sofort verwerfen, nur weil es irgendein Herr Stöcker sagt.

Man sollte solche "Pannen" bewusst zur Kenntnis nehmen und sich nicht von irgendjemanden des Denkens bevormunden lassen, dessen einziges Argument gegen diese Annahme anscheinend lautet: es kann nicht sein, was nicht sein darf

25.03.2016 21:49 Hubert 98

@95 SGDHarzer66 25.03.2016 18:03 - "Volker 86: Genau so ist es, schließe mich an. 5,2 in der Prognose und am Ende riecht nach `89." - Siehe mein Betrag an Volker. Das Wahlergebnis 1989 hat gestunken. Das Wahleergebnis in Sachsen-Anhalt duftet noch nicht mal, wenn man vom Ergebnis der AfD mal absieht. Denn das stinkt (mir).

25.03.2016 21:22 Hubert 97

Ich fände jede Stimmenauszählung bei der die AfD bei 4,9 % landet, gut. - Korrekte Wahlergebnisse? Keine Bilanz ist richtig, obwohl Aktiva und Passiva gleiche Werte haben.

25.03.2016 20:07 Nordharzer 96

Wenn ich das hier so lese, scheinen ja einige von den 5,2%-Grünen mächtig Angst zu haben. Sollten sich die Grünen am Ende tatsächlich in der Regierung wiederfinden, wäre dies das Ergebnis eines demokratischen Prozesses. Die AfD könnte doch auch versuchen eine Minderheitsregierung zu bilden, warum will sie denn nur in der Opposition im Parlament sitzen?
Am besten finde ich aber die, die hiermit Begriffen wie OMG-BRD um sich werfen. Diese Argumentation ist völlig unseriös , da sie die Entwicklungen nach 1954/55 und insbesondere jene von 1989/90 völlig unberücksichtig läßt. Einen nur aufgrund seines Alters abzuqualifizieren, ist auch bezeichnend und ersetzt keine sachlichen Argumente.

25.03.2016 18:03 SGDHarzer66 95

Volker 86: Genau so ist es, schließe mich an. 5,2 in der Prognose und am Ende riecht nach `89. Grundsätzlich kann man den handelnden Personen der OMF-BRD nicht trauen. Das es dann ein "Politikwissenschaftler" noch so verpackt, ist erbärmlich aber er ist auch nur ein gutbezahltes Werkzeug. Abgesehen von seiner Lebenserfahrung, dieses Jüngelchen.....

25.03.2016 17:43 Wanderstein 94

@Wieland: "400 Stimmen in drei Wahllokalen sind auf 2000 Lokale hochgerechnet kein Pappenstiel." Was soll bei der Rechnung herauskommen?