Anti-Gewaltseminar in Brettin
Bildrechte: MDR/Oliver Leiste

Brettin Projekt gegen Gewalt beim Fußball

Spielabbruch in Magdeburg wegen einer Schlägerei. In Stedten wird eine Partie wegen Schiedsrichterbeleidigung vorzeitig beendet. Und auch bei Dölau gegen Nietleben fliegen drei Spieler nach Beleidigungen vom Platz. Szenen wie diese gibt es auf Sachsen-Anhalts Fußballplätzen immer wieder zu beobachten. Auch im Nachwuchsbereich. Der Landessportbund versucht deshalb, mit einem Projekt Fair-Play zu stärken und präventiv gegen Gewalt und Extremismus vorzugehen.

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Anti-Gewaltseminar in Brettin
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Es war eine Szene, wie sie an jedem Wochenende dutzendfach auf Sachsen-Anhalts Fußballplätzen zu beobachten ist. In einem Nachwuchsspiel laufen die letzten Sekunden. Die Stimmung ist aufgeheizt, die Gastmannschaft drängt auf den Ausgleich. Schon vorher gab es einige Gelbe Karten. Eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung sorgt schließlich dafür, dass ein Spieler die Nerven verliert.

Niklas von der SG Genthin/Brettin beschreibt die Szene: "Ich war draußen als Einwechselspieler. Der Ball kam auf mich zu. Es war letzte Minute und ich wollte den Ball schnell weitergeben zum Einwurf. Aus Sicht des Schiedsrichters habe ich den Ball zu früh aufgenommen. Dann gab es halt die gelbe Karte. Dann gab es noch eine abwinkende Bewegung und dann den Platzverweis." Anschließend soll der 15-Jährige dem Schiedsrichter die Karte aus der Hand geschlagen haben. Die Folge: Drei Monate Sperre. Zudem soll er an einem Seminar gegen Gewalt teilnehmen.

Kurs für das gesamte Team

Weil das Team von SG Genthin/Brettin in der Saison immer wieder Probleme mit dem Schiedsrichter hatte, bittet Trainer Tino Schmal darum, den Kurs mit der ganzen Mannschaft durchzuführen. Das Seminar findet im Vereinsheim in Brettin statt. Er ist Teil des MuT-Projekts, das der Landessportbund 2011 ins Leben gerufen hat. Der Fußballverband Sachsen-Anhalts ist einer der größten Unterstützer. Damit soll der Fair-Play-Gedanke im Land gefördert werden. Aber nicht nur das, erklärt Kursleiter Volkmar Laube:

Das MuT-Projekt hat zwei große Felder. Das eine ist die Bildungsarbeit. Wir sind mit Workshops und Vorträgen sehr häufig bei Ausbildungen von Trainern oder Schiedsrichtern. Die zweite ist die Vereinsberatung. Wir gehen zu Vereinen, die sagen, wir haben Probleme unterschiedlicher Art mit unseren Kindern und Jugendlichen.

Volkmar Laube, Seminarleiter des MuT-Projekts

Kampf gegen Gewalt und Diskriminierung

Anti-Gewaltseminar in Brettin
Volkmar Laube (re.) versucht demokratische Werte zu vermitteln. Bildrechte: MDR/Oliver Leiste

An jenem Abend geht es um gesellschaftliche Probleme wie Diskriminierung von Minderheiten oder Gewalt. Ziel des Projekts ist es, demokratische Werte und Respekt zu vermitteln. Das etwas zu emotional geführte Fußballspiel war nur der Anlass, um Grundsätzlicheres zu besprechen. Einem Vortrag von Laube folgen verschiedene Übungen auf dem Sportplatz, mit denen der Gemeinschaftssinn gestärkt werden soll. Die Idee: Sport soll verbinden. Die Akzeptanz ausländischer Mitspieler gehört genauso dazu, wie Respekt vor dem Gegner oder dem Schiedsrichter.

"Wir wollen es künftig besser machen"

Doch kann so ein Vortrag die Jugendlichen aus Brettin und Genthin tatsächlich erreichen? Teilweise, glaubt Trainer Tino Schmal: "Bei der Hälfte ist das sicherlich in den Kopf gegangen. Aber es sind sicher auch ein paar Jungs dabei, die das ein bisschen anders sehen."

Zumindest Niklas scheint seine Lektion gelernt zu haben. Im Umgang mit Schiedsrichterentscheidungen und Gegenspielern sieht er Verbesserungspotential. "Wir hatten viele Karten und auch öfters unfaire Spiele. Das wollen wir besser machen und hier was mitnehmen." Er glaubt, mit mehr Respekt könne etwas Positives entstehen. Statt Verbissenheit soll für ihn künftig mehr der Spaß am Fußball im Vordergrund stehen.

Anti-Gewaltseminar in Brettin
Die SG Genthin/Brettin will künftig respektvoller mit Gegnern und Schiedsrichtern umgehen. Bildrechte: MDR/Oliver Leiste

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16.06.2017 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16.06.2017 | 10:20 Uhr

Quelle: MDR/olei

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2017, 15:00 Uhr

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1 Kommentar

17.06.2017 11:16 Wolfis 1

Bundesligaspieler bekommen Millionen für ein solches Verhalten. Anstatt an den stinkenden Kopf zu gehen fängt man unten am Schwanz an, wie überall in Deutschland.