Sachsen-Anhalt

Wirtschaft gegen Wissenschaft : Streit um Bio-Kraftstoff

Bio-Diesel-Produzenten aus Sachsen-anhalt wehren sich gegen die Kritik der Wissenschaft. Das Magdeburger Bio-Ölwerk warnt, dass die Branche ohne Förderung nicht überleben könne. Grund dafür seinen Bio-Öl-Importe aus südamerikanischen Ländern.

Eine Hand greift eine Biodiesel-Zapfpistole

Im Streit um Bio-Kraftstoff wehren sich Produzenten aus Sachsen-Anhalt gegen die Kritik von Wissenschaftlern der Leopoldina in Halle. Der Chef des Magdeburger Bio-Ölwerks, Reinhard Kluge, warnte bei MDR SACHSEN-ANHALT, der Biodiesel-Branche drohe ohne Förderung das gleiche Schicksal wie der Solarindustrie. Millionenschwere Investitionen gingen den Bach hinunter.

Allein in den Aufbau des Magdeburger Bio-Ölwerks flossen laut Kluge mehr als 130 Millionen Euro. Statt die Keule anzusetzen, sollten die Experten lieber Lösungsvorschläge machen, sagte Kluge weiter. Die Branche liege ohnehin am Boden, weil Deutschland Billigimporte aus Südamerika zulasse.

Leopoldina rät, Förderungen einzustellen

Die Nationale Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, in Halle hatte Ende Juli der Bundesregierung öffentlich empfohlen, Bio-Sprit nicht länger zu fördern. Rapsdiesel und ähnliches seien nicht umweltfreundlich. Zudem würden Nahrungsmittel verschwendet. Darum hat die Expertengruppe vom weiteren Ausbau des Bioenergiesektors ausdrücklich abgeraten.

Bei der Energiewende solle sich Deutschland auf Energiequellen wie Wind- und Solarkraft konzentrieren. Diese hätten eine bessere Bilanz bei Treibhausgas-Emissionen und anderen Umweltbelastungen. Bei der Bewertung der Klimabilanz von Bioenergie müssten sämtliche Emissionen berücksichtigt werden, so das Gutachten. Durch den Import von Biomasse, den Spritverbrauch in der Landwirtschaft sowie die umweltschädlichen Folgen von Düngern seien Energie und Sprit aus Pflanzen nicht unbedingt klimafreundlich. Die Experten bemängeln zudem, dass Bioenergie potenziell mit der Herstellung von Nahrungsmitteln konkurriere und diese verknappe oder verteuere. Das gleiche gelte für Ackerland und Wasser.

Biosprit von Übersee

Zeitungsberichten zufolge verdrängt Biosprit aus Übersee zunehmend einheimischen Biodiesel. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte berichtet, dass vor allem staatlich begünstigter Biodiesel aus Argentinien und Indonesien den Markt überschwemme. Branchenvertreter wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass dieser Treibstoff oft nicht den EU-Nachhaltigkeitskriterien entspreche. Sie forderten, dass solche Produkte nicht mehr als Biokraftstoff verkauft werden dürfen. Die Produktion von Biosprit wird in Ländern Südamerikas und Asiens für die Abholzung von Regenwäldern mitverantwortlich gemacht.

Zuletzt aktualisiert: 11. August 2012, 14:34 Uhr

5. Lehhofer:
Leider sind Politiker durch Lobbyisten leicht beeinflussbar, und wenn dann jemand nur überzeugend auftritt, schnappt die Förderfalle leicht zu. Die Frage nach Energieeinsparung wird in diesem Zusammenhang kaum diskutiert. -Wieso muss man in Sachsen Wasser aus der Eifel kaufen können, warum an der Nordsee Bier aus Bayern? -Warum ist es immer noch billiger, lebende Tiere zum Schlachten nach Italien zu fahren und als Gefrierfleisch nach Deutschland zurück zu holen? -Warum ist Just-in-time-Lieferung so billig, dass sie die Lagerhaltung verdrängt? Weil der LKW-Transport trotz hoher Dieselpreise viel zu billig ist! Wenn der Transport teurer wäre, würde die Nachfrage danach sinken und damit der Dieselverbrauch auch. Außerdem hätte das dann den Effekt, dass die Produktion dezentral nahe beim Verbraucher wieder rentierlich würde. Wir als Verbraucher haben mit in der Hand, den Biosprit-Unfug beim bewussten Einkauf regionaler Produkte zu mindern.
12.08.2012
12:22 Uhr
4. Chemiker:
Man kann nur hoffen, dass die fundierte Bewertung der Leopoldina auch in den Köpfen derer auf fruchtbaren Boden fällt, die sich gern ein grünes Mäntelchen umhängen und über Förderprogramme populistisch auf Wählerstimmenfang gehen. Die angebliche CO2-Neutraliät des Biodiesel ist ein schlechter Scherz. Deshalb gehört jede Form staatlich subventionierter Vergeudung von wichtigen Ressourcen auf den öffentlichen Prüfstand. Fördermittel sind dort notwendig, wo an Zukunftstechnologien geforscht wird; die Planung eigener wirtschaftlicher Strategien auf Basis eines nicht versiegenden Quells staatlicher Förderung hat mit Vernunft nichts zu tun.
12.08.2012
10:59 Uhr
3. Ostmichel:
Da kann man mal sehen, wie unsinnig mit den Fördermitteln umgegangen wurde. Obwohl in der Politik bekannt war, dass die Biospritproduktion einerseits Lebensmittelressourcen verschwendet und andererseits der Biosprit selbst nicht umweltfreundlich sondern in dieser Hinsicht sogar schädlicher als herkömmlicher Sprit ist, wurden dafür Fördergelder ausgegeben. Nun müssen auch die Produzenten wohl oder übel darauf hingewiesen werden : Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende !
12.08.2012
06:46 Uhr
2. Ramon:
Die Wissenschaft arbeitet im Dienst der Menschheit, die Wirtschaft handelt nur aus eigenen Interessen. Und um Geld zu scheffeln, gehen Kapitalisten notfalls auch über Leichen und scheren sich erst recht einen Dreck um die Natur! Es wird zwar immer wieder die gleiche Leier vom "Arbeitsplätze-Schaffen" ausgepackt, was davon letztlich zu halten ist, weiß allerdings jeder halbwegs intelligente Mensch ... Auch ich denke, dass Biospritimporte von Regenwaldabholzern sofort verboten werden sollten, die Förderung für deutschen Biosprit sollte schnellstens eingestellt werden. Denn wer ist vertrauenseliger, ein Kapitalist oder ein unabhängiger Wissenschaftler?
11.08.2012
16:05 Uhr
1. Marci:
ich weiss nicht warum hier geweint wird ,ES IST KAPITALISMUS, nachfrage-angebot,weiss man doch,liebe wirtschafter .firmenbosse.was auch immer,wie wäre es mal über HANF nachzudenken und mit der pflanze was anzufangen anstatt mit mais gegen die usa und südamerika anzutreten.ps.habe äcker gesehen sie waren nach ein paar jahren derart mit Pratylenchus versäucht das es nur so wimmelte .
11.08.2012
14:00 Uhr

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Bio-Ölwerk Magdeburg

Das Unternehmen wurde im Jahr 2000 gegründet. 2006 wurde es um ein weiteres Werk erweitert. Seitdem kann das Bio-Ölwerk jährlich 255.000 Tonnen Bio-Diesel produzieren. Dafür werden 700.000 Tonnen Rapssaat verarbeitet. Nach eigenen Angaben wurde es bisher mit rund 130 Millionen Euro gefördert.

Stellungnahme der Leopoldina

An der Leopoldina-Stellungnahme zu den Möglichkeiten und Grenzen der Bioenergie haben mehr als 20 Wissenschaftler in einer 2010 eingesetzten Arbeitsgruppe zur Bioenergie mitgearbeitet. Die Nationalakademie Leopoldina mit Sitz in Halle vertritt die deutsche Wissenschaft und gibt Empfehlungen und Stellungnahmen an Politik und Gesellschaft ab.

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