Sogenannter Natodraht mit scharfen Schneideflächen sichert eine Mauer an der Untersuchungshaftanstalt in Hamburg.
Fast 40 Prozent der Gefangenen in Untersuchungshaft sind Ausländer. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Gefängnisse in Sachsen-Anhalt Mehr Ausländer in U-Haft

In Sachsen-Anhalt sind fast 40 Prozent aller Menschen in Untersuchungshaft Ausländer. Das sagte Detlef Thiel, Sprecher des Justizministeriums, MDR SACHSEN-ANHALT. Im Strafvollzug liegt der Ausländeranteil bei 14,3 Prozent.

Sogenannter Natodraht mit scharfen Schneideflächen sichert eine Mauer an der Untersuchungshaftanstalt in Hamburg.
Fast 40 Prozent der Gefangenen in Untersuchungshaft sind Ausländer. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Sachsen-Anhalt sind fast 40 Prozent der Gefangenen in Untersuchungshaft Ausländer. Das sagte der Sprecher des Justizministeriums Sachsen-Anhalts, Detlef Thiel, MDR SACHSEN-ANHALT. Nach seinen Angaben saßen Ende September 2017 somit 82 Ausländer in Untersuchungshaft. Ende 2016 hatte diese Zahl noch bei 64 gelegen, teilte das Ministerium mit. Damals waren demnach knapp ein Drittel aller Gefangenen in Sachsen-Anhalt Ausländer.

Der hohe Ausländeranteil bei den Gefangenen in Untersuchungshaft erklärt Thiel damit, dass Ausländer schneller in U-Haft gebracht werden als Deutsche. "Ausländer müssen gar nicht mehr auf dem Kerbholz haben als Deutsche mit ähnlichen Verbrechen", so Thiel. Sie würden vielmehr vorsorglich wegen erhöhter Fluchtgefahr in Untersuchungshaft gebracht, wenn sie beispielsweise keinen sicheren Wohnsitz nachweisen könnten.

Die Ausländer säßen zumeist wegen Drogendelikten, Diebstählen oder Raub in U-Haft. Mit Abschiebehäftlingen habe das nichts zu tun, sagte Thiel.

Im Strafvollzug geringerer Ausländeranteil

Niedriger ist dagegen der Anteil ausländischer Gefangener im Strafvollzug. Nach Ministeriumsangaben saßen in den Vollzugsanstalten zum 30. September 229 Gefangene aus dem Ausland ein – was einem Anteil von 14,3 Prozent entspricht. Zum Jahresende 2016 waren es 12,3 Prozent, Ende Dezember 2010 lediglich 9,8 Prozent.

Die nichtdeutschen Häftlinge kamen dem Ministerium zufolge aus etwa 50 unterschiedlichen Nationen. Herkunftsländer seien beispielsweise Italien, Indien, Niederlande, Portugal, Russland, Afghanistan, Armenien, Syrien oder die Türkei.

Höhere Ausgaben für Dolmetscher

Justizvollzugsanstalt Roter Ochse,  Halle
Im Strafvollzug liegt der Ausländeranteil bei 14,3 Prozent. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Ausländische Gefangene benötigen nach Einschätzung des Ministeriums wegen mangelnder Deutschkenntnisse häufig eine intensivere Betreuung. Das bedeute einen erhöhten Personalaufwand, durch den zusätzliche Kosten entstünden. Denn bei Verständigungsschwierigkeiten würden regelmäßig Sprachmittler oder Dolmetscher zugezogen. Die Ausgaben des Landes für Dolmetscher werden sich im laufenden Jahr verglichen mit den Ansätzen für den Haushaltsplan 2015 mehr als verdoppeln.

Trotz Dolmetschern gibt es laut Ministeriumssprecher Thiel Gefangene, die jegliche Kommunikation verweigern. Um Druck zu erzeugen, machten einige mit Selbstverletzungen auf sich aufmerksam.

In Freiheit haben die Ausländer, die in Deutschland leben, meist noch eine Bezugsgruppe von Landsleuten und Angehörigen, die die Sprachprobleme weniger deutlich werden lassen. In Haft dagegen fehlten Ausländern die Voraussetzungen, sich in der ohnehin isolierenden Umgebung zurechtzufinden, so Thiel.

Verständigungsprobleme zwischen Gefangenen und Personal

Das deckt sich mit Beobachtungen der Landesgruppe des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) in Sachsen-Anhalt. Deren stellvertretender Vorsitzender Torsten Gröne sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der Anstieg ausländischer Gefangener sei in Untersuchungshaft stärker zu spüren als im Strafvollzug. Zu den größten Herausforderungen für Strafvollzugsbedienstete zählt laut Gröne die Verständigung von Beamten und Häftlingen. "Die sprachlichen Barrieren treten schon bei der Aufnahme der Gefangenen auf", so Gröne. So müsse ihnen erst einmal die Hausordnung erklärt werden.

Probleme gebe es auch bei Behandlungs- und Therapieangeboten in der Justizvollzugsanstalt (JVA). Gröne sagte, es sei schwierig, genügend vereidigte Übersetzer zu bekommen.

Konflikte wegen Verständigungsschwierigkeiten

Hände werden durch ein vergittertes Fenster gestreckt.
Sprachbarrieren führen im Gefängnis zu Problemen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Marco Bras dos Santos von der Gefangenen-Gewerkschaft sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Gefängnisse in Sachsen-Anhalt seien sehr voll. Das sei auch in anderen Bundesländern so und könne nicht den ausländischen Häftlingen zugeschrieben werden. Sprachbarrieren seien ebenfalls ein bundesweites Problem. Einige Beamte bildeten sich mit Sprachkursen fort. Grundlegende Dinge könnten zudem mit Händen und Füßen gelöst werden. Einen "vernünftigen Austausch" ließen mangelnde Sprachkenntnisse aber nicht zu, sagte Bras dos Santos.

Das führe mitunter zu Konflikten, die es aber wegen der räumlichen Enge unabhängig von der Herkunft der Häftlinge gebe. Grundsätzlich baue das System hinter Gittern auf Antragsformularen auf, die es nur in deutscher Sprache gebe.

Manche Häftlinge können nicht einmal ihren Einkauf bewältigen.

Marco Bras dos Santos, Sprecher der Gefangenen-Gewerkschaft

Gefangenen-Gewerkschaft: Arbeitsstunden statt Haft

Die Gefangenen-Gewerkschaft mache sich dafür stark, dass insgesamt weniger Menschen im Gefängnis landen. Bras dos Santos sagte, allein das könne zu einer besseren Personalsituation und einem besseren Arbeitsklima beitragen. "Viele sitzen wegen Kurz- und Ersatzfreiheitsstrafen hinter Gittern, weil sie zum Beispiel ihre Rechnungen nicht bezahlt haben. Sinnvoller wäre es, wenn sie Arbeitsstunden zum Beispiel in Vereinen leisten." Denn im Gefängnis werde niemand ein besserer Mensch.

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14.10.2017 | 05:00 Uhr

Quelle: MDR/mh

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2017, 10:04 Uhr

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55 Kommentare

16.10.2017 15:16 MiSt 55

@mdr-Redaktion
Wenn ich die höchst tendenziös und selektiv argumentierende Susan Bonath kritisiere werden meine Beiträge kassiert. Die Nachfragen dazu werden unterdrückt.
Wenn hier aber ein (gerade diensthabender?) Mediator wütend um sich beisst fliegt er wohl unter dem Radar? Seine Zirkelschlüsse, Relativierungen und Doppelmoral sind ja nun wirklich hinlänglich bekannt, muss er jetzt auch noch ausfallend werden?

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Nein, ausfallend sollte er wie jeder andere Kommentator hier nicht werden.

16.10.2017 09:01 Arthur S. 54

53: "meine Meinungen und Überzeugungen sind gefestigt" das ist das Problem, am besten mal Wahrnehmung und Vernunft nutzen und Denken und Handeln den gegebenen Umständen anpassen.

15.10.2017 23:58 Mediator an Nelly(51) 53

Liebe Nelly, meine Meinungen und Überzeugungen sind gefestigt und von daher kann ich über deine Kritik an grammatikalischen Fehlern nur schmunzeln. Wenn du sonst keine Probleme hast, dann geht es dir ja richtig gut.

Magst du ausführen, warum du einen Vergleich mit einem Türken als Verunglimpfung empfindest?

Türke ist im kein Schimpfwort, sondern bezeichnet die Bewohner der Türkei. In der Türkei laufen aktuell 50% der Bevölkerung einem nationalistischen und diktatorischen Schaumschläger hinterher, der sein Land isoliert und herunterwirtschaftet. Er propagiert überall Feinde und macht seinen Bürgern richtig Angst, dass ohne ihn und ein hartes Durchgreifen das 'Morgenland' bald untergehen wird. Das erinnert doch sehr an die Slogans gewisser Parteien und Organisationen die in Ostdeutschland besonders favorisiert werden.

Von daher war mein Vergleich, dass die Ostdeutschen die Türken Deutschlands sind, eine provokative aber zutreffende Beschreibung ähnlicher Verhaltensmuster.

15.10.2017 20:07 @ Jana, 50 52

Du bist wohl die kleine Schwester von Mediator oder was, wenn man Dich so reden hört: persönliche Angriffe und wenig Inhalte. Mit dem, was Du Post 48 vorwirft, schließt Du eher von Dir auf andere.

Durch Deine engstirnigen Relativierungen versuchst Du nur von dem Problem abzulenken, dass vom Ausland gefährliche Drogen in unserer Land kommen. Und das durch bestimmte Ausländer.

15.10.2017 20:01 Nelly 51

@ 44: Oh , mein Beitrag hat offensichtlich gesessen. Unser alleswissender Mediator schreibt verunsichert im Konjunktiv. Übrigens habe ich Ihnen nicht unterstellt, extreme Positionen zu vertreten. Sie müssen schon richtig lesen und auch verstehen was Sie gelesen haben.
Kürzlich wurde ein Beitrag vom MDR nachträglich gelöscht, in dem ein User die Ostdeutschen als die Türken von Deutschland verunglimpfte.( Schlimm , weil vom MDR veröffentlicht) Wissen Sie wer das war ??? Es war Mediator, unser Oberlehrer. Erklären Sie Ihre geistige Entgleisung. Einem selbsternannten Oberlehrer darf das nicht passieren.

15.10.2017 19:32 Jana 50

@ 48:
Dass du hetzt, ergibt sich aus deinen Aussagen. Letztendlich provozierst du lediglich, ohne dass man mit dir in ein einen Dialog treten kann bzw. dich auf vorhergehende Aussagen festnageln kann. Dein Erscheinungsbild hier ist das einer austauschbaren Nummer. Persönlich erinnert mich das an die doch eher peinlichen Störer im Wahlkampf der Kanzlerin. Hasserfüllte Menschen, die im Schutz der Anonymität gerne mal die Sau rausgelassen haben. Positiv habe ich diese Menschen nie wahrgenommen.

Ansonsten existierte ein Markt für Drogen oder illegale Substanzen in Deutschland, solange es solche Substanzen gab.
Opiate, Amphetamine, Canabisprodukte, Kokain, Pilze und Alkohol wurden schon immer konsumiert. In abgeschotteten Ländern, deren Währung nichts wert war, wurde halt mehr gesoffen oder sich mit in der Apotheke erhältlichen Stoffen zugedröhnt.

15.10.2017 18:18 @ Mediator, 44 49

Mediator: "Sicherlich würde in der deutschen Partyszene ohne ausländische Dealer kein einziges Gramm Kokain, Crystal oder Canabis aufzutreiben sein."

Ja, hier muss ich Ihnen zustimmen. Schlimm, wie die Deutschen von ausländischen Drogendealern verführt werden.

15.10.2017 18:04 @ Jana, 46 48

Klar, ist es ein spanisches Problem, wenn es ein Spanier ist, der es klaut.

Der Drogenmarkt in Deutschland wurde doch geschaffen, und zwar durch die Produzenten, die einen Absatzmarkt sich schufen. (Gruß nach Marokko.)

ferner:
"Also hetz ruhig weiter, das würdest du ja sowieso tun." Solche Aussagen Zeugen von Diskussionsreife.

15.10.2017 17:57 Ekkehard Kohfeld an Whataboutism (27) 47

@ Whataboutism (27) Ansonsten würde ich doch bitte um einen Nachweis bitten, dass ich eine extreme Position vertrete!##Ach lieber Whatabou das ist doch ganz einfach man braucht dafür gar nicht groß rum suchen einfach ihre Kommentare lesen weitere Nachweise braucht es dafür doch gar nicht das ist so offensichtlich.

15.10.2017 17:40 Jana 46

@39:
Gemäß deiner Logik ist es also ein spanisches Problem, wenn mir jemand meinen Seat in Magdeburg klaut? Ernst nehmen muss man dich bei solch einer Argumentation nicht! Drogenhandel und Drogenkonsum ist ein deutsches Problem, weil hier ein Markt dafür existiert und Deutsche dieses Dreckszeug konsumieren. Dieser Markt funktioniert nach den Gesetzen der Marktwirtschaft und so gibt es Produzenten, Importeure, Großhändler, Lokale Verteiler, Zwischenhändler. Ganz am Ende wird das Zeug dann um ein vielfaches gestreckt von Leuten unters Volk gebracht, die sich oft damit ihre eigene Sucht finanzieren. Wer in dieser Kette involviert ist, dass zeigt sich nicht auf der Straße und ist sorgsam vor der Öffentlichkeit abgeschottet. Also hetz ruhig weiter, das würdest du ja sowieso tun.