Sachsen-Anhalt

LexiTV : Das große Bienensterben

Als deutsche Imker nach den kalten Wintermonaten 2010 nach ihren Bienen sahen, bot sich ihnen ein schreckliches Bild: In vielen Stöcken bewegte sich nichts mehr, denn die meisten Tiere waren tot; der Boden war übersät mit Kadavern. Selten starben so viele Bienen wie in diesem Winter: In Deutschland gingen bis zu 200.000 Bienvölker ein.

von Kathleen Postel

Bienensterben

Globales Problem

Mit solchen Zahlen waren die deutschen Imker nicht alleine: Weltweit meldeten Bienenzüchter Schreckliches. Auch Nordamerika, Ägypten, Japan und China haben seit einigen Jahren in den Wintermonaten mit massivem Bienensterben zu kämpfen. Das geht aus einem Bericht des "Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP)" hervor. Darin heißt es, dass die Bienenpopulation in Europa um 10 bis 30 Prozent zurückgegangen sei, in den USA um 30 Prozent und im Nahen Osten sogar um 85 Prozent. Das große und mysteriöse Bienensterben schadet nicht nur den Geschäften der Imker, sondern auch der Landwirtschaft.

Ressource Biene

Die Biene, Sinnbild von Fleiß und Fruchtbarkeit, gilt nach dem Rind und dem Schwein als drittwichtigstes Nutztier. Nicht nur Honig und Bienenwachs sind ein Wirtschaftsfaktor - die fleißigen Insekten bestäuben auch rund achtzig Prozent der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen, wie zum Beispiel Früchte, Nüsse und Getreide. Zwar fliegen auch Schmetterlinge, Motten und Fliegen von Blüte zu Blüte, die Biene aber ist der Bestäuber Nummer eins! Ohne sie könnten massive Engpässe bei der Nahrungsmittelproduktion drohen, befürchten Experten der Vereinten Nationen.

Am Winter liegt es nicht!

Um das zu verhindern, suchen Forscher seit Jahren nach Ursachen des geheimnisvollen Massentods. Klar ist: Am Winter liegt es nicht. Den kalten Temperaturen haben sich die Insekten gut angepasst. Dicht in ihrem Stock zusammengedrängt, erzeugen die Bienen durch Zittern eine Temperatur von 35 Grad Celsius und können so Außentemperaturen bis zu Minus 60 Grad überleben.

Schuld an dem Bienensterben ist nach Ansicht von Biologen vielmehr ein ganzes Bündel von Faktoren: Eingeschleppte Parasiten, der verstärkte Gebrauch von Pestiziden, zerstörte Lebensräume und Klimawandel stehen im Verdacht, dem Leben der Honigbienen ein vorzeitiges Ende zu bereiten.

Killer Nummer eins

Eine Todesursache aber steht zweifelsfrei fest: Parasiten. Wenn die Bienenbrut während der Sommermonate in den versiegelten Waben heranwächst, ist sie oft nicht allein: "Varroa-Milben" gesellen sich als todbringende Mitbewohner hinzu. Die 1,7 Millimeter kleine Milbe beißt die Bienenlarven und saugt deren Blut aus. Über die Bisswunden dringen zusätzlich krank machende Viren in die Insekten ein. Geschieht das, sind die jungen Bienen schon beim Schlüpfen geschwächt und sterben meist kurze Zeit danach. Die Bekämpfung der Parasiten ist kompliziert und nur in der brutfreien Zeit im Winter möglich. Gegen Varroa-Milben verwenden Imker Ameisensäure, die auf einen Schwamm aufgetragen und zum Verdunsten in den Bienenstock gelegt wird. Allerdings hat der Schädling gegen einige chemische Mittel bereits Resistenzen entwickelt.

Eingeschränkter Speiseplan

Neben den Parasiten, die den Bienen schaden, machen sich die Imker auch über die immer intensivere Landwirtschaft Sorgen: Auf den Feldern gedeihen oft nur noch Monokulturen. Nach der Ernte finden die Bienen keinen Nektar und keine Pollen mehr. Weil Monokulturen immer häufiger artenreiche Mischlandschaften verdrängen, ist der tierische Speiseplan eingeschränkt. Das schwächt das Immunsystem und macht anfällig für Schädlinge.

Phänomen "Kahlfliegen"

Unter Wissenschaftlern ist man sich einig, dass auch noch unbekannte Faktoren eine Rolle beim globalen Bienensterben spielen. Deshalb sei es wichtig, weiter nach Gründen zu forschen. Schwierig ist die Ursachenanalyse vor allem in den USA. Dort verschwinden seit einigen Jahren im Winter viele Bienenvölker von einem Tag auf den anderen aus ihren Stöcken.

Kahlfliegen nennen Biologen das Phänomen. Der Grund für die leeren Bienenstöcke liegt im Wesen der Biene: Die Insekten sind treue Staatsdiener bis in den Tod. Wenn Bienen merken, dass sie krank sind und ihr Ende naht, fliegen sie weg. So entlasten sie den Stock von möglichen Keimen. Weichen kranke Tiere nicht, werden sie von ihren Artgenossen aus dem Stock "geprügelt". Die radikale Hygiene der Bienen ist überlebenswichtig, erschwert aber den Forschern die Ursachensuche. So bleibt das Rätsel des Bienensterbens zumindest teilweise ungelöst.

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2011, 12:48 Uhr

Eine große Familie

Die Honigbiene hat viele Verwandte wie zum Beispiel Hummeln und Hornissen. Eines haben alle gemeinsam: Sie gehören zur Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera). In der Regel sind Hautflügler durch zwei häutige Flügelpaare mit großen Zellen gekennzeichnet.

Die Hautflügler sind die artenreichste Ordnung der Insekten: Weltweit zählen über 115.000 bekannte Arten zu ihnen, von denen etwa 11.500 in Europa heimisch sind. Aufgrund der großen Artenzahl haben die Hautflügler nicht nur sehr vielfältige Lebensweisen, sondern unterscheiden sich auch stark in ihrem Erscheinungsbild. Man unterteilt die Hautflügler in zwei Gruppen: Pflanzenwespen (Symphyta) und Taillenwespen (Apocrita).

Die Taillenwespen weisen eine tiefe Einschnürung zwischen dem ersten und zweiten Segment des Hinterleibs auf; sie haben die so genannte Wespentaille, die ihren Hinterleib sehr beweglich macht. Für die Taillenwespen sind große Facettenaugen und drei Punktaugen charakteristisch.

Die Mundwerkzeuge können als Beißwerkzeuge oder als Leck- oder Saugwerkzeuge ausgestaltet sein. Zu den Taillenwespen zählen "Echte Wespen", darunter die Hornissen sowie die meisten Bienen, darunter die Hummeln und Ameisen.

Die Pflanzenwespen haben keinen Stachel und keine Wespentaille. Ihre Larven leben meist auf Pflanzen und ähneln den Schmetterlingsraupen. Diese Insekten sind überwiegend Pflanzen- und Nektarfresser. Zu den zahlreichen Arten der Pflanzenwespen, die vor allem in gemäßigten Klimaregionen beheimatet sind, gehören unter anderem "Echte Blattwespen" und "Holzwespen".

Leben in der Gemeinschaft

Viele Vertreter der Hautflügler leben in "Staaten" nah beieinander und teilen sich die Arbeit. So zum Beispiel die Honigbienen, die Staaten mit bis zu 50.000 Einzeltieren gründen. Die fleißigen Insekten brauchen den Kontakt mit ihren Artgenossen, um überleben zu können.

Wie bei allen Staaten bildenden Arten der Hautflügler gibt es auch bei den Honigbienen drei Erscheinungsformen: Königin, Arbeiterin und Drohn. Die Aufgaben der Arbeitsbienen sind klar definiert: Vorräte anlegen, Larven aufziehen und die Behausung ausbauen. Außerdem sind Honigbienen wichtige Bestäuber. Zahlreiche Nutzpflanzen wie Äpfel, Birnen und Beerensträucher sind auf die Bestäubung der Honigbienen angewiesen.

Neben der domestizierten Honigbiene existieren über 500 "wilde" Bienenarten in Deutschland. Die meisten Wildbienen leben allein: Jedes Weibchen baut allein sein Nest und versorgt auch den Nachwuchs ohne die Hilfe von Artgenossen. Deshalb werden Wildbienen auch als Einsiedlerbienen bezeichnet.

Ausnahmen sind die Hummeln, die zwar zu den Wildbienen gehören, aber in Staaten mit bis zu 600 Tieren zusammenleben. Deren Königinnen überwintern eingegraben im Boden und gründen jedes Jahr den Hummelstaat neu. Die Hummelkönigin hat Arbeiterinnen, die sich wie bei den Honigbienen die Arbeit teilen.

Auch Hummeln sind effektive Bestäuber. An kalten und feuchten Tagen sind es allein die haarigen Insekten, die die Blüten besuchen. Einige Nutzpflanzenarten werden fast ausschließlich von Hummeln bestäubt. Dazu zählen Klee, Lupinen, Wicken, Erbsen und Bohnen.

© 2014 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK