Sachsen-Anhalt

Bienenforscher tagen in Halle : Bienen sind bedroht

Forscher warnen vor den schlimmen Folgen durch das Bienensterben. Ihr Aussterben hätte fatale Folgen für die Menschheit, wie es auf einem internationalen Kongress in Halle am Dienstag hieß.

Nachlassendes Interesse an der Imkerei

Honigbienen
Wie funktioniert ein Bienenstaat?

Biologie-Professor Robin Moritz sagte, ein wichtiges Thema des Kongresses sei die weltweite Bedrohung der Bienen. Angesichts von Parasiten, Krankheiten und immer weniger Imkern seien die Bestände an Bienen in Gefahr. "Ihr ärgster Feind ist die Varroamilbe, die in die Brut eindringt", sagte Moritz. Die Varroamilbe sei zudem ein nachhaltiges Problem für die Imker, die regelmäßig ihre Völker dagegen behandeln müssen.

Auch das nachlassende Interesse an der Imkerei bereite den Forschern Sorgen. Allein in Deutschland habe sich die Zahl der Imker seit 1990 von zwei Millionen auf eine Million halbiert, sagte Moritz am Dienstag zum Auftakt des Kongresses. In Osteuropa sei dies besonders dramatisch. Hier sei die ehemals staatlich gestützte Honiggewinnung für so manchen Imker wirtschaftlich nicht mehr attraktiv. Für das ökologische Gleichgewicht hätte es nach Ansicht des Experten fatale Folgen, wenn es nicht gelänge, die Bienenbestände zu halten und zu vermehren. "Das würde die Welt fundamental verändern", sagte Moritz mit Blick auf die Bestäubung von Pflanzen. "Etwa zwei Drittel der Nahrungsmittel hängen von der Arbeit der Bienen ab."

Hintergrund: Das große Bienensterben

Nicht nur in Deutschland melden Imker seit einigen Jahren hohe Verluste von Bienenvölkern. Die fleißigen Insekten sterben weltweit. Forscher suchen nach den Gründen. [mehr]


Bienen im Fokus der Forschung

An der Martin-Luther-Universität treffen sich in dieser Woche rund 400 Forscher aus über 50 Ländern. Sie wollen neue Erkenntnisse aus der Parasiten- und Krankheitsforschung austauschen.

Wie Moritz dem MDR mitteilte, spielt Halle bei der Bienenforschung in Europa mittlerweile eine wesentliche Rolle. So seien an der Universität bereits zwei Professuren ausschließlich auf die Bienenforschung fokussiert.

Die Bienenforscher wollen während der bis Donnerstag dauernden Konferenz auch der Frage nachgehen, was das Gehirn einer Honigbiene leisten kann oder wie ein Bienenstaat funktioniert. Im Fokus steht aber auch die Neurobiologie, in der die Biene beispielsweise als Modellsystem für die Gedächtnisforschung untersucht wird.

Weltweit gibt es den Angaben zufolge mehr als 2.000 Bienenarten. Viele Spezies in den Tropen seien noch nicht erforscht, sagte Moritz. "Dort fühlen sich Honigbienen am wohlsten."

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2012, 17:00 Uhr

1. rfunk99:
Im Frühjahr wird keine Behandlung gegen die Varroamilbe durchgeführt, alle Behandlungen müssen bis Jahresende durchgeführt sein. Die Giftspritze wird sowieso nicht benutzt, sondern z.B. die in der Natur vorkommende Ameisensäure.
06.09.2012
10:18 Uhr

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Varroamilbe

Die Varroamilbe (Varroa destructor) wurde 1977 aus Asien eingeschleppt. Der 1,6 Millimeter große Parasit beißt sich an der Honigbiene fest und saugt ihr Blut. Die Milbe befällt vorrangig die Brut und schädigt die Larven. In der Folge sterben die Larven ab oder es schlüpfen verkrüppelte Bienen. Im Winterhalbjahr befällt der Schädling auch die erwachsenen Bienen. Dadurch kann das Bienenvolk so schwer geschädigt werden, dass es zugrunde geht.

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